Briefspiel:Kaiserjagd/Sturm über Aldyra

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Kaiserjagd.png Städteübergreifendes Briefspiel Kaiserjagd.png
Datiert auf: 1.-6. Firun 1046 BF Schauplatz: von Aldyra in den Wald von Persenciello Entstehungszeitraum: ab März 2024
Protagonisten: Khadan II. Firdayon, etliche Hochadlige und weitere Noble des Reiches Autoren/Beteiligte: Haus Amarinto.png Amarinto, Familie ter Braken.png Atagon, Familie Solivino.png Bella, Familie della Carenio.png Carenio, Familie ya Malachis.png Cassian, Reichswappen.png Dajin, Haus della Pena aeH.png Dellapena, Haus Sirensteen.png Erlan, Familie Flaviora.png Flaviora, Familie d'Antara.png Fürst Federkiel, Familie Gerber.png Gerberstädter, Haus Urbet.png Gonfaloniere, Haus della Pena jH.png Horasio, Haus d Illumnesto.png Illumnesto, Familie van Kacheleen.png Kacheleen, Familie Luntfeld.png Luntfeld, Haus Legari.png Nebelzweig, Haus Carson.png OrsinoCarson, Familie di Cerrano.png Princeps, Haus di Salsavur.png Rondrastein, Familie Aspoldo.png Salkyo, Haus Romeroza.png Savinya Romeroza, Haus Veliris.png Schatzkanzler, Familie Ventargento.png Silberwind, Familie A Temelon.png Temelon, Haus Tribec.png Tribec, Wappen fehlt.png Vairningen, Haus ya Pirras.png VivionaYaPirras u.w.
Zyklus: Übersicht · Teilnehmer · Schauplätze · Regeln · Erster Tag · Zweiter Tag · Dritter Tag · Vierter Tag · Fünfter Tag · Sechster Tag · Individuelle Auswertung · Gerüchteküche
– 4. Firun:
– 5. Firun:
...
– 6. Firun:
...
– Geschichten nach der Jagd:


Sturm über Aldyra

24.-26. Hesinde 1046 BF, von den Zyklopeninseln bis nach Aldyra

Autor: Erlan

Teil 1 – 24. Hesinde – Abschied von den Zyklopeninseln

Erlan Sirensteen stand an der Reling des Schiffes und blickte über das weite Meer der Sieben Winde. Am Horizont zeichneten sich noch die dunklen Konturen der Zyklopeninseln ab, doch mit jeder Meile verblassten sie, bis sie schließlich nur noch wie ferne Schatten zwischen Himmel und Wasser wirkten. Neben ihm stand sein Knappe Nicolo Tolman di Onerdi, der ihn auf dieser Reise begleitete.

Erlan und Nicolo an der Reling

Erlan drehte sich um, blickte zurück und kniff leicht die Augen zusammen. War das dort hinten Mylamas, das gerade im Dunst versank? Oder doch eher Kutaki? Auf diese Entfernung ließ sich das längst nicht mehr sicher sagen. Die Inseln verloren rasch ihre Gestalt, als wollten sie sich dem Blick entziehen, sobald man sich von ihnen entfernte.
Unwillkürlich verspürte Erlan einen leisen Anflug von Wehmut. Die Zeit auf den Zyklopeninseln war wieder einmal angenehm gewesen – zu kurz zwar und, wenn er ehrlich zu sich selbst war, auch zu einsam. Denn auch wenn er nicht alleine hier war - die schönsten Erinnerungen verband er mit diesen Inseln stets dann, wenn Shahane an seiner Seite gewesen war. Mit ihr waren die Zyklopeninseln ein Ort der Leichtigkeit gewesen, einer der wenigen Orte, an denen sie beide wirklich zur Ruhe kommen konnten. Fern von Gesandten, Bittstellern und höfischen Verpflichtungen. Fern von den unzähligen Schreiben und Nachrichten, die sonst unablässig ihren Weg zu ihm fanden. Hier draußen hin brauchten selbst die eifrigsten Boten viel Zeit.
Erlan ließ den Blick noch einmal über den Horizont wandern. Inzwischen war von den Inseln kaum mehr etwas zu erkennen, nur ein schmaler Streifen dunkler Schatten über dem Wasser.
Dann wandte er sich schließlich von der Reling ab und schlug Nicolo vor, unter Deck zu gehen.

