Briefspiel:Rückkehr zu einer praiosgefälligen Ordnung: Unterschied zwischen den Versionen

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Amelthona tippte wie gedankenverloren mit ihren langen, schlanken Fingern auf den Seiten ihres aufgeschlagenen Notizbuches, schaute den älteren Mann aus halb geöffneten Augen an, bevor sie sie ganz öffnete und ihn direkt und klar ansah. ''"Nun, das kommt auf den Verlauf des Gespräches an, Signor."'' antwortete sie lächelnd. ''"Ihr seid der Cancellarius der Baronie Sewamund."'' Sie runzelte die Stirn, als würde sie nachdenken. ''"Seit 1035 nach dem Falle Bosparans, in diesem Jahr wurdet Ihr von Signor Irion von Streitebeck berufen."'' Eine Zustimmung wartete sie nicht ab, auch wenn der alte Mann den Mund öffnete und schon die ersten Silben diesen zu verlassen drohten. ''"Berichtet mir doch in kurzen, eigenen Worten vom derzeitigen Status der Baronie. Wie steht die Baronie Sewamund nach dem Konflikt da?"''
 
Amelthona tippte wie gedankenverloren mit ihren langen, schlanken Fingern auf den Seiten ihres aufgeschlagenen Notizbuches, schaute den älteren Mann aus halb geöffneten Augen an, bevor sie sie ganz öffnete und ihn direkt und klar ansah. ''"Nun, das kommt auf den Verlauf des Gespräches an, Signor."'' antwortete sie lächelnd. ''"Ihr seid der Cancellarius der Baronie Sewamund."'' Sie runzelte die Stirn, als würde sie nachdenken. ''"Seit 1035 nach dem Falle Bosparans, in diesem Jahr wurdet Ihr von Signor Irion von Streitebeck berufen."'' Eine Zustimmung wartete sie nicht ab, auch wenn der alte Mann den Mund öffnete und schon die ersten Silben diesen zu verlassen drohten. ''"Berichtet mir doch in kurzen, eigenen Worten vom derzeitigen Status der Baronie. Wie steht die Baronie Sewamund nach dem Konflikt da?"''
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Mondino Horrad-Trîbec blinzelte, als habe man ihn gebeten, ein besonders schweres Aktenstück aus einem oberen Regal zu ziehen. Seine Finger schlossen sich fester um den Knauf des Gehstocks, dann lösten sie sich wieder, als müsse er sich selbst zur Ordnung rufen.
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''"Der derzeitige Status"'', wiederholte er langsam, müde. ''"Ja. Der Status. Das ist..."''
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Er nickte mehrmals, erst bestätigend, dann beinahe ermutigend sich selbst gegenüber. ''"Kurz, sagtet Ihr."'' Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht, das sogleich etwas schuldbewusst wirkte. ''"Ich werde mich bemühen."''
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Er räusperte sich, rückte ein wenig vor und senkte die Stimme, nicht aus Geheimniskrämerei, sondern aus Gewohnheit.
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''"Die Kanzlei der Baronie Sewamund ist nach dem vergangenen Konflikt...nun ja...in Unordnung geraten."'' Er hob beschwichtigend die Hand. ''"Nicht in dem Sinne, dass sie funktionsunfähig wäre. Nein, nein. Die täglichen Geschäfte laufen. Abgaben werden verzeichnet, Pachtlisten geführt, Siegel geprüft. Aber die tieferen Schichten, die..."'' Er suchte nach dem Wort. ''"...die tragenden Balken der Ordnung, sie sind beschädigt."''
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Ein kurzer Blick zu Amelthonas Notizbuch, als prüfe er, ob seine Worte korrekt abgelegt würden.
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''"Insbesondere die Finanzen."'' Er seufzte leise. ''"Wie Ihr wisst, unterstanden diese in weiten Teilen dem Privatsekretär und Schatzmeister des Streitebeckers, Signor [[Pandrigo ya Diamero]]."'' Der Name kam mit einem kaum hörbaren Knirschen über seine Lippen. ''"Ein Mann von beträchtlichem Geschick, wie sich nun zeigt."''
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Pandrigo ya Diamero. Amelthona erinnerte sich an den Privatsekretär und Schatzmeister Baron Irions, am Ende selbsternannter ''[[Protektor von Sewamund|Praetor Sewamundae]]''. Derzeit soll er sich ersten Berichten zufolge am Hof der [[Graf von Bethana|Gräfin von Bethana]] aufhalten.
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Mondino legte den Kopf schief, als wolle er einen Gedankengang neu sortieren.
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''"Über Jahre hinweg wurden Gelder aus geheimen Kassen entnommen. Abgezweigt. Verschoben. Nicht offen veruntreut, versteht mich recht. Nein, das wäre zu grob gewesen. Es handelte sich um verdeckte Posten, Sonderzahlungen, Vorfinanzierungen, die nie vollständig zurückgeführt wurden."'' Seine Finger zeichneten kleine Kreise auf dem Stockknauf. ''"Mit diesen Mitteln wurden Kriegsvolk angeworben. Söldner. Freibeuter. Und..."'' Ein Zögern. ''"...auch Personen, deren Professionen noch düsterer zu sein scheinen."''
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Er atmete hörbar aus.
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''"Das Ausmaß dieser Vorgänge wird uns erst jetzt vollständig bewusst. Signor ya Diamero hat seine Intrigen mit einer Sorgfalt gesponnen, die ich fast bewundern würde, wäre der Schaden nicht so erheblich."'' Ein schiefer, müder Zug um seinen Mund. ''"Die Baronie ist in diesen Monaten regelrecht ausgeblutet, ohne dass es auf den ersten Blick sichtbar war."''
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Mondino hob den Blick wieder, die Augen wässrig, aber klar. Es war offensichtlich, dass er sich Vorwürfe machte.
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''"Meine beiden Sekretäre sind seit Tagen damit beschäftigt, den Schaden zu erfassen."'' Er hielt inne. ''"Oder Wochen? Die Zeit verrutscht derzeit etwas."'' Ein kurzes, verlegenes Hüsteln. ''"Sie erstellen Übersichten, rekonstruieren Zahlungsströme, vergleichen alte Register mit den neueren Abschriften."''
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Er hob den Zeigefinger, als erinnere er sich an einen wichtigen Zusatz.
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''"Hinzu kommt die Frage der Besitzverhältnisse."'' Er nickte ernst. ''"Es muss sauber getrennt werden, was dem [[Haus Streitebeck]] gehört und was rechtmäßig Eigentum der Baronie Sewamund ist. Ländereien, Möbel, Schmuckstücke, Kunstwerke, aber auch Schuldscheine und Verpflichtungen."'' Ein tiefes Einatmen. ''"Diese Listen sollen selbstverständlich zeitnah an das neue Familienoberhaupt, Baronessa [[Edelmunde von Streitebeck]], übergeben werden. Vollständig. Juristisch unangreifbar."''
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Für einen Moment sackten seine Schultern ein wenig ab.
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''"Es ist eine...umfangreiche Aufgabe"'', gestand er schließlich, ohne Pathos, fast sachlich. ''"Ich bin willens, sie zu Ende zu führen. Das bin ich der Baronie schuldig. Doch ich will nicht verhehlen, dass sie einen Mann meines Alters fordert."'' Er klopfte einmal sanft auf seinen Gehstock. ''"Die Ordnung lässt sich wiederherstellen. Aber sie verlangt Geduld, klare Vorgaben und Hände die anpacken."''
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Mondino sah Amelthona an, erwartungsvoll, wie ein Beamter, der seinen Bericht abgeschlossen hatte und nun auf die nächste Anweisung wartete.
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Amelthona trommelte mit ihren Fingern auf den Seiten des Notizbuches herum, dachte nach, beobachtet von ihrem Sohn und dem alten Cancellarius. Es waren viel zu viele Fäden, viel zu viele ungeplante Herausforderungen. Der alte Mann hatte recht, es verlangte Geduld, klare Vorgaben und vor allem Hände, die anpackten.
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''"Ich danke Euch für Euren Bericht, Signor Mondino."'' Sie schaute erst den alten Mann an, dann glitt sie zu ihrem Sohn. ''"Solvolio, was meinst du?"'' Der Ritter richtete sich in seinem Sessel auf und rieb sich das Kinn, schloss dabei halb die Augen. Einen kurzen Moment später: ''"Signor Pandrigo hat die Baronie Sewamund verlassen. Auch wenn es eher eine Symbolpolitik wäre, so würde ich ihn offiziell der Posten als Vogt von [[Herrschaft Sewadâl|Sewadâl]] und [[Herrschaft Rigolmund|Rigolmund]] entheben und als Protektorin neue Vögte einsetzen."''
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Amelthona nickte. ''"Du gehst also davon aus, dass die Streitebeck die beiden Herrschaften aufgeben werden?"''
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Solvolio zuckte mit den Achseln. ''"Meines Wissens handelt es sich um Eigengüter des Barons von Sewamund und nicht des Hauses Streitebeck. Und Irion von Streitebeck ist nicht mehr der Baron."''
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Wieder nickte Amelthona und schaute dann zu dem alten Mondino: ''"Stimmt Ihr darin mit uns überein?"''
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Mondino Horrad-Trîbec hob den Kopf, einen Moment schien die Müdigkeit aus seinen Augen zu weichen, ersetzt durch jene wache, trockene Klarheit.
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''"Ob ich...übereinstimme"'', wiederholte er und nickte langsam, fast feierlich. ''"Ja. Im Grundsatz. Aber..."'' Er rückte auf dem Stuhl hin und her, als wolle er sich für einen längeren Vortrag wappnen. Der Stoff knarrte unter seinem Gewicht, sein Gehstock klopfte einmal gegen das Holz des Schreibtischs, als müsse er sich selbst zu Ordnung mahnen.
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''"Die Ländereien am unteren und mittleren Sewak"'', begann er umständlich, ''"also jene um Sewadâl und am Zufluss des Rigol..."'' Er stockte und blinzelte. "...diese Ländereien waren vor vielen Jahrhunderten die Stammlande des ersten [[Haus Sewamund|Baronshauses von Sewamund]]."''
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Er nickte, als habe er damit etwas geradegerückt.
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Er presste die Lippen zusammen. ''"Dann kamen Nebenlinien, Verheiratungen, Abspaltungen. Und die letzte Nebenlinie, das [[Haus Sewadâl]], ist vor..."'' Er blinzelte erneut, als suche er eine Jahreszahl in einem inneren Register. "...vor einer ganzen Reihe von Götterläufen ausgestorben. Aber selbst danach galten diese Ländereien stets als Hausgüter der Barone."''
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Er machte eine kurze, bedeutungsvolle Pause.
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''"Nun ist allerdings zu berücksichtigen"'', fuhr er fort und zog die Brauen zusammen, ''"dass Signor Irion von Streitebeck in der [[Sewamunder Fehde]] die Lande bereits besetzt hatte, ehe er als Baron bestätigt wurde. Er hat faktisch Herrschaft ausgeübt, Abgaben eingefordert, Leute eingesetzt, Akten führen lassen. Und daraus könnte, theoretisch, ein juristischer Anspruch des Hauses Streitebeck konstruiert werden."''
