Briefspiel:Kaiserjagd/Der Tod der Gräfin

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Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 1.-6. Firun 1046 BF Schauplatz: von Aldyra in den Wald von Persenciello Entstehungszeitraum: ab März 2024
Protagonisten: Khadan II. Firdayon, etliche Hochadlige und weitere Noble des Reiches Autoren/Beteiligte: Amarinto, Atagon, Bella, Carenio, Cassian, Dajin, Dellapena, Erlan, Flaviora, Fürst Federkiel, Gerberstädter, Gonfaloniere, Horasio, Illumnesto, Kacheleen, Luntfeld, Nebelzweig, OrsinoCarson, Princeps, Rondrastein, Salkyo, Savinya Romeroza, Schatzkanzler, Silberwind, Temelon, Tribec, Vairningen, VivionaYaPirras u.w.

Zyklus:
Übersicht · Teilnehmer · Schauplätze · Regeln · Erster Tag · Zweiter Tag · Dritter Tag · Vierter Tag · Fünfter Tag · Sechster Tag · Individuelle Auswertung · Gerüchteküche


Der Tod der Gräfin

5. Firun 1046 BF vormittags, im Wald bei Mortecervi

Autor: Gonfaloniere

Wird am 5. Firun zuerst von der Jagdgruppe Gräfin Hesindianes aufgescheucht: der Biancervo

Biancervo!“, erklang der ersehnte Ruf.
'Endlich', dachte Hesindiane Aralzin, die Gräfin von Bethana.
„Wo?“, erklang ein weiterer Ruf, aus anderer Richtung.
„Links“, rief jemand zurück.
Die passionierte Jägerin übernahm daraufhin sofort das Kommando über ihr eigenes Gefolge. Handzeichen wiesen ihren Untergebenen, jenen die sie im winterlichen Dickicht des Waldes sehen konnten, die Aufstellung, die sie einnehmen sollten.
Sie selbst versicherte sich, dass das Jagdmesser saß, wo es sollte. Dann griff sie zu ihrem Bogen, spannte die Sehne, wie sie es so oft getan hatte, in die oben und unten vorgesehenen Nocken. Eine Unregelmäßigkeit im Holz ließ sie stutzen – doch in genau diesem Moment rief noch jemand aus ihrem näheren Gefolge: „Biancervo!“
Und diesmal sah sie ihn selbst, den weißen Hirsch. Was für ein Tier!
„Rückt vor“, hörte sie das Kommando ihrer Jagdmeisterin Giulia di Clastumeia und sah im Augenwinkel ihre Leute losziehen.
'Ein Leben für die Jagd', dachte sie, als ihre eigenen Schritte sie vorantrugen. 'Und ewiger Ruhm für diesen Hirsch!' So belebt hatte sie sich lange nicht mehr gefühlt.
„Er weicht aus“, rief einer ihrer Treiber.
„Nicht so schnell“, kam ein entschlossener Ruf zurück.
Der Hirsch röhrte vor Schmerz und drehte sich. Rotes Blut floss ihm über den hinteren Rücken. Ein Wurfspeer hing aus der Wunde, blieb stecken und wurde mitgeschleift.
Hesindiane legte an.
„Komm her“, flüsterte sie, während sie den Biancervo mit ihrem Blick fixierte. Sie wusste genau, wo sie ihn treffen musste. Dazu musste er sich nur noch ein wenig drehen.
„Noch ein Stück“, beschwor sie ihn leise. Und nochmal: „Komm zu mir.“
Dann sah er sie an. Ihr fröstelte unvermittelt. Was sie in seinem Blick nicht sah, war Panik. 'Faszinierend', dachte sie. Der Hirsch stand unter Stress, das konnte sie sehen – und doch wirkte es so, als habe er all dies schon tausend Mal erlebt.
Endlich preschte er vor. Genau in diesem Moment könnte sie ihn erlegen.
Sie spannte die Sehne, das Holz bog sich … und brach!
'Nein!', dachte Hesindiane. 'Nicht jetzt!'
Ihr wurde kalt ums Herz. Sie war wie erstarrt und sah dem Unheil entgegen. Der Hirsch hielt voll auf sie zu – und plötzlich wurde aus seinem Geweih, der größten Trophäe, die größte Gefahr.
'Spring zur Seite', schrie Hesindianes Unterbewusstsein. Doch bevor sie es tun konnte, sah sie es: das dritte Auge. Es war mehr ein Schimmern auf der Stirn des Hirschs, als dass es wirklich da war. Und doch lenkte es sie den entscheidenden Moment zu lang ab. Ihr wurde immer kälter, als der Biancervo sein Geweih in ihren Oberkörper rammte.
Die Entsetzensschreie um sie herum hörten sich für sie nach einer fernen Musik an.
Der Hirsch schleifte sie mit, als wöge sie nichts, zerrte sie durchs Dickicht und schlug sie gegen Äste und Gestrüpp. Sie wollte aufschreien, als ihre Knochen brachen, brachte jedoch keinen Laut mehr heraus. Sie wusste es: Sie war verloren.
Als der Biancervo, dieses wundervolle Tier, sie abschüttelte wie Bast im Sommer, war ihr letzter Gedanke: 'Ein Leben für die Jagd …'