Teil 2 – 25. Hesinde – Besuch im Palazzo Madayana

Als das Schiff im Hafen von Kuslik festmachte, verließen der Schwertvater und sein Knappe zügig das Schiff und begaben sich zu einem der Hafenmeister, um die Weiterreise den Yaquir hinauf zu planen. Doch viel Auswahl gab es nicht: Erst am späten Abend würde eine Schivone nach Pertakis auslaufen. Andere Schiffe waren langsamer oder bereits ausgelaufen. Damit war die Wahl klar: Die Schivone nach Pertakis war die vernünftigste Lösung.
Nachdem das geklärt war, machten sich die beiden in schnellen Schritten auf den Weg nach Ayreth, einem der westlich gelegenen Stadtteile von Kuslik. Gewiss: Kuslik besaß Sehenswürdigkeiten genug, um selbst einen reisemüden Besucher zum Verweilen zu verleiten. Doch heute war ihnen danach weniger zumute. Das lag nicht an der Stadt, sondern an Satinav, der Erlans Schritte – wie so oft – schneller voranschreiten ließ, als es ihm lieb gewesen wäre. Daher wollte er seine kurze Zeit hier möglichst sinnvoll nutzen – und steuerte den Palazzo Madayana an. Dieser lag etwas zurückgesetzt in einer breiten Straße. Seine Fassade zeigte jene elegante Zurückhaltung, die man bei älteren Kusliker Adelssitzen häufig fand: helle Steinflächen, hohe Fenster und ein weiter Innenhof mit einem leise plätschernden Brunnen.
Der Comto wurde vom Gesinde erkannt und ohne Umstände in den Innenhof geführt. Dort trat ihm bereits Esidio Sforigan y Scheffelstein entgegen.
„Erlan!“, rief er erfreut und breitete die Arme aus. „Bei den Zwölfen, das ist eine Freude. Und eine unerwartete! Und sein Knappe Nicolo! Wir haben uns schon länger nicht mehr gesehen.“
Die beiden Männer umarmten sich herzlich, während Esidio dem Knappen Nicolo Tolman freundlich die Hand schüttelte.
„Die Freude ist ganz meinerseits“, erwiderte Erlan. „Und ich bringe Euch beiden sogar eine kleine Aufmerksamkeit mit.“
„Dann kommt erst einmal herein – es muss ja nicht alles hier im Innenhof besprochen werden“, sagte Esidio und führte sie in ein repräsentatives Gemach. Bald wurden Wein und Kelche gebracht.
Kurz nachdem die drei dort saßen, trat auch Adalida Dorén, die Gemahlin Esidios, in den Raum.
„Erlan!“
Erlan erhob sich sofort und umarmte sie herzlich.
„Adalida. Es ist schön, dich zu sehen.“
Esidios Gemahlin warf einen neugierigen Blick auf Nicolo Tolman, und nach einem Augenblick bemerkte Erlan dies und stellte ihn als seinen Knappen vor. Adalida wirkte noch etwas verwundert und sprach es schließlich frank und frei aus: „Hatte Shahane nicht in einem ihrer letzten Schreiben von einem Aran… eh Mittelreicher gesprochen?“
Nicolo Tolman lächelte ein wenig zurückhaltend, denn das hatte er schon mehr als einmal gehört. Anscheinend war die Herkunft aus der Baronie Parsek nicht so sehr ein Gesprächsthema…
Erlan lachte leise auf und erklärte: „Ach, Du meinst Rafim.
Er ist mein Page. Aber wir hatten auf den Zyklopeninseln wichtige Dinge zu erledigen, und da erschien es mir sinnvoller, einen Knappen an meiner Seite zu haben, der kurz vor dem Ritterschlag steht, als einen Pagen.“
Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Nicolo Tolman errötete leicht, auch wenn ihm bewusst war, dass seine Zeit als Knappe sich dem Ende zuneigte.
Nachdem sich die erste Verwunderung gelegt hatte, nahm das Gespräch einen ruhigeren Verlauf. Erlan berichtete in knappen Zügen von seiner Reise, während Esidio und Adalida von den jüngsten Entwicklungen in Kuslik erzählten.
Schließlich bat Erlan seinen Knappen um die Schreiben. Nicolo öffnete seine Tasche und reichte ihm die beiden Umschläge, die sorgfältig mit den Namen Adalidas und Esidios versehen waren. Die Siegel wurden gebrochen.
„Die Einladung zum Maskenball im Firdayon-Palast am 30. Hesinde“, stellte Adalida fest. „Welch schöne Überraschung.“
Erlan nickte. „Shahane bestand darauf, dass ich sie euch nach Möglichkeit persönlich überbringe.“
Esidio lächelte. „Und uns erst. Du bist natürlich herzlich eingeladen, ein paar Tage bei uns zu verweilen, bevor wir gemeinsam nach Vinsalt aufbrechen.“
Erlan schüttelte den Kopf. „So sehr ich das Angebot auch schätze – Satinav schuldet keinen Aufschub. In Vinsalt wartet bereits mehr als ein Termin auf meine Aufmerksamkeit.“
Esidio nickte verständnisvoll. „Das klingt nach dem Erlan Sirensteen, den wir kennen.“
Im weiteren Verlauf des Tages sprachen sie über Familie, Gesellschaft und die großen wie kleinen Entwicklungen des Reiches. Am Abend wurde ein festliches Mahl aufgetragen, darunter auch Yaquirwels aus Unterfels.
Erlan lächelte. „Ich erinnere mich. Bei meinem ersten Besuch hier – im Vorfeld des Rahjenbundes beider Yaquirien – gab es das auch schon.“
Adalida erwiderte das Lächeln. „Dann ist das doch ein schöner Zufall. Nur schade, dass Shahane heute nicht zugegen ist.“