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Er hob die Hand, als wolle er den aufkeimenden Einwand bereits ersticken.
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''"Theoretisch."'' Das Wort fiel wie ein Richterhammer. ''"Man könnte argumentieren: Besetzung, Verwaltung, investierte Mittel, gewachsene Nutzung. Es gäbe sogar Juristen, die daraus ein ganz ansehnliches Schriftstück machen würden, mit schönen Schleifen und langen Zitaten aus alten Gesetzen."''
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Mondino atmete schwer aus und rieb sich kurz die Schläfe, als drücke dort ein unsichtbarer Helm.
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''"Aber in einem Gerichtsverfahren"'', sagte er nun, und plötzlich klang er nicht mehr nur wie ein Kanzleimann, sondern wie jemand, der Urteile gesprochen hat, ''"hätte ein solcher Anspruch wenig Aussicht auf Bestätigung."''
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Er sah zu Solvolio, als müsse er den Jüngeren einen Moment lang disziplinieren, ohne ihn zu tadeln.
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''"Das heißt nicht, dass das Haus Streitebeck es nicht versuchen könnte, um Zeit zu gewinnen oder Verhandlungsmasse zu schaffen. Aber wenn die Baronie sauber dokumentiert, was Hausgut ist, und wenn Ihr die Kontinuität der Baronialgüter belegt..."'' Er tippte mit dem Finger in die Luft, als stünde dort eine Liste. ''"...dann ist der Anspruch der Baronie stark."''
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Er atmete, und in diesem Atem lag das Gewicht der Arbeit, die er bereits geschildert hatte.
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Wieder wandte sich die Protektorin nach der umständlichen Bestätigung des Cancellarius an ihren Sohn: ''"Gut, Solvolio, ich möchte, dass du dich um Sewadâl und Rigolmund kümmerst. Du wirst in der Zeit des Protektorats der Vogt der beiden Domänen sein."'' Es war keine Bitte.
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''"Signor Mondino."'' Amelthona drehte ihren Blick wieder auf den alten Mann. Ihr rotbraunes Haar (sie musste es unbedingt wieder nachfärben lassen, notierte sie gedanklich) war streng hochgebunden und ließ ihren schlanken Nacken und Hals ihre Figur noch zusätzlich betonen. Sie musste einige Entscheidungen treffen und in diesem Fall hatte sie eine Entscheidung getroffen. Sie hatte dem Hofstaat und dem Personal versprochen, dass niemand etwas zu befürchten hatte. Zu ihrem Wort stand sie, auch wenn es niemals bedeutet hatte, dass jeder Posten so besetzt blieb, wie er gerade war. Und während sie Mondino so betrachtete, der gute Mann war über 80 Jahre alt und er hatte all seinen Herren im Laufe seines Lebens mehr als gut gedient. Doch nun war er alt geworden und sie ebenso wie der neue Baron oder die neue Baronin von Sewamund standen vor herausfordernden Umbrüchen. ''"Ihr habt Baron Irion von Streitebeck immer gut gedient und das Wohl der Baronie Sewamund nie aus den Augen verloren. Dafür gebührt Euch der Dank der Baronie, den ich Euch als Protektorin gerne ausspreche."''
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Er nickte in einer dankbaren Geste, doch die zugekniffenen Augen und die hochgezogene Braue sagten mehr, als jedes Wort es vermocht hätte.
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''"Wie Ihr schon sagtet..."'' fuhr Amelthona fort, sich um einen freundlichen, zugewandten Ton bemühend. ''"...steht die Baronie, steht die Hofverwaltung nach dem Konflikt vor unglaublichen Aufgaben. Ich möchte Euch in Eurem hohen Alter damit nicht überfordern, denn Ihr habt schon sehr viel geleistet. Ich würde ungerne auf Euren Rat verzichten, doch müssen die gewaltigen und belastenden Aufgaben von jemand jüngeren bewältigt werden."'' Und tatsächlich, sie glaubte, dass Mondino pflichtbewusst für die Baronie Sewamund und nicht den Baron gearbeitet hatte - und aus diesem Grund, dies würde sie später Solvolio noch unter vier Augen erklären, wollte sie den greisen Cancellarius auch vor der Last der nun einstürmenden Aufgaben schützen.
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Mondinos Augen zuckten. Ob es das Alter war oder die Erwartung der Worte, die er schon befürchtet hatte, vermochte keiner eindeutig zu sagen.
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Die Protektorin legte ihre Hände aufeinander auf das Notizbuch und lächelte den Cancellarius an, auch wenn ihr Blick ernst blieb. ''"Ich werde Euch von den Pflichten eines Cancellarius der Baronie Sewamund entbinden."'' Sie bemerkte die aufwallenden Gefühle im Gesicht des alten Mannes. ''"Doch seid versichert, dass all Eure Dienste niemals vergessen sind. Als Protektorin Sewakiens gewähre ich Euch eine angemessene Leibrente, damit Ihr Euch um Euren Lebensunterhalt keine Sorgen machen müsst. Wenn Ihr es wünscht, wird Euch auch ein angemessener Alterssitz bereitgestellt, etwa ein Anwesen in [[Sewadâl]]. Und auch dies, wenn Ihr dies wünscht, so werde ich mich bei dem neuen Baron oder der neuen Baronin von Sewamund dafür verwenden, Euch den Eurem Lebenswerk gebührenden Titel eines [[Cavalliere]]s zu verleihen."''
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Für einen Moment blieb Mondino Horrad-Tribêc ganz still. Nur seine Finger, die den Knauf des Gehstocks umschlossen, arbeiteten sich in kleinen, unwillkürlichen Bewegungen zurecht, als suchten sie nach einer Kante, an der man sich festhalten konnte.
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Er blinzelte. Einmal. Zweimal. Dann hob er den Blick, und in diesem Blick lag enttäuschte Müdigkeit, doch auch etwas, das man bei ihm selten sah: Nachgiebigkeit.
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''"So"'', sagte er schließlich. ''"So ist es also."''
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Er räusperte sich, diesmal länger. Seine Brust hob und senkte sich, als müsste er den Atem erst überreden, wieder in geordnete Bahnen zu fließen. Dann nickte er, langsam, wie ein Mann, der eine Entscheidung nicht begrüßt, aber anerkennt.
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''"Protektorin...ich will nicht verhehlen, dass mich das trifft."'' Er versuchte zu lächeln, doch das Lächeln geriet schmal. ''"Man hängt am Amt. Nicht..."'' Er suchte kurz, die Stirn in Falten. ''"...nicht aus Eitelkeit. Zumindest nicht ausschließlich. Sondern weil man sich daran gewöhnt hat, jeden Morgen aufzustehen und zu wissen, wofür man gebraucht wird. Aber ich verstehe Euren Entschluss."''
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Er hielt inne, legte die flache Hand einen Moment auf die Brust, als müsse er sich selbst zur Form zwingen.
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''"Für die gewährte Leibrente und den Lohn meiner treuen Dienste...danke ich Euch."'' Er betonte das Wort Lohn, als sei es ihm wichtig, dass es nicht als Almosen verstanden wurde, sondern als ordnungsgemäße Vergütung eines Lebenswerks. ''"Das ist praiosgefällig, in jeder Hinsicht. Und..."'' Er nickte, fast trotzig. "...es macht die Dinge leichter."''
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Er strich das Tuch aus dem Ärmel glatt und tupfte sich noch einmal die Stirn, obwohl sie gar nicht mehr glänzte. Vielleicht war es eher eine Handlung gegen das Gefühl als gegen den Schweiß.
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''"Dass Ihr mir einen Alterssitz in Sewadâl in Aussicht stellt, ist eine großzügige Geste"'', fuhr er fort, und seine Stimme wurde weicher. ''"Und ein Cavalliere-Titel..."'' Er lachte kurz, ein knarzendes, ungelenkes Lachen. "...ist eine große Ehre. Aber wohl verschwendet an einen Greis wie mich. Dennoch weiß ich die Geste zu schätzen."''
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Für einen Augenblick huschte etwas wie echte Erleichterung über sein Gesicht, sofort wieder in Amtswürde verpackt. Er sah Amelthona länger an, als es nötig gewesen wäre.
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''"Wisst Ihr"'', sagte er dann leiser, ''"es beruhigt mich, die Baronie in guten Händen zu sehen."'' Er deutete mit einem kleinen Nicken auf ihre Aktenstapel, als wären sie ein Beweisstück. ''"Ihr seid nicht hier, um Euch zu bereichern. Ihr seid hier, um die Trümmer zu zählen, die Steine zu sortieren und die Kassen wieder zu füllen."''
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Sein Blick glitt zu Solvolio, und diesmal war kein Tadel darin, nur eine nüchterne Hoffnung.
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''"Und ich hoffe"'', setzte er fort, ''"dass der Herzog, einen würdigen neuen Baron oder eine würdige neue Baronin wählen möge. Jemanden, der versteht, dass die Herrschaft über Sewakien mehr ist als ein prestigevoller Titel. Jemanden, der die Linie fortsetzt, die..."'' Er stockte kurz, als stieße ihm eine Erinnerung unangenehm auf. "...die durch diesen unseligen Konflikt so jäh zerbrochen ist."''
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Er hob die Hand, als wolle er sich selbst gegen den Verdacht der Parteinahme wappnen.
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''"Ich weiß, was über die Region hereingebrochen ist. Und ich weiß natürlich auch, dass Baron Irion von Streitebeck dafür zum Teil Verantwortung trägt."'' Er nickte, als würde er jedes Wort abwägen wie ein Richter. ''"Fehde, Sturm, Unruhe. Das verschwindet nicht, indem man einen Namen aus dem Siegelbuch streicht."''
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Dann atmete er aus, und mit diesem Ausatmen kam etwas Unerwartetes: Loyalität, nicht zum Mann, sondern zu seinen Handlungen.
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''"Und dennoch"'', sagte Mondino, ''"kann ich über ihn als Baron nichts Schlechtes sagen."'' Er sah Amelthona direkt an, als wolle er, dass dieser Satz korrekt abgelegt wird. ''"Unter ihm blühte die Baronie auf. Nach Jahren der..."'' er suchte das Wort und fand es mit bitterer Genauigkeit ''"...Misswirtschaft unter den Garlischgrötz-Baronen, [[Carim Garlischgrötz|Carim]], [[Adaon Garlischgrötz von Veliris|Adaon]] und nicht zuletzt [[selchion Garlischgrötz|Selchion]]. Es wurde gespart und investiert, wo zuvor nur verprasst wurde. Es wurde geordnet, wo zuvor nur zusammengerafft wurde. Pachten wurden korrekt erfasst, Straßen instandgesetzt, Vorräte aufgefüllt. Die Kanzlei..."'' Er lächelte matt. ''"...die Kanzlei war wie eine von Ingerimm gesegnete Manufaktur."''
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Er schloss kurz die Augen, als sähe er Listen und Siegel vor sich.
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''"Ich hoffe daher"'', sagte er schließlich, ''"dass der nächste Baron, die nächste Baronin, diese Linie fortführen möge. Streng, ja. Aber gerecht. Sparsam, ja. Aber nicht geizig. Und vor allem..."'' Er hob den Finger, wie ein alter Lehrer, der noch ein letztes Prinzip setzen muss. ''"...verlässlich."''
