Briefspiel:Kaiserjagd/Bankett in Mortecervi III

Aus Liebliches-Feld.net
Zur Navigation springenZur Suche springen

Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 1.-6. Firun 1046 BF Schauplatz: von Aldyra in den Wald von Persenciello Entstehungszeitraum: ab März 2024
Protagonisten: Khadan II. Firdayon, etliche Hochadlige und weitere Noble des Reiches Autoren/Beteiligte: Amarinto, Atagon, Bella, Carenio, Cassian, Dajin, Dellapena, Erlan, Flaviora, Fürst Federkiel, Gerberstädter, Gonfaloniere, Horasio, Illumnesto, Kacheleen, Luntfeld, Nebelzweig, OrsinoCarson, Princeps, Rondrastein, Salkyo, Savinya Romeroza, Schatzkanzler, Silberwind, Temelon, Tribec, Vairningen, VivionaYaPirras u.w.

Zyklus:
Übersicht · Teilnehmer · Schauplätze · Regeln · Erster Tag · Zweiter Tag · Dritter Tag · Vierter Tag · Fünfter Tag · Sechster Tag · Individuelle Auswertung · Gerüchteküche


Bankett in Mortecervi III – Comtessa Ricardas Auftritt

4. Firun 1046 BF abends, im Jagdschloss Mortecervi

Fortsetzung von hier.