Teil 3 – 25. Hesinde – Nachtfahrt nach Pertakis

Noch am selben Abend machten sich Erlan und sein Knappe auf den Weg zum Hafen. Esidio begleitete die beiden.
Dort lag eine Schivone bereit zum Auslaufen – eines der größten aventurischen Schiffe. Es grenzte fast an ein Wunder, dass die beiden auf diesem Schiff mitgenommen werden konnten – doch bis Pertakis war der Yaquir auch für Seeschiffe befahrbar. Am Kai umarmte Esidio seinen Schwager noch einmal herzlich und schüttelte Nicolo Tolman die Hand.
„Bis in wenigen Tagen!“, verabschiedeten sich die beiden Schwager. Und es sollte nicht lange dauern, bis sich auch schon die Taue lösten.
Die Nacht über dem Yaquir war ruhig. Der Himmel spannte sich weit über das Wasser, und die Sterne standen klar über dem Fluss.
Erlan blickte hinauf.
„Kein Stern fällt“, murmelte er. „Das ist gut.“
Nicolo Tolman, der etwas abseits stand, hatte die Worte Erlans nicht genau gehört. „Habt Ihr etwas gesagt?“
Doch Erlan schüttelte den Kopf und erwiderte, dass es nur ein leiser Gedanke gewesen sei. Erlan hätte mehr sagen können – doch es gab Dinge, mit denen er weder seinen Knappen noch andere belasten wollte.
Spät am Abend, beinahe schon gegen Mitternacht, erreichte die Schivone Pertakis. Erlan erkundigte sich nach weiteren Passagen flussaufwärts. Am nächsten Tag würde zwar ein Flusssegler nach Vinsalt aufbrechen – jedoch erst weit nach Mittag. Ansonsten waren nur langsame Lastenkähne unterwegs. Das überzeugte ihn nicht.
So gingen die beiden durch die nächtlichen Straßen zum Hotel Morion.
Nachdem Erlan dort die Unterkunft mit goldenen Münzen bezahlt hatte, wandte er sich noch einmal an den livrierten Pagen: „Lassen sich für morgen früh zwei gute Reitpferde organisieren? Wir möchten den Weg nach Vinsalt zeitig antreten.“
Der Page verbeugte sich. „Comto, Euer Wunsch ist uns Befehl.“
Während Erlan und Nicolo Tolman die Treppe zur Unterkunft hinaufstiegen, wandte sich der Page bereits an einen Diener.
„Kümmere dich darum. Comto Sirensteen und sein Knappe brauchen morgen früh zwei gute Pferde.“

Teil 4 – 26. Hesinde – Ritt durch die Ponterra

Am Morgen des 26. Hesinde nahmen die beiden Adligen noch ein gutes Frühstück im Hotel Morion ein. Schon auf dem Weg vom Zimmer zum Saal begegnete ihnen eine Pagin des Hotels.
„Comto Sirensteen, im Stall stehen Pferde für Euch bereit. Sie sind beide gutmütig – vor allem aber schnell.“
Erlan dankte ihr dafür.
Pertakis lag still im klaren Morgenlicht. Händler begannen ihre Waren zu verladen, erste Schiffe zogen bereits den Yaquir hinauf.
Bald ließen die beiden die Stadt hinter sich. Der Weg führte sie durch die Ponterra, jene fruchtbare Landschaft Yaquiriens, in der Weinberge, Felder und Höfe dicht beieinander lagen. Doch als sie die Höhe von Perainidâl erreichten, begann sich das Wetter zu verändern.
Die Wolken verdichteten sich.
Der Wind strich über die Felder.
Erste schwere Tropfen fielen.
Ein Blitz zuckte in der Ferne.
Unter Erlan zuckte sein Pferd nervös. Erlan tätschelte seinen Hals.
„Ruhig, Brauner.“