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Mondino richtete sich, so gut es sein Rücken erlaubte, ein wenig auf. Es kostete ihn sichtbar Mühe, aber er tat es, als hätte er damit dem Amt noch einmal Respekt zu erweisen.
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''"Was immer Ihr nun von mir verlangt, Protektorin"'', schloss er, ''"ob Beratung, Übergabe von Akten, Auskunft zu alten Rechtsfragen...ich stehe zur Verfügung. Nicht mehr als Cancellarius, so sei es. Aber als Diener der baronie, solange ihm der Atem reicht."''
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Dann neigte er den Kopf, erschöpft und würdevoll zugleich, wie ein Stempel, der zum letzten Mal ein Siegel gesetzt hatte.
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Amelthona lächelte - und auch wenn sie den Greis zuerst belächelt hatte, so bewunderte sie ihn nun für seine altehrwürdige, würdevolle Haltung. ''"Ich danke Euch sehr, Signor Mondino. Ihr seid, und bei Praios, das meine ich so wie ich es sage, ein Vorbild für uns alle."''
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Während Mondino langsam und schwerfällig, gebeugt aus dem Raum schlich, sah ihm die Protektorin nach. Manche Entscheidungen mussten einfach getroffen werden, zu einem höheren Wohl.
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===Interludium II===
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Die Tür schloss sich leise hinter dem ehemaligen Cancellarius und für einige Momente herrschte drückendes Schweigen in dem Arbeitszimmer, dem heimlichen Thronsaal der Protektorin Sewakiens.
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Dann, ruhig, leise, beinahe geflüstert, um die Stille nicht abrupt zu unterbrechen, wagte Solvolio doch eine Frage: ''"Ist dir die Entscheidung leicht gefallen?"'' Amelthona hob den Kopf, ihr Blick hatte auf ihren Notizen verharrt. Beinahe zähfließend wandte sie sich ihrem Sohn zu, ernst, gesetzt. ''"Ja, Solvolio."'' Sie schwieg für einen Augenblick. ''"Natürlich tut es mir zu einem gewissen Grad leid, einen alten Mann seiner Lebensaufgabe beraubt haben zu müssen, dennoch war diese Personalentscheidung für das Wohl der Baronie Sewamund notwendig. Und daher fiel sie mir leicht."''
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Solvolio nickte und lehnte sich in dem Sessel zurück. ''"Hast du schon jemanden im Sinn, den du mit der Aufgabe als Cancellarius betrauen wirst?"''
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Sie nickte und zeigte ein zaghaftes, vielleicht sogar etwas verschlagenes Lächeln. ''"Ja, das habe ich."'' Ihr Sohn richtete sich wieder auf und strahlte sie an. ''"Wenn du auf dich spekulierst, dann muss ich dich enttäuschen."'' Sein Lächeln sank zusammen. Amelthona rollte mit den Augen. ''"Es wäre eine kurzfristige Entscheidung, mein Sohn, die uns keinen Ruhm einbringt. Du musst langfristiger denken."'' Sie hob den Finger, schlank, kräftig, wie das Bein einer Spinne mochte man denken. Ihr Gesichtsausdruck war ernst, als sie Solvolio ansah. ''"Der neue Baron oder die neue Baronin kann jede Personalentscheidung von mir rückgängig machen. Wird er oder sie aber nicht, wenn die Personalentscheidung klug und nachhaltig war."'' Sie senkte den Finger wieder. ''"Beweise dich als Vogt von Sewadâl und Rigolmund und beide Posten oder auch nur einer können dir erhalten bleiben. Und du wirst deine Sache gut machen."''
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Der wieder erhobene Finger ließ offen, ob dies eine Aussage oder eine Drohung war. Solvolio entschied sich zu einem Nicken.'' "Für das Wohl der Familie."''
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''"Für das Wohl der Familie."''
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Ruckartig erhob sie sich, die Falten ihres Gewandes rauschten raschelnd. Mit kraftvollen Schritten ging sie zur Tür, öffnete diese und hielt eine Dienerin des Schlosses auf, die gerade das Glück oder das Pech hatte, vorbei eilen zu müssen. Solvolio hörte noch, wie sie der Dienerin die Anweisung gab, unverzüglich aus dringendem Anlass Signor Traviano Pirialdo zu holen. Dann schloss sie die Tür wieder, ob die Dienerin noch etwas erwidert hatte oder - was die klügere Entscheidung war - der Anweisung stumm Folge leistete, hörte Solvolio nicht mehr.
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===...und noch einmal Traviano Pirialdo===
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Tatsächlich hatte es der [[Truchsess]] der Baronie Sewamund und somit Verwalter des Baronshofes, Schloss Sewadâl und ehemals auch des Schlosses Corello, bevor es nun in das Eigentum der Stadt Sewamund übergegangen war, sicherlich ein herber Verlust für den kommenden Baron oder die kommenden Baronin, denn der Ausblick auf die Grangorer Bucht war fantastisch) in kürzester Zeit geschafft, die Protektorin erneut aufzusuchen.
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Nachdem Traviano galant auf dem Stuhl Platz genommen hatte, auf dem er vor nicht einmal zwei Stunden bereits gesessen hatte, ergriff Amelthona das Wort: ''"Signor Traviano, ich danke Euch, dass Ihr noch einmal so kurzfristig zu mir kommen konntet."''
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Traviano Pirialdo hatte sich gesetzt, als wäre selbst das Hinabgleiten in den Stuhl eine Frage korrekter Etikette. Rücken gerade, Hände ruhig gefaltet, der Blick der Protektorin zugewandt, ohne je aufdringlich zu sein.
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Bei ihren Worten neigte er den Kopf, genau in jenem Winkel, der Dankbarkeit ausdrückte und zugleich signalisierte, dass er sich in dieser Rolle äußerst wohl fühlte.
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''"Protektorin"'', erwiderte er sanft, ''"Euer Dank ehrt mich, doch er ist in Wahrheit überflüssig. Wenn Ihr ruft, so ist es mir jederzeit eine Freude, zur Verfügung zu stehen."''
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Er ließ einen winzigen Moment verstreichen, als würde er dem Raum erlauben, sich wieder zu ordnen. Sein Lächeln blieb, gemeißelt wie die Linien einer Marmorstatue:
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''"Womit darf ich Euch dienen?"''
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''"Ich komme auch gleich ohne Umschweife zum Kern meines Anliegens."'' Amelthona taxierte den jüngeren, etwas schneidigen, vielleicht sogar eitlen bis affektierten Mann für einen kurzen Augenblick. ''"Traut Ihr Euch zu, das Amt und die Aufgaben des Cancellarius der Baronie Sewamund zu übernehmen? In der Zeit der Vakanz des Baronsthrons möglicherweise zusätzlich zu denen des Truchsessen?"''
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Traviano Pirialdo ließ den Blick einen Herzschlag lang sinken. Dann hob er die Augen wieder, ruhig, gesammelt, und sein Lächeln war das eines Mannes, der sich selten überschätzt und noch seltener unterschätzt. Nur eine leichte Verneigung, so fein gesetzt, dass sie zugleich Zustimmung und Respekt war.
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''"Protektorin"'', sagte er, ''"Euer Vertrauen ehrt mich."''
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Ein winziger Glanz trat in seine Augen, sofort wieder gebändigt.
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''"Ja, ich traue es mir zu."'' Er ließ die Worte ohne Eile stehen, als seien sie bereits mit Siegelwachs versehen. ''"Nicht, weil ich mich für unersetzlich hielte, sondern weil ich weiß, was das Amt verlangt: Ordnung, Geduld, ein kühler Kopf und eine Feder, die nicht zittert, wenn andere brüllen."''
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Er faltete die Hände etwas fester, fast wie ein Mann im Gebet, doch seine Haltung blieb die eines Verwalters, der Zahlen lieber mag als Applaus.
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''"Das Amt als Truchsess hat mich vieles gelehrt. Das Amt als Cancellario verlangt anderes Handwerk, ja, aber kein fremdes."'' Er neigte den Kopf. ''"Ich kenne die Akten, die Personen, die Abläufe. Und ich kenne..."'' Ein kaum merkliches Zögern, das mehr Takt als Unsicherheit war.''"...die Schatten in den Büchern, die Signor ya Diamero hinterlassen hat. Gerade deshalb ist Kontinuität jetzt keine Bequemlichkeit, sondern eine Notwendigkeit."''
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Er ließ ein kurzes, höfliches Atemholen folgen.
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''"Wenn Ihr mir diese Aufgabe übertragt, werde ich sie so führen, dass der neue Baron oder die neue Baronin ein geordnetes Haus übernimmt."''
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Die Protektorin nickt wohlwollend und zufrieden. ''"Wunderbar, Signor Traviano. Ich danke Euch für Euer Engagement."'' Sie legte die Kuppen ihrer Finger der beiden Hände aufeinander. ''"Ihr wisst, dass alle meine Entscheidungen unter dem Vorbehalt der Übernahme durch den neuen Baron oder die neue Baronin stehen."'' Sie löste die Finger und hob lächelnd die rechte Hand und streckte den Zeigefinger aus. ''"Aber wenn Ihr Eure Arbeit gut macht, und davon gehe ich aus, warum sollte der neue Baron oder die neue Baronin Eure Dienste nicht weiter benötigen?"''
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''"Das versteht sich von selbst Signora Protektorin. Ich danke Euch abermals für Euer Vertrauen."''
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Dann senkte er den Blick einen Moment, demütig genug, um niemanden zu kränken, und hob ihn wieder, selbstbewusst genug, um nicht um Erlaubnis zu betteln.
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''"Gehe ich richtig in der Annahme, dass Signor Mondino einen ehrenvollen Abschied von seinen Pflichten erhält? Das Pflichtbewusstsein dieses Mannes habe ich immer als Inspiration verstanden."''
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Amelthona schüttelte den Kopf. ''"Signor Mondino hat keinen Fehler begangen und er wird in allen Ehren entlassen, das möchte ich Euch versichern. Er wird uns und Euch auch weiterhin als Ratgeber zur Verfügung stehen, denn niemand kennt die Geschäfte der Baronie derzeit besser als er."'' War ihr Blick aus den grünen Augen eine versteckte Aufforderung an Traviano? Und wenn ja, welche verbarg sich dahinter? ''"Signor Traviano, es warten nach den Unruhen der letzten Monde herausfordernde Aufgaben auf uns, denn ich möchte die Baronie Sewamund ordnen und stabilisieren. Weshalb ich auch auf Euren Rat angewiesen bin. Seht Ihr unbedingt notwendige Baustellen, die behoben werden sollten?"''
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Aktuelle Version vom 28. Januar 2026, 13:14 Uhr