Autoren: Amarinto, VivionaYaPirras

Beim Bankett anders auftretend als hier: Comtessa Ricarda

Einige Zeit verging.
Der große Bankettsaal des Castello Mortecervi hatte sich inzwischen gut gefüllt. Gespräche erfüllten die hohe Halle wie das stetige Rauschen eines Flusses, unterbrochen vom Klirren von Glaspokalen, silbernen und goldenen Bechern, dem Lachen einzelner Gesellschaften und den gedämpften Schritten der Dienerschaft. Über allem flackerte das warme Licht unzähliger Kerzen, das sich in Gold, Silber und geschliffenen Kristallen brach.
Dann betrat Comtessa Ricarda ash Manek den Saal.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Nicht allein.
An ihrem Arm schritt Cavalliere Dareius Amarinto.
Für den Bruchteil eines Herzschlags schien sich das Stimmengewirr tatsächlich abzuschwächen und einige Augenpaare richteten sich auf die Neuankömmlinge.
Ricarda bewegte sich mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit durch den Saal, die der Hochadel bereits in frühester Kindheit erlernte.
Ihr Kleid war unverkennbar eine Arbeit aus Belhanka. Schwere rote Seide bildete den Grundstoff, darüber liefen feine goldene Stickereien in kunstvollen floralen Mustern bis über die Ärmel und den hohen Mieder. Rot und Gold. Die Farben der Grafschaft Chabab. Die Farben des Hauses ash Manek. Jeder einzelne Stich verriet höchste Schneiderkunst, doch nichts an dem Gewand wirkte überladen. Es unterstrich vielmehr die selbstverständliche Würde seiner Trägerin.
Ihr dunkelblondes Haar war kunstvoll hochgesteckt. Einige sorgfältig gesetzte Locken umrahmten ihr Gesicht, während kleine goldene Schmucknadeln das Kerzenlicht einfingen. Ihre hellblauen Augen wanderten ruhig durch den Saal. Belustigt. Fast herausfordernd. Und auf ihren Lippen lag jenes gewinnende Lächeln, als sei es das Natürlichste der Welt, ausgerechnet mit einem niederadeligen Turnierstreiter den Saal des kaiserlichen Banketts zu betreten.
Neben ihr wirkte Dareius beinahe wie ihr Gegenpol.
Er trug das schwarz-rote Festgewand der Famerlorianer. Es war ein Gewand, das Würde ausstrahlte, ohne Eitelkeit zu suchen. Schwarz als Grundfarbe, tiefrote Säume und dem roten, kupferbewehrten Drachen mit Löwenhaupt auf der Brust. Es nahm ihm die Entscheidung ab, welche Kleidung die passende war. Und genau deshalb trug er es bei nahezu jedem festlichen Anlass.
Sein Gang war ruhig, aufrecht und von natürlicher Eleganz geprägt, die ihm auf Turnierbahnen ebenso eigen war wie auf Schlachtfeldern. Und doch erkannte der aufmerksame Beobachter einen feinen Unterschied. Dareius Amarinto war es üblicherweise gewohnt, selbst der Mittelpunkt des Geschehens zu sein. Auf der Turnierbahn. Im Duell. Im Gespräch. Hier dagegen war er nicht die Hauptfigur. Heute war er dekoratives Beiwerk, ein provokantes Accessoire der Comtessa. Und obwohl er diese Rolle makellos ausfüllte, haftete ihr ein kaum wahrnehmbarer Anflug von Fremdheit an. Nicht Unsicherheit. Vielmehr die stille Disziplin eines Mannes, der lernte sich in seine Rolle zu fügen.
Während Gemurmel ob dieses überraschenden Auftritts den Saal durchzog, schien Ricarda davon keinerlei Notiz zu nehmen. Oder sie nahm es wahr und genoss es. Man konnte es nicht sicher sagen.
Sie führte Dareius ruhig durch den Saal, begrüßte hier einen Baron, dort einen Comto oder einen treuen Gefolgsmann ihrer Familie. Nie blieb sie lange stehen. Nie verlor sie ihre gelassene Selbstverständlichkeit. Schließlich erreichten sie die Tafeln der hochrangigen Gäste Chababiens, Drôls und der Zyklopeninseln. Dort erhoben sich mehrere Adlige höflich. Ricarda erwiderte jede Begrüßung mit vollkommener Sicherheit.
„Comto Phedro.“ Sie neigte leicht den Kopf vor dem Erben des Fürstentums Drôl.
„Comtessa ash Manek, wie immer eine Freude euch zu treffen.“ Graf Phedro ya Costermana erwiderte die Verbeugung mit höflicher Präzision.
Sein Blick glitt kurz zu Dareius. Ein feines, kaum deutbares Lächeln erschien.
Ein Diener trat heran. Mit routinierter Sicherheit wurde Dareius ein Platz zugewiesen. Direkt neben Phedro ya Costermana. Ein Platz, der für einen Cavalliere keineswegs selbstverständlich war.
Dareius verneigte sich ruhig.
„Ich danke Euch für die Ehre den Abend in so angesehener Gesellschaft verbringen zu dürfen.“
Der Graf von Tolfana erwiderte das Nicken höflich.
„Es ist immer eine Freude Vetreter meiner alten Heimat Phecadien zu treffen, Cavalliere. Zudem wenn sie dann noch so bekannte Turnierstreiter sind.“
Ein kaum wahrnehmbarer Unterton schwang in seinen Worten mit. Nicht spöttisch, nicht freundlich. Neugierig.
Ricarda setzte sich, als wäre all dies niemals Anlass für Verwunderung gewesen. Sie legte die Hände ruhig auf den Tisch. Dann warf sie Dareius einen flüchtigen Seitenblick zu. Nur für einen Herzschlag. Ein belustigtes Funkeln blitzte in ihren hellblauen Augen auf. Fast schien ihr Blick zu sagen: 'Seht Ihr Cavalliere? Genau deshalb wollte ich, dass Ihr mich begleitet.' Dareius Amarinto lächelte wissend, als im dämmerte in was für eine Art von höfischem Spiel er hineingezogen worden war.
Wie durch einen göttlichen Zufall fiel sein Blick in diesem Moment durch den Raum auf den Tisch, an dem Orleane ya Pirras und Berytos von Malur saßen. Für einen flüchtigen Moment trafen sich ihre Blicke und sein Lächeln erstarb. Nicht abrupt, sondern langsam und wich einem eher nachdenklichen Blick.

Denkt sich ihren Teil zur Comtessa und ihrem Begleiter: Orleane ya Pirras

Orleane wich seinem Blick aus. Sie hatte gesehen, wie beide den Saal betraten. Dareius und seine neueste Eroberung. War sie verletzt? Vielleicht. Hatte sie mit etwas anderem gerechnet? Nein. Aber dies war ein neues Gesicht und irgendetwas war anders. Fast sah es so aus, als hätte sie die Zügel in der Hand und Dareius war nur so etwas wie eine Trophäe.
“Dies ist Comtessa Ricarda ash Manek ...”, hörte sie auf einmal von ihrer Linken. “Chababischer Hochadel. Einst angedacht Prinz Finnian ui Bennains von Albernia zu ehelichen, aber das Schicksal meinte es anders. Eine der begehrtesten Partien des Reiches.”
“Und doch nur ein weiterer Name auf der Liste seiner Eroberungen."
Wieder hörte sie die Worte von Josmina Amarinto und Ursophyne de Maltris in ihrem Kopf. Wie sie über Dareius gesprochen hatten. Über seinen Lebenswandel, sein Ehrgefühl, sein Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Haus. Hatte sie dort überhaupt einen Platz? Machte sie sich selber etwas vor? Er gewann an Einfluss nach dem Aufstand in Sewamund. Eine Audienz beim Horas. Eine Annäherung an den Hochadel. Ein leichtes Pochen begann hinter ihrer Stirn und ein leichtes Zittern durchlief ihren Körper.
Sie spürte eine sanfte Berührung auf ihrer linken Hand. Berytos hatte diese ergriffen. Er strahlte einen Hauch von Ruhe aus. Ein sanftes Lächeln zierte sein Gesicht, welches Orleane erwiderte.
“Meine Liebe, dieser Abend soll der erste Abend unseres besseren Kennenlernens sein. Daher gehört dieser Moment uns und nur uns. Keine dunklen Gedanken, keine Unsicherheit, keine Traurigkeit. Nur wir beide.”
Vorsichtig hob er Orleanes Hand und hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken. Dabei warf er einen leichten Seitenblick auf Dareius, wohl bewusst, dass dieser Orleane nicht aus den Augen ließ.