Teil 5 – 26. Hesinde – Sturm über Aldyra

Hinter Perainidâl begann das Wetter endgültig umzuschlagen. Der Regen wurde stärker, dunkle Wolken schoben sich heran. Nach etwa zwei Stunden Ritt bestand kein Zweifel mehr: Der Sturm war da.
Blitz und Donner zerrissen den Himmel.
Der Sturm kam aus Richtung Vinsalt herauf. Weiterzureiten wäre unvernünftig. In der Ferne tauchte schließlich die Silhouette von Aldyra auf, und Erlan entschied, dort Rast einzulegen. Nicolo Tolman atmete erleichtert auf. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn sein Schwertvater den Ritt dennoch fortgesetzt hätte – doch darin irrte er sich. Denn in solchen Momenten wusste Erlan sehr wohl Maß zu halten und zog es vor, sich den Elementen nicht länger auszusetzen, wenn sich eine traviagefällige Unterkunft anbot.
Für einen flüchtigen Augenblick dachte er an eine Begegnung bei Havena, Jahre zuvor – und daran, was ihm entgangen wäre, hätte er damals nicht ebenfalls Schutz gesucht.
Doch das lag lange zurück.
Nun war er hier, in Aldyra – und trug Verantwortung, nicht nur für sich selbst, sondern auch für den jungen Mann an seiner Seite.
Als sie sich der Feste Aldyramon näherten, bemerkten sie ungewöhnlich viel Betrieb. Dann erinnerte Erlan sich: Heute war der 26. Hesinde. Der Tag des Heiligen Festo! Der Urahn des Hauses Firdayon – jenes Ahnherrn, dem die Firdayon den Drachen in ihrem Wappen verdankten. Die Feierlichkeiten waren unübersehbar.
Direkt im Eingangsbereich der Feste wurden die beiden empfangen. Nicolo Tolman beobachtete neidisch, dass die Bediensteten dort überdacht und wind- und regengeschützt standen, während sie beide klatschnass waren. Doch sie verzogen keine Miene ob der durchnässten Gäste.
„Comto Sirensteen“, sagte einer ruhig, „auch wenn viele Gemächer bereits bezogen sind – das wird kein Problem sein. Für Euch und Euren Knappen sollte noch etwas Angemessenes zu finden sein. Und für einen heißen Zuber wird bereits gesorgt.“
Stallburschen führten währenddessen die Pferde fort. Ein livrierter Diener brachte Erlan und Nicolo Tolman über mehrere Gänge und Treppen in ein großzügiges Gemach.
„Ich lasse Euch Kleidung bringen.“ Dabei musterte der Diener die beiden, um ihre Größen abzuschätzen. Außerdem erklärte er, dass man sich bereits um den Zuber kümmern würde.
Er verbeugte sich.
„In etwa einer halben Stunde werden wir den Prinzen informieren, dass Ihr zugegen seid.“
Dann sah er auf Erlans durchnässten Mantel, das ebenso nasse Wams darunter. Eigentlich war alles an ihm durchnässt, selbst seine weißblonden Haare hingen feucht und zerzaust ins Gesicht.
Der Diener lächelte höflich und fragte: „Comto, das dürfte reichen, um wieder trocken zu sein, oder?“