Auge-grau.png

Baronie Sewamund.png Briefspiel in Sewamund Baronie Sewamund.png
Datiert auf: Boron 1046 BF Schauplatz: Sewadâl, Schloss Sewadâl Entstehungszeitraum: ab Juli 2025
Protagonisten: Amelthona d'Illumnesto, Solvolio d'Illumnesto, [...] Autoren/Beteiligte: Haus Amarinto.png Amarinto, Haus d Illumnesto.png Illumnesto


Bestandsaufnahme

Schloss Sewadâl, in der Baronie Sewamund, Boron 1046 BF

Viel Arbeit wartet auf die neue Protektorin von Sewakien...
Einmal mehr werden in Schloss Sewadâl die Weichen für die Zukunft Sewakiens gestellt

Nachdenklich legte Amelthona d'Illumnesto einen der letzten Berichte zur Seite. Als habe sie in den letzten Tagen nicht genug davon gelesen, harrten immer noch weitere Horden an Papierstapeln auf die jüngst ernannte Protektorin Sewakiens und damit derzeitige Regentin der Baronie Sewamund. Irion von Streitebeck war seines Amtes enthoben worden, hatte sich angeblich gar selbst dazu entschieden, den Titel des Barons von Sewamund abzulegen. Doch hatte es Comto Cusimo Garlischgrötz, der Herzog Grangoriens und damit der Lehnsherr des Barons oder der Baronin von Sewamund, nicht eilig, sofort eine Entscheidung über dessen Nachfolge zu treffen. Kurzerhand hatte er sie, Amelthona d’Illumnesto, zur Protektorin ernannt und ihr die Regierungsaufgaben übertragen, bis ein neuer Baron, eine neue Baronin gefunden wurde.