Dareius wandte seinen Blick ab und erinnerte sich, dass er neben einem Grafen und Erben eines Fürstentums saß.
Sein Platz neben Phedro ya Costermana erwies sich schon nach wenigen Augenblicken als weit angenehmer, als er zunächst erwartet hatte. Der Fürstinnensohn besaß jene seltene Gabe, Standesbewusstsein mit ehrlicher Neugier zu verbinden, und sprach mit derselben Leidenschaft über Jagdhunde wie über Wein, Pferde oder Gartenkunst. Nachdem zunächst über die winterliche Jagd, die merkwürdigen Umstände dieser Jagd und bisherigen Jagdereignisse gesprochen worden war, kam das Gespräch beinahe beiläufig auf die Gartenanlagen der großen Adelshäuser.
„Ich gestehe“, sagte Phedro und drehte den goldenen Pokal zwischen den Fingern, „dass mein Herz weniger für Jagdtrophäen schlägt als für Rosen.“
Er lächelte entschuldigend.
„Eine ungewöhnliche Leidenschaft für einen Mann meines Standes, ich weiß.“
Dareius schüttelte sofort den Kopf. „Ganz im Gegenteil, Comto. Mein Vater hätte Euch widersprochen.“
Phedros Aufmerksamkeit war augenblicklich geweckt. „Wirklich?“
„Mein Vater Darion Amarinto ist ein leidenschaftlicher Rosenzüchter.“
Ein feines Lächeln erschien auf Dareius' Gesicht.
„Manche behaupten scherzhaft, er besitze mehr Geduld für Rosen als für Menschen.“
Der Comto lachte herzlich. „Ein kluger Mann.“
„Er legte einen großen Rosengarten in unserem Palazzo in Sewamund an. Viele der alten Sorten stammen noch aus seiner Hand.“
Dareius hielt kurz inne. Sein Blick wurde wärmer.
„Nach seiner Berufung zum Paladin seiner imperialen Majestät hat meine jüngste Schwester Cariana seine Arbeit übernommen.“
Ricarda wandte den Kopf leicht. Sie hörte aufmerksam zu.
„Und ich wage zu behaupten“, fuhr Dareius fort, „dass sie ihn inzwischen sogar übertroffen hat.“
Phedro hob überrascht die Augenbrauen. „Das ist ein bemerkenswertes Lob aus dem Mund eines älteren Bruders.“
„Es ist schlicht die Wahrheit.“
Dareius nahm einen Schluck Wein.
„Cariana besitzt weit mehr Geduld als ich, generell ist sie viel klüger und weiser als ihr großer Bruder.“
Der Graf von Tolfana lächelte. „Eine ungewöhnliche Beschäftigung für eine Turnierstreiterin.“
„Nicht für meine Schwester.“
Ein kaum merklicher Stolz schwang in Dareius' Stimme mit.
„Sie betrachtet Rosen beinahe wie andere ihre Pferde. Jede Sorte besitzt ihren eigenen Charakter.“
Phedro nickte anerkennend. „Eine Haltung, die ich durchaus teile.“
„Vor wenigen Jahren begann sie sogar mit... ungewöhnlicheren Experimenten.“ Jetzt war die Aufmerksamkeit der gesamten Tischrunde gewonnen. „Gemeinsam mit einem Magister der Halle der Metamorphosen entwickelte sie eine neue Züchtung.“
Der Comto beugte sich leicht vor. „Nun macht Ihr mich neugierig.“
Dareius lächelte. „Die tiefblaue phecadische Rose.“
Für einen Augenblick herrschte Schweigen. Dann stellte Phedro seinen Becher langsam auf den Tisch. „... die was?“
„Eine Rose mit tiefblauen Blüten.“
„Unmöglich.“
„Magisch unterstützt.“
„Bei den Zwölfen ...“ Phedro lachte ungläubig.
„Eine wahrhaft blaue Rose? Nicht violett wie die Paligansrose?“
„Nein, Comto, ich schwöre bei den Zwölfen.“ Dareius nickte ruhig. „Ein kräftiges, sattes Blau.“
Der Comto schüttelte langsam den Kopf. „Ich beschäftige mich seit vielen Götterläufen mit Rosenzucht.“ Seine Stimme war nun vollkommen ernst. „Und ich höre davon erst jetzt?“ Er lächelte. „Das“, sagte Phedro mit gespielter Entrüstung, „ist beinahe eine persönliche Beleidigung.“
Selbst Ricarda ash Manek musste leise lachen.
„Comto“, bemerkte sie amüsiert, „Ihr benehmt Euch gerade wie ein kleiner Junge vor seiner ersten Lektion im Schwertkampf.“
„Ganz richtig.“ Phedro nickte ohne jede Scham. „Und ich sehe keinerlei Anlass, dies zu leugnen.“
Er wandte sich sofort wieder Dareius zu. „Wo ist Eure Schwester?“
„Hier auf dem Bankett. Bei den anderen Grangoriern.“
„Dann holt sie augenblicklich her.“
Dareius blinzelte überrascht. „Jetzt sofort?“
„Natürlich jetzt sofort.“ Phedro machte eine ausladende Handbewegung.
„Ihr könnt doch unmöglich erwarten, dass ich erfahre, irgendwo in diesem Saal sitzt eine Frau, die eine wahrhaft blaue Rose gezüchtet hat, und ich bleibe seelenruhig sitzen und wir reden weiter darüber wessen Jagdfalke nun mehr Hasen gefangen hat.“
Dareius konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Wenn Ihr darauf besteht, Comto ...“
„Ich bestehe ausdrücklich darauf.“
Dareius erhob sich. „Dann werde ich meiner Schwester berichten müssen, dass der Schirmherr der Drôler Rosengemeinschaft persönlich ihre Bekanntschaft wünscht.“
„Ganz genau.“ Der Comto grinste breit. „Und sagt ihr gleich, dass sie einen Bewunderer mehr hat.“