Eine halbe Stunde später …
Der Zuber hatte seine Wirkung getan.
Erlan Sirensteen hatte die Kälte des Sturms aus den Gliedern vertrieben, und als er sich wieder ankleidete, lagen schlichte, standesgemäße Gewänder für ihn bereit. Nichts Auffälliges, nichts Überladenes – angemessen, funktional, sauber – und vor allem: trocken.
Er schloss den Gürtel und war eben fertig, als sich die Tür öffnete.
Der Diener kündigte den Hausherren an und trat beiseite.
Prinz Folnor von Firdayon-Bethana erschien.
Die Begrüßung zwischen Onkel und Neffe war herzlich und von vertrauter Nähe geprägt. Folnor zeigte sich sichtlich erfreut über Erlans unerwartete Ankunft und ließ erkennen, dass es schön sei, dass sich ihre Wege nun bereits in Aldyra kreuzten.
Noch während dieses kurzen Austauschs verband sich die Freude über das Wiedersehen mit einer Einladung zum Bankett, das bereits im Gange war und zu dem Folnor ihn ohne weitere Umstände hinzubitten ließ.
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Nicolo Tolman hatte sich ihnen angeschlossen, und so gingen die drei die Treppen hinab.
Auf dem Weg sprach vor allem Folnor, der mit lebhafter, aber kontrollierter Offenheit schilderte, welche Unruhe Erlans Ankunft bei den Dienern und Pagen ausgelöst habe. Man habe sich unmittelbar daran gemacht, bestehende Planungen zu überdenken, insbesondere die Sitzordnung des Banketts, die bereits festgelegt gewesen war.
Erlan gab ruhig zu verstehen, dass derartige Anpassungen nicht notwendig seien und er keinen Anlass sehe, die bestehende Ordnung zu verändern. Irgendwo würden er und sein Knappe ihren Platz finden, ohne dass daraus mehr gemacht werden müsse, als es erforderlich war.
Folnor ließ erkennen, dass er es genau so gesehen und entsprechende Anweisungen bereits erteilt habe.
So erreichten sie den Saal.
Dort war Folnor sofort wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Gespräche richteten sich auf ihn, Blicke folgten ihm, und es wurde rasch deutlich, dass seine Gegenwart die Aufmerksamkeit band.
Erlan trat gemeinsam mit Nicolo ein und wurde von einem Diener zu einem passenden Platz geführt.
Ihre Ankunft blieb ohne sichtbare Unruhe.
Weder stockten Gespräche, noch wandten sich die Anwesenden geschlossen um. Vielmehr schien sich der Abend bereits in einer Phase zu befinden, in der sich bestehende Unterhaltungen gefestigt hatten. Gruppen waren gebildet, Themen gesetzt – und nicht wenige der Gäste hatten dem Wein bereits hinreichend zugesprochen, um neue Eindrücke nur noch am Rande wahrzunehmen.
Hinzu kam, dass Erlan Sirensteen kein Unbekannter war. Wer ihn kannte, nahm seine Anwesenheit mit einem knappen Blick zur Kenntnis – und wandte sich dann wieder dem zu, was bereits im Gange war.
Erlan erwiderte die ihm entgegengebrachten Grüße mit höflicher Selbstverständlichkeit, hielt sich jedoch bewusst zurück und ließ den Blick durch den Saal gleiten.
Nicolo, der an seiner Seite geblieben war, beobachtete ihn einen Moment, bevor er sich leise an ihn wandte. Aus seiner Frage sprach unverkennbar Verwunderung darüber, dass sein Schwertvater sich nicht stärker in die Gespräche einbrachte, wo sich hier doch offenkundig viele bedeutende Persönlichkeiten versammelt hatten.
Erlan antwortete ruhig und ließ ihn wissen, dass auch dies Teil der Sache sei. Zunächst zu beobachten, sich einen Überblick zu verschaffen. Zu sehen, wer mit wem sprach, wer einander suchte – und wer einander mied. Nicht jedes Wort müsse sofort gesprochen werden, nicht jede Begegnung sei für den ersten Moment bestimmt. Manchmal sei es klüger, sich zurückzunehmen und die Dinge sich entfalten zu lassen.
Nicolo folgte seinem Blick durch den Saal.
Für einen Augenblick schwiegen sie beide.
Die Jagd hatte noch nicht begonnen.
Das Horn war noch nicht erklungen – doch die Meute war längst auf der Fährte.
Und doch lag die Schwere des Tages noch auf ihm.
Der Ritt durch das Unwetter, die Kälte, die Anspannung – all das forderte nun seinen Tribut.
Für einen flüchtigen Moment glitt sein Gedanke zurück nach Havena. Er ließ ihn nicht lange zu. Nicht hier. Nicht jetzt. Er hatte sich anders entschieden.
Es dauerte nicht lange, bis er sich schließlich vom Bankett zurückzog. Der Tag war lang gewesen.
Sein Knappe begleitete ihn.
Als Erlan kurz darauf einschlief, lag ein kaum merkliches Lächeln auf seinem Gesicht – als hätte selbst ein solcher Tag ihm noch eine Erinnerung hinterlassen, die es wert war, bewahrt zu werden.