Ihre Erfahrungen und ihr guter Ruf als Kronvögtin Talantes hatten sicherlich ebenso dazu beigetragen, wie ihre Neutralität. Das Haus d'Illumnesto war mit keiner der Patrizierfamilien Sewamunds oder der Baronie zu eng verbunden, dass es zu etwaigen Loyalitätskonflikten kommen würde. Sie war also faktisch wirklich nur dem Herzog rechenschaftspflichtig - das war sowohl Fluch, wie auch Segen, befand sie sich doch ganz in der Hand des Comtos.

Sofort nach dieser Ernennung, die erstaunlich stillschweigend vorübergegangen war, war sie mit ihren Söhnen Solvolio und Aldigon in das Schloss Sewadâl aufgebrochen, dies war das Jagdschloss der Barone von Sewamund und nun temporär ihre Residenz als Protektorin. Das Schloss Corello sollte nach dem Willen des Herzogs in den Besitz der Stadt übergehen, eine neue Residenz für den neuen Baron oder die neue Baronin war noch nicht bestimmt. Daher war es nötig, fürs Erste sämtliche Akten und Archive des Barons aus dem Schloss Corello in das Schloss Sewadâl zu überführen. Überführen zu lassen - dafür bediente sich die neue Protektorin des verbliebenen Beamtenapparats Irion von Streitebecks, jene Sekretäre und Höflinge, die nicht mit ihm nach Almada abgereist, geflohen oder entlassen worden waren.

Amelthona machte sich keine Illusionen, dazu war sie zu sehr politische Realistin, sie und ihre Familie waren natürlich keine Option für die sewamunder Baronskrone. Ihre Aufgabe war es allein, die Baronie Sewamund und die Sewaklande aufzuräumen, zu sichern und bereit zu halten für den kommenden Baron, die kommende Baronin. Eine erste Depesche verließ Sewadâl in Richtung Talante mit Anweisungen an ihre Tochter Gylduria, in der kommenden Zeit als Cancellaria die Kronvogtei zu verwalten, ihr aber unbedingt in allem Bericht zu erstatten.

Ihre erste Amtshandlung als Protektorin war es - nachdem sie die Zimmer bezogen hatten - die wichtigsten noch verbliebenen Amtsträger Irion von Streitebecks zu sich rufen zu lassen. Einige hatten bereits ihren Abschied auf die eine oder andere Weise eingereicht, darunter der Bannerherr, die Landrichterin und der Delegierte im Kronkonvent, alle drei Verwandte des Streitebeckers. Die verbliebenen Amtsträger informierte Amelthona über die aktuellen Entwicklungen. Die Bergvögtin Alwene von Wiesen-Osthzweyg war schon seit Jahren erkrankt und hatte ihr würdiges Amt von der Jagdmeisterin Ardare von Wiesen-Osthzweyg in Vertretung ausüben lassen.

"Seid versichert, dass niemand etwas zu befürchten hat." erklärte die Kronvögtin, nein, Protektorin mit ruhiger Stimme, während sie ihren Blick schweifen ließ. "Sowohl ich als derzeitige Regentin als auch der mit Sicherheit nachfolgende neue Baron respektive die neue Baronin benötigen informiertes und gut eingearbeitetes Personal." Sie heftete ihren Blick auf eine ältliche Frau, die Leitende Archivarin. "Unsere erste Aufgabe wird es sein, alle möglichen Berichte zu sichten und den organisatorischen und finanziellen Zustand der Baronie zu erheben." Sie runzelte die Stirn. "Das wird keine leichte Aufgabe, aber ich vertraue darauf, dass jeder von Euch tatkräftig dabei mitwirkt, die praiosgefällige Ordnung wiederherzustellen, damit wir perainegefällig helfen können." Sie dachte an die Sturmflut, die die Grangorer Bucht und damit auch die Landstadt Sewamund heimgesucht hatte - und die beinahe auch ihr Leben und das ihres Sohnes Solvolio gekostet hatte. Und mit dieser Anweisung begann die schier endlose Sichtung von Büchern und Papieren und Schriftrollen...

Harte Entscheidungen

Traviano Pirialdo

Der Truchsess macht der Protektorin seine Aufwartung

Das Licht der Nachmittagssonne legte sich über Schloss Sewadâl. Zwischen Stapeln von Schriftrollen und sauber geordneten Amtsbüchern saß Amelthona d’Illumnesto, Protektorin Sewakiens. Ein Diener trat leise ein und kündigte an: "Protektorin, Signor Traviano Pirialdo, Truchsess der Baronie Sewamund, ersucht um Gehör."

"Lasst ihn eintreten", sprach Amelthona ruhig.

Die Türflügel öffneten sich mit gedämpftem Knarren. Traviano Pirialdo trat ein wie ein Schauspieler, der seinen Auftritt kannte. Der lange Mantel aus dunkelblauem Stoff, das Haar perfekt gelegt, ein feines Parfum aus Belhanka in der Luft. Er verneigte sich tief, den linken Arm theatralisch über die Brust gelegt in einem Kusliker Hofknicks. Dann hob er den Kopf, lächelte – und begann zu sprechen.

"Signora, erlaubt mir, dass ich, ehe ich mich Euren sicherlich zahlreichen und weisen Fragen stelle, ein Wort an Euch richte. Denn ich wähne, die Zeit verlangt, dass man den Dingen ihre Form gibt – und Form, so lehrte mich einst mein Lehrmeister in Vinsalt, ist nichts anderes als Wahrheit in schöner Kleidung. In den vergangenen Götterläufen hatte ich das Privileg, dem edlen Herrn Irion von Streitebeck als Truchsess zu dienen. Ich habe den Haushalt der Schlösser Corello und Sewadâl geführt, seine Vorräte verwaltet, seine Rechnungen geprüft, und – man verzeihe mir den Stolz – keinen einzigen Kreuzer in Unordnung geraten lassen. Ich sage das nicht, um mich zu rühmen, sondern um zu unterstreichen: Auch in den dunkelsten Stunden blieb der Hof geordnet, weil jemand darüber wachte. Ich habe Baron Irion stets mit aller gebotenen Treue gedient – nicht als Parteigänger, sondern als Diener der Baronie. Ich bin kein Politiker. Ich bin, Signora, ein Diener der Ordnung, der Pflicht. Und wenn nun neue Hände das Zepter führen sollen, so wird meine Feder denselben Gehorsam zeigen wie zuvor. Es heißt, man müsse sich im Wind der Veränderungen biegen – ich sage, man muss aufrecht im Wind stehen, wenn man einen Hofstaat führen will. Ich habe dies stets getan, und ich stehe auch jetzt bereit, in welcher Funktion immer Ihr es für zweckdienlich erachtet: ob weiterhin als Truchsess der Baronie oder, wenn Ihr es wünscht, als Majordomus des Schlosses Corello, das ja künftig der Stadt Sewamund anheimfallen soll. Ihr seht, ich diene nicht einem Namen, ich diene der Ordnung – und derer, die sie zu hüten wissen."

Er machte eine gemessene Pause, neigte leicht den Kopf und fuhr dann, mit einem feierlichen Ernst, fort: "Ich bringe zudem Nachricht vom Hof Seiner Hoheit, des Herzogs von Grangor. Herzog Cusimo Garlischgrötz hat entschieden, dass die herzogliche Festung Ardenhain künftig dem neuen Baron oder der neuen Baronin Sewamunds zufallen soll – als Kompensation für das Schloss Corello, das auf Geheiß des Herzogs der Stadt übereignet wird." Er schwieg, ließ die Hände sinken, und sein Blick suchte den der Protektorin, ruhig, aber von jenem leisen Glanz des Selbstbewusstseins durchzogen, der fast wie Hochmut wirkte.

Aufmerksam hatte die Protektorin dem Truchsessen gelauscht. Auch wenn es ihr mit jedem weiteren langatmigem Wort schwerer gefallen war, so hatte sie doch die Haltung bewahrt und ihn sprechen lassen. Sie konnte den Truchsessen der Baronie Sewamund nicht ignorieren - immerhin entstammte er der angesehenen Familie Pirialdo und sein dezent vorgebrachter Hinweis auf seine Kunde vom Herzogenhof vermittelte ihr, der gebürtigen Pertakiserin, über welche Netzwerke der Truchsess verfügen konnte. Sie lächelte in sich hinein. Gekonnt und subtil hatte er dies vorgebracht, so feinfühlig, dass niemand, auch sie nicht, Affront daran nehmen konnte.