Wird dem Grafen Phedro vorgestellt: Cariana Amarinto

Kurz darauf kehrte Dareius zurück. Neben ihm schritt Cariana Amarinto, sie trug passenderweise ein tiefblaues Kleid mit kleinen silbernen Lilien und Drachenverzierungen. Die Ritterin verneigte sich höflich. Einzig ihre geröteten Wangen verrieten eine gewisse Nervosität.
„Comto ya Costermana.“
Phedro erhob sich tatsächlich von seinem Platz. „Signora Amarinto.“ Er erwiderte die Verbeugung mit aufrichtiger Wertschätzung. „Es ist mir eine große Freude.“
Cariana wirkte einen Moment ehrlich überrascht.
„Die Freude ist ganz meinerseits.“ Sie lächelte zurückhaltend. „Mein Bruder berichtete mir gerade, dass Ihr Euch für meine Rosenzucht interessiert.“
„Interessieren?“ Phedro schüttelte den Kopf. „Das wäre eine maßlose Untertreibung.“
Er legte seine Hand auf ihren Arm und führte sie ein paar Schritte fort von den Unterhaltungen am Tisch.
„Bitte... erzählt mir alles.“
Cariana nickte erfreut. „Ihr ehrt mich, Comto.“ Ihre Stimme blieb ruhig und bescheiden. „Dass gerade Ihr Interesse an meiner Arbeit zeigt, bedeutet mir sehr viel.“
Phedro winkte bescheiden ab. „Nein nein, Signora.“
Seine Augen glänzten vor Begeisterung.
„Ihr ehrt alle Freunde der Rosenzucht, wenn Eure Züchtung tatsächlich hält, was Euer Bruder verspricht.“
Cariana lächelte. „Dann hoffe ich sehr, Euch eines Tages persönlich ein besonders prächtiges Exemplar der phecadischen Rose schenken zu dürfen.“
„Ich freue mich jetzt schon auf diesen Tag!“
Und ehe jemand eingreifen konnte, waren beide vollkommen in ihr Fachgespräch vertieft. Sie diskutierten über Bodenbeschaffenheit, Veredelungen der Blüten, den Einfluss verschiedener Mineralien auf Blütenfarben und über die Schwierigkeiten, magisch hervorgerufene Veränderungen über mehrere Generationen hinweg zu stabilisieren.
„... das eigentliche Problem“, erklärte Cariana, „bestand nie darin, eine blaue Blüte hervorzubringen.“
„Sondern?“
„Sie erblich zu machen.“
Phedro nickte begeistert. „Natürlich! Die astrale Signatur verändert sich!“
„Genau.“
„Und wie habt Ihr das gelöst?“
„Durch mehrere Rückkreuzungen und eine kontrollierte Metamorphose der Keimlinge.“
„Beim heiligen Amadoro...“ Der Comto lachte laut auf. „Das ist brillant!“

Dareius lehnte sich etwas zurück. Ein zufriedenes Gefühl machte sich in ihm breit. Er hatte gehofft, seiner Schwester einen Gefallen zu tun. Nun sah er, wie sie mit leuchtenden Augen über ihre Leidenschaft sprach, während ihr Gegenüber, ein Graf, ihr aufmerksam zuhörte. Tatsächlich war es also andersherum. Sie tat ihm einen Gefallen und es machte ihn stolz.
Ricarda beobachtete die Szene schweigend.
Dann traf ihr Blick den seinen. Nur für einen kurzen Moment. Kein Wort wurde gewechselt. Aber ihre hellblauen Augen verrieten alles. Darin lag eine ehrliche Anerkennung. Und etwas Stolz auf ihre Entscheidung. Sie schien ihm wortlos zu sagen: 'Genau deshalb wollte ich Euch heute an meiner Seite haben.'
Dareius erwiderte den Blick mit einem respektvollen Nicken und einem kaum wahrnehmbaren erleichterten Seufzen. Erst jetzt erlaubte er sich, den Blick durch den Saal schweifen zu lassen.
Fast unwillkürlich suchte er den Tisch, an dem das Haus ya Pirras Platz genommen hatte. Sein Blick fand ihn rasch. Dort saßen Orleane und Berytos von Malur nebeneinander. Für einen flüchtigen Augenblick blieb Dareius' Blick auf ihnen ruhen. Ob einer von beiden ihn bemerkte. Oder ob beide längst ganz in ihrem eigenen Gespräch aufgegangen waren, ließ sich aus dieser Entfernung nicht erkennen. Beide unterhielten sich angeregt und ließen sich auch nicht von einem Mann stören, der gezielt auf ihren Tisch zuging.

Gefragter Gast an einer anderen Tafel: Icaro ya Pirras

Es war offensichtlich ein Krieger, schon Mitte der Vierzig, sein Haar dunkel mit silbernen Strähnen durchzogen. Sein Wappenrock war in silber und schwarz gehalten, ein Wappen war darauf nicht zu erkennen. Ernst blickte er in die Runde und trat auf Valerio ya Pirras zu.
Seine Stimme klang fest und befehlsgewohnt, als er eben diesen ansprach. “Werter Baronet ya Pirras, vor euch steht Garon Rodereich, Cavalleristo der Baronessa Cesara Thirindar von Hussbek, Seneschallin von Hussbek.”
Erschrocken ließ Orleane ihr Besteck fallen, fasste sich aber schnell wieder und sah in die besorgten Augen ihres Tischherrn. Dies war also einer jener, die seinerzeit Josmina Amarinto Gewalt angetan hatten und den sie vor kurzem auf Leben und Tod gefordert hatte. Was wollte er hier? Dann wurde sie aus ihren Gedanken gerissen und vernahm die fragenden Worte von Berytos.
Davon ließ sich der Krieger aber nicht ablenken und sprach unbeirrt fort.
“Die werte Baronessa bittet um die Gelegenheit, mit eurem Sohn Icaro einige Worte zu wechseln. Selbstverständlich in Begleitung seiner Gattin. An ihrem Tisch.” Er deutete auf die Kusliker Gesellschaft im Saal.
Valerio ya Pirras musterte den Krieger. “Ihr seht mich verwundert, werter Cavalleristo Rodereich, gab es bisher noch keinerlei nennenswerten Kontakt zwischen der Baronessa und unserem Haus. Aber wer bin ich, die Bitte einer Seneschallin abzulehnen. Wenn mein Sohn ebenso keine Bedenken hat, soll es so sein.”
Mit einer generösen Geste deutete er auf seinen Sohn.
Dieser war auch sehr überrascht über diese Einladung, aber es weckte auch seine Neugier. Seine Frau neben ihm war sofort Feuer und Flamme dafür gewesen.
Icaro stand auf, richtete seine Kleidung und reichte seiner Frau die Hand.
“Cavalleristo, habt Dank für die Einladung an den Tisch eurer Dienstherrin. Wohlan, geleitet uns zu ihr. Sie soll nicht noch länger warten.”


Fortsetzung folgt ...