Auch, dass er als erstes und aus eigenem Antrieb das Gespräch mit ihr gesucht hatte, zeigte ihr, dass er nicht gewillt war, einfach nur abzuwarten. Im Wind stehen, so hatte er es gesagt. Aber dennoch auch den Wind nutzen, oh ja, das würde er, so ihre Einschätzung. Amelthona hatte sich vorher informiert, hatte ihre beiden Söhne darauf angesetzt, Informationen über alle Mitglieder des Baronshofes und ihr Umfeld einzuholen, möglichst unauffällig, aber möglichst effektiv. Nur so würde es ihr möglich sein, über die Neuordnung der Baronie wirksam entscheiden zu können.

"Signor, Traviano." ergriff sie daher nun das Wort. Freundlich, gediegen, nicht affektiert, nicht gekünstelt, sondern beherrscht und würdevoll. "Ich danke Euch für die hilfreiche Botschaft vom Herzogenhof." Sie machte sich eine Notiz in ihr Buch. Um die Feste Ardenhain würde sie sich zu einem späteren Zeitpunkt kümmern - nein, sie würde Solvolio sich darum kümmern lassen. Als sie wieder den Blick hob, lächelte sie. "Nun, ich denke, sowohl die Baronie Sewamund als auch ich brauchen Eure Dienste weiterhin." Sie beobachtete seinen Gesichtsausdruck. Unausgesprochen blieb, dass sie auch den Herzog nicht verärgern konnte oder wollte - abgesehen davon, dass Traviano Pirialdo tatsächlich seine Aufgaben immer zur Zufriedenheit der Baronie erledigt hatte, war das Netzwerk, welches er über seine Familie mit in die Verwaltung brachte, nicht zu unterschätzen. "Wenn Ihr Euch Sorgen um Eure Position gemacht haben solltet..." Sie beobachtete den jungen Mann. "... dann seid versichert, dass diese unberechtigt sind."

Traviano Pirialdo ließ einen kaum merklichen Atemzug verstreichen. Nicht tief genug, um Erleichterung zu verraten, nur ausreichend, um die Spannung aus den Schultern zu nehmen, als lege man ein sorgfältig gefaltetes Tuch beiseite. Sein Lächeln blieb, doch es gewann an Ruhe, an Gewicht, als habe es nun einen festen Grund unter den Füßen. Er verneigte sich erneut, diesmal weniger theatralisch, fast schon persönlich.

"Protektorin", begann er, und seine Stimme hatte den geschliffenen Klang behalten, war jedoch um einen leisen Ton wärmer geworden, "Eure Worte ehren mich. Mehr noch: Sie geben dem, was ich stets als meine Aufgabe verstand, eine klare Richtung." Er richtete sich auf, die Hände locker vor dem Leib verschränkt, nicht bittend, nicht fordernd. "Es ist...beruhigend", fuhr er fort, das Wort sorgfältig gewählt, "zu wissen, dass Kontinuität in Zeiten des Wandels nicht als Starrsinn missverstanden wird. Ordnung gedeiht am besten, wenn man nicht jeden Morgen neu erklären muss, warum sie existiert." Ein Hauch von Ironie blitzte auf, schnell gezügelt.

"Ich danke Euch daher für Eure Offenheit – und für Eure Zeit. Beides ist in diesen Tagen ein kostbares Gut." Er neigte leicht den Kopf. "Ich werde meine Aufgaben weiterhin mit der gleichen Sorgfalt erfüllen wie bisher, in dem Wissen, dass sie nun unter Eurer Aufsicht stehen. Sollte es Wünsche, Anpassungen oder neue Prioritäten geben, so stehe ich jederzeit zu Eurer Verfügung." Für einen Augenblick verweilte sein Blick auf den Notizen der Protektorin, dann hob er ihn wieder, ruhig, gefasst. Mit diesem kurzen Blick vermeinte er in der für ihn auf den Kopf stehenden Schrift die Worte "Traviano. Kontakt. Comto." zu erkennen, wobei das Wort "Kontakt" unterstrichen war.

"Gestattet mir zum Abschluss nur dies: Es ist mir eine Freude zu sehen, dass die Baronie Sewamund in Händen liegt, die Bedacht vor Eile stellen. Das erleichtert vieles."

Er machte einen Schritt zurück, erneut eine Verbeugung, nun eindeutig zum Abschied. "Ich will Euch nicht länger aufhalten, Signora. Möge der Rest Eures Tages ebenso geordnet verlaufen wie dieses Gespräch." Dann wandte er sich zum Gehen, der Mantel schwang leise mit – und wer sehr genau hinsah, hätte erkennen können, dass sein Gang nun ein wenig leichter war als beim Eintreten.

Interludium I

Das erste Gespräch hatte sie hinter sich gebracht. Und auch wenn Traviano sicherlich schwer durchschaubar war - ein Grund mehr, ihn in ihrer Nähe zu wissen - so hatte sie den Eindruck, er würde sich wie bisher vernünftig um die Anliegen der Baronie, vor allem des Baronshofes kümmern. Sie gönnte sich nun einen kleinen Imbiss, bestehend aus einigen belegten Broten und heiß aufgebrühtem Tee. Den von ihrer Dienerin angebotenen Wein lehnte sie ab, sie wollte einen klaren Kopf behalten.

Gerade hatte sie sich von ihrem Stuhl erhoben und ging ein paar Schritte, um ihre - wie sie zugeben musste - alternden Knochen zu strecken, da öffnete sich die Tür nach einem kurzen Klopfen erneut. Als sie sich umdrehte, war es ihr Sohn Solvolio, den sie erblickte. Er war zu einem gutaussehenden Mann herangewachsen, dazu gut ausgebildet. Wenn er doch nur nicht so zögerlich in manchen Entscheidungen wäre. "Solvolio, gut, dass du kommst." Sie deutete auf den Schreibtisch. "Du solltest dich ebenfalls mit den Anliegen der Baronie Sewamund beschäftigen."

Er wirkte skeptisch, runzelte die Stirn. "Aber du bist die Protektorin."

Amelthona lächelte. "Natürlich. Und natürlich ist mir auch bewusst, dass dieser Titel nicht vererbt wird. Aber du kannst trotzdem lernen und dich auf zukünftige Aufgaben vorbereiten." Sie ging mit ruhigen Schritten zurück zu ihrem Schreibtisch. "Weißt du, Comto Cusimo hat das Haus d'Illumnesto gebeten, die Baronie Sewamund zu verwalten, bis ein neuer Baron gefunden und ernannt wurde. Schon allein das Protektorat ist eine große Auszeichnung unseres kleinen pertakiser Hauses. Wir sollten weder den Herzog noch den künftigen Baron oder die künftige Baronin enttäuschen. Es wäre eine Möglichkeit für uns, das Haus d'Illumnesto, an Ansehen zu gewinnen."

Der Ritter erwiderte das Lächeln seiner Mutter nun. "Natürlich, ich verstehe. Gibt es schon Hinweise darauf, wer den Baronstitel Sewamunds erhalten könnte." Sie schüttelte den Kopf. "Es gibt sicherlich einige aussichtsreiche Kandidaten, doch mir ist nichts Genaueres bekannt." Nun stand sie wieder hinter ihrem Schreibtisch. "Was uns in Praios' Namen nicht davon abhalten soll, unsere Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen." Amelthona schaute ihrem Sohn direkt in die Augen. "Ich möchte, dass du den folgenden Gesprächen beiwohnst, beobachtest und lernst."

Mondino Horrad-Tribêc

Ein Mann mit Erfahrung - Kanzler Mondino Horrad-Tribêc

Nicht einmal ein halbes Stundenglas später saß Amelthona erneut hinter dem Schreibtisch in einem Amtszimmer auf Schloss Sewadâl, welches in sicherlich nicht allzu ferner Zukunft das des neuen Barons oder der neuen Baronin von Sewamund sein würde. Solvolio saß unauffällig, aber wahrnehmbar auf einem Stuhl in der Ecke des Raumes, das Licht aus den beiden Fenstern links und rechts von ihm erhellte sein mittelbraunes gepflegtes Haar. Wie erwartet, klopfte es, eine Dienerin öffnete auf ihren Zuruf die Tür und kündigte den nächsten Besucher an. "Signor Mondino Horrad-Tribêc.” Es trat ein Mann in den Raum, gebeugt vom Alter und doch von korpulenter Statur. Er bewegte sich langsam, stützte sich auf einen Gehstock. Jeder Schritt schien ihm Mühe zu bereiten und doch hielt er zielstrebig auf den Schreibtisch zu.

"Signor Mondino..." Amelthona schenkte auch ihm ein Lächeln und deutete auf den Stuhl, der auf der anderen Seite ihres Schreibtisches stand. "...danke, dass Ihr die Zeit für mich gefunden habt." Tatsächlich hatte Aldigon, ihr jüngerer Sohn, einen durchorganisierten Terminplan erstellt, der jedem höheren Mitglied des Baronshofes ausreichend Zeit für entsprechende Gespräche einräumte. "Bitte, nehmt doch Platz." Jeden Schritt, mit dem sich der Cancellarius der Baronie Sewamund näherte, beobachtete die Protektorin genau.

Mondino Horrad-Tribêc blieb einen Herzschlag lang stehen, als müsse er sich vergewissern, dass der angebotene Stuhl tatsächlich ihm galt. Dann nickte er, einmal, bedächtig, und setzte sich in Bewegung. Der Gehstock klopfte leise auf den Steinboden, ein trockenes, regelmäßiges Geräusch. Das Hinsetzen geriet zu einer kleinen Zeremonie. Er drehte sich, prüfte mit der freien Hand die Lehne, murmelte halblaut etwas von "verfluchten Polstern" und ließ sich schließlich mit einem hörbaren Ausatmen nieder. Für einen Moment ruhte seine Hand auf dem Stock, als müsse auch dieser erst zur Ruhe kommen.

"Protektorin d’Illumnesto", hob er an, die Stimme brüchig, aber von jener Amtswürde durchzogen, die Jahrzehnte nicht abschleifen konnten. "Es ist mir eine aufrichtige Freude, Euch endlich sprechen zu dürfen. Wahrlich. Solche Zusammenkünfte sind..." Er machte eine kleine Pause, die Stirn in Falten gelegt, als suche er nach dem richtigen Begriff. "...sind für die ordnungsgemäße Fortführung der Geschäfte der Baronie von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Das habe ich stets gesagt. Auch zu..." Er machte wieder eine Pause, sah kurz aus dem Fenster. "...Baron Irion." Er lächelte entschuldigend, ein mildes, etwas müdes Lächeln. "Verzeiht mir. Das Gedächtnis ist wie ein Archiv." Ein kurzer Blick zu Solvolio, dann wieder zur Protektorin. "Man muss manchmal erst das richtige Regal finden."

Der Ritter nickte und lächelte dem alten Mann zu, doch mochte dieses Lächeln in dem hübschen Gesicht vielleicht eine Spur gequält oder ungeduldig wirken. Amelthona sah diesen Blick und runzelte in einem stummen Befehl die Stirn, woraufhin Solvolio sich um ein freundlicheres Lächeln bemühte. Mondino rückte auf dem Stuhl hin und her, bis er eine Position gefunden hatte, die zumindest den Anschein von Bequemlichkeit bot.

"Dass Ihr Euch die Zeit nehmt, Signora, spricht für Euren Respekt vor den gewachsenen Strukturen der Baronie." Seine Finger trommelten einmal auf den Stockknauf, dann verharrten sie. "Und das ist...beruhigend. Für einen Mann meines Alters ist Kontinuität kein leerer Begriff." Er räusperte sich, zog ein gefaltetes Tuch aus dem Ärmel und tupfte sich die Stirn.

"Doch ich will Eure Zeit nicht unnötig binden, so sehr ich sie auch schätze." Er neigte den Kopf, die Augen wach, neugierig, ein wenig wässrig. "Darf ich also fragen, worum es in diesem Gespräch gehen soll? Handelt es sich um eine formale Angelegenheit, eine vorbereitende Konsultation...oder lediglich um ein orientierendes Gespräch zur Lage der baronialen Kanzlei?" Ein kurzer Moment der Stille folgte, in dem Mondino Horrad-Tribêc sichtbar darauf wartete, einsortiert zu werden wie ein Dokument, das man endlich wiedergefunden hatte.

Den ganzen Vorgang, diesen ganzen umständlichen Prozess des Hinsetzens hatte die Protektorin mit einer stoischen Ruhe betrachtet. Mochte es in ihr einem Kampf gleichkommen sein, mochte es ihr aufgrund früherer Übung leicht gefallen sein - sie ließ weder das eine noch das andere nach außen erkennen, sondern mühte sich um gelassene Höflichkeit. Glücklicherweise hatte Aldigon das Zeitfenster für das Gespräch mit dem Cancellarius großzügig bemessen, entweder war es Zufall gewesen oder ihr jüngerer Sohn hatte Informationen erhalten, die ihn dazu verleitet hatten. Gleichwie, es kam ihr nun zugegen. Ihren älteren Sohn in der Ecke versuchte sie zu ignorieren, auch wenn ihm die Ungeduld deutlicher anzusehen war als ihr. Er musste noch lernen.

Amelthona tippte wie gedankenverloren mit ihren langen, schlanken Fingern auf den Seiten ihres aufgeschlagenen Notizbuches, schaute den älteren Mann aus halb geöffneten Augen an, bevor sie sie ganz öffnete und ihn direkt und klar ansah. "Nun, das kommt auf den Verlauf des Gespräches an, Signor." antwortete sie lächelnd. "Ihr seid der Cancellarius der Baronie Sewamund." Sie runzelte die Stirn, als würde sie nachdenken. "Seit 1035 nach dem Falle Bosparans, in diesem Jahr wurdet Ihr von Signor Irion von Streitebeck berufen." Eine Zustimmung wartete sie nicht ab, auch wenn der alte Mann den Mund öffnete und schon die ersten Silben diesen zu verlassen drohten. "Berichtet mir doch in kurzen, eigenen Worten vom derzeitigen Status der Baronie. Wie steht die Baronie Sewamund nach dem Konflikt da?"

Mondino Horrad-Trîbec blinzelte, als habe man ihn gebeten, ein besonders schweres Aktenstück aus einem oberen Regal zu ziehen. Seine Finger schlossen sich fester um den Knauf des Gehstocks, dann lösten sie sich wieder, als müsse er sich selbst zur Ordnung rufen. "Der derzeitige Status", wiederholte er langsam, müde. "Ja. Der Status. Das ist..." Er nickte mehrmals, erst bestätigend, dann beinahe ermutigend sich selbst gegenüber. "Kurz, sagtet Ihr." Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht, das sogleich etwas schuldbewusst wirkte. "Ich werde mich bemühen."

Er räusperte sich, rückte ein wenig vor und senkte die Stimme, nicht aus Geheimniskrämerei, sondern aus Gewohnheit. "Die Kanzlei der Baronie Sewamund ist nach dem vergangenen Konflikt...nun ja...in Unordnung geraten." Er hob beschwichtigend die Hand. "Nicht in dem Sinne, dass sie funktionsunfähig wäre. Nein, nein. Die täglichen Geschäfte laufen. Abgaben werden verzeichnet, Pachtlisten geführt, Siegel geprüft. Aber die tieferen Schichten, die..." Er suchte nach dem Wort. "...die tragenden Balken der Ordnung, sie sind beschädigt." Ein kurzer Blick zu Amelthonas Notizbuch, als prüfe er, ob seine Worte korrekt abgelegt würden.

"Insbesondere die Finanzen." Er seufzte leise. "Wie Ihr wisst, unterstanden diese in weiten Teilen dem Privatsekretär und Schatzmeister des Streitebeckers, Signor Pandrigo ya Diamero." Der Name kam mit einem kaum hörbaren Knirschen über seine Lippen. "Ein Mann von beträchtlichem Geschick, wie sich nun zeigt." Pandrigo ya Diamero. Amelthona erinnerte sich an den Privatsekretär und Schatzmeister Baron Irions, am Ende selbsternannter Praetor Sewamundae. Derzeit soll er sich ersten Berichten zufolge am Hof der Gräfin von Bethana aufhalten.

Mondino legte den Kopf schief, als wolle er einen Gedankengang neu sortieren. "Über Jahre hinweg wurden Gelder aus geheimen Kassen entnommen. Abgezweigt. Verschoben. Nicht offen veruntreut, versteht mich recht. Nein, das wäre zu grob gewesen. Es handelte sich um verdeckte Posten, Sonderzahlungen, Vorfinanzierungen, die nie vollständig zurückgeführt wurden." Seine Finger zeichneten kleine Kreise auf dem Stockknauf. "Mit diesen Mitteln wurden Kriegsvolk angeworben. Söldner. Freibeuter. Und..." Ein Zögern. "...auch Personen, deren Professionen noch düsterer zu sein scheinen." Er atmete hörbar aus. "Das Ausmaß dieser Vorgänge wird uns erst jetzt vollständig bewusst. Signor ya Diamero hat seine Intrigen mit einer Sorgfalt gesponnen, die ich fast bewundern würde, wäre der Schaden nicht so erheblich." Ein schiefer, müder Zug um seinen Mund. "Die Baronie ist in diesen Monaten regelrecht ausgeblutet, ohne dass es auf den ersten Blick sichtbar war."

Mondino hob den Blick wieder, die Augen wässrig, aber klar. Es war offensichtlich, dass er sich Vorwürfe machte. "Meine beiden Sekretäre sind seit Tagen damit beschäftigt, den Schaden zu erfassen." Er hielt inne. "Oder Wochen? Die Zeit verrutscht derzeit etwas." Ein kurzes, verlegenes Hüsteln. "Sie erstellen Übersichten, rekonstruieren Zahlungsströme, vergleichen alte Register mit den neueren Abschriften." Er hob den Zeigefinger, als erinnere er sich an einen wichtigen Zusatz. "Hinzu kommt die Frage der Besitzverhältnisse." Er nickte ernst. "Es muss sauber getrennt werden, was dem Haus Streitebeck gehört und was rechtmäßig Eigentum der Baronie Sewamund ist. Ländereien, Möbel, Schmuckstücke, Kunstwerke, aber auch Schuldscheine und Verpflichtungen." Ein tiefes Einatmen. "Diese Listen sollen selbstverständlich zeitnah an das neue Familienoberhaupt, Baronessa Edelmunde von Streitebeck, übergeben werden. Vollständig. Juristisch unangreifbar."

Für einen Moment sackten seine Schultern ein wenig ab. "Es ist eine...umfangreiche Aufgabe", gestand er schließlich, ohne Pathos, fast sachlich. "Ich bin willens, sie zu Ende zu führen. Das bin ich der Baronie schuldig. Doch ich will nicht verhehlen, dass sie einen Mann meines Alters fordert." Er klopfte einmal sanft auf seinen Gehstock. "Die Ordnung lässt sich wiederherstellen. Aber sie verlangt Geduld, klare Vorgaben und Hände die anpacken."

Mondino sah Amelthona an, erwartungsvoll, wie ein Beamter, der seinen Bericht abgeschlossen hatte und nun auf die nächste Anweisung wartete.

Amelthona trommelte mit ihren Fingern auf den Seiten des Notizbuches herum, dachte nach, beobachtet von ihrem Sohn und dem alten Cancellarius. Es waren viel zu viele Fäden, viel zu viele ungeplante Herausforderungen. Der alte Mann hatte recht, es verlangte Geduld, klare Vorgaben und vor allem Hände, die anpackten. "Ich danke Euch für Euren Bericht, Signor Mondino." Sie schaute erst den alten Mann an, dann glitt sie zu ihrem Sohn. "Solvolio, was meinst du?" Der Ritter richtete sich in seinem Sessel auf und rieb sich das Kinn, schloss dabei halb die Augen. Einen kurzen Moment später: "Signor Pandrigo hat die Baronie Sewamund verlassen. Auch wenn es eher eine Symbolpolitik wäre, so würde ich ihn offiziell der Posten als Vogt von Sewadâl und Rigolmund entheben und als Protektorin neue Vögte einsetzen."

Amelthona nickte. "Du gehst also davon aus, dass die Streitebeck die beiden Herrschaften aufgeben werden?" Solvolio zuckte mit den Achseln. "Meines Wissens handelt es sich um Eigengüter des Barons von Sewamund und nicht des Hauses Streitebeck. Und Irion von Streitebeck ist nicht mehr der Baron."

Wieder nickte Amelthona und schaute dann zu dem alten Mondino: "Stimmt Ihr darin mit uns überein?"

Mondino Horrad-Trîbec hob den Kopf, einen Moment schien die Müdigkeit aus seinen Augen zu weichen, ersetzt durch jene wache, trockene Klarheit. "Ob ich...übereinstimme", wiederholte er und nickte langsam, fast feierlich. "Ja. Im Grundsatz. Aber..." Er rückte auf dem Stuhl hin und her, als wolle er sich für einen längeren Vortrag wappnen. Der Stoff knarrte unter seinem Gewicht, sein Gehstock klopfte einmal gegen das Holz des Schreibtischs, als müsse er sich selbst zu Ordnung mahnen. "Die Ländereien am unteren und mittleren Sewak", begann er umständlich, "also jene um Sewadâl und am Zufluss des Rigol..." Er stockte und blinzelte. "...diese Ländereien waren vor vielen Jahrhunderten die Stammlande des ersten Baronshauses von Sewamund." Er nickte, als habe er damit etwas geradegerückt.

Er presste die Lippen zusammen. "Dann kamen Nebenlinien, Verheiratungen, Abspaltungen. Und die letzte Nebenlinie, das Haus Sewadâl, ist vor..." Er blinzelte erneut, als suche er eine Jahreszahl in einem inneren Register. "...vor einer ganzen Reihe von Götterläufen ausgestorben. Aber selbst danach galten diese Ländereien stets als Hausgüter der Barone."

Er machte eine kurze, bedeutungsvolle Pause. "Nun ist allerdings zu berücksichtigen", fuhr er fort und zog die Brauen zusammen, "dass Signor Irion von Streitebeck in der Sewamunder Fehde die Lande bereits besetzt hatte, ehe er als Baron bestätigt wurde. Er hat faktisch Herrschaft ausgeübt, Abgaben eingefordert, Leute eingesetzt, Akten führen lassen. Und daraus könnte, theoretisch, ein juristischer Anspruch des Hauses Streitebeck konstruiert werden."

Er hob die Hand, als wolle er den aufkeimenden Einwand bereits ersticken. "Theoretisch." Das Wort fiel wie ein Richterhammer. "Man könnte argumentieren: Besetzung, Verwaltung, investierte Mittel, gewachsene Nutzung. Es gäbe sogar Juristen, die daraus ein ganz ansehnliches Schriftstück machen würden, mit schönen Schleifen und langen Zitaten aus alten Gesetzen."

Mondino atmete schwer aus und rieb sich kurz die Schläfe, als drücke dort ein unsichtbarer Helm. "Aber in einem Gerichtsverfahren", sagte er nun, und plötzlich klang er nicht mehr nur wie ein Kanzleimann, sondern wie jemand, der Urteile gesprochen hat, "hätte ein solcher Anspruch wenig Aussicht auf Bestätigung."

Er sah zu Solvolio, als müsse er den Jüngeren einen Moment lang disziplinieren, ohne ihn zu tadeln. "Das heißt nicht, dass das Haus Streitebeck es nicht versuchen könnte, um Zeit zu gewinnen oder Verhandlungsmasse zu schaffen. Aber wenn die Baronie sauber dokumentiert, was Hausgut ist, und wenn Ihr die Kontinuität der Baronialgüter belegt..." Er tippte mit dem Finger in die Luft, als stünde dort eine Liste. "...dann ist der Anspruch der Baronie stark." Er atmete, und in diesem Atem lag das Gewicht der Arbeit, die er bereits geschildert hatte.

Wieder wandte sich die Protektorin nach der umständlichen Bestätigung des Cancellarius an ihren Sohn: "Gut, Solvolio, ich möchte, dass du dich um Sewadâl und Rigolmund kümmerst. Du wirst in der Zeit des Protektorats der Vogt der beiden Domänen sein." Es war keine Bitte. "Signor Mondino." Amelthona drehte ihren Blick wieder auf den alten Mann. Ihr rotbraunes Haar (sie musste es unbedingt wieder nachfärben lassen, notierte sie gedanklich) war streng hochgebunden und ließ ihren schlanken Nacken und Hals ihre Figur noch zusätzlich betonen. Sie musste einige Entscheidungen treffen und in diesem Fall hatte sie eine Entscheidung getroffen. Sie hatte dem Hofstaat und dem Personal versprochen, dass niemand etwas zu befürchten hatte. Zu ihrem Wort stand sie, auch wenn es niemals bedeutet hatte, dass jeder Posten so besetzt blieb, wie er gerade war. Und während sie Mondino so betrachtete, der gute Mann war über 80 Jahre alt und er hatte all seinen Herren im Laufe seines Lebens mehr als gut gedient. Doch nun war er alt geworden und sie ebenso wie der neue Baron oder die neue Baronin von Sewamund standen vor herausfordernden Umbrüchen. "Ihr habt Baron Irion von Streitebeck immer gut gedient und das Wohl der Baronie Sewamund nie aus den Augen verloren. Dafür gebührt Euch der Dank der Baronie, den ich Euch als Protektorin gerne ausspreche."

Er nickte in einer dankbaren Geste, doch die zugekniffenen Augen und die hochgezogene Braue sagten mehr, als jedes Wort es vermocht hätte.

"Wie Ihr schon sagtet..." fuhr Amelthona fort, sich um einen freundlichen, zugewandten Ton bemühend. "...steht die Baronie, steht die Hofverwaltung nach dem Konflikt vor unglaublichen Aufgaben. Ich möchte Euch in Eurem hohen Alter damit nicht überfordern, denn Ihr habt schon sehr viel geleistet. Ich würde ungerne auf Euren Rat verzichten, doch müssen die gewaltigen und belastenden Aufgaben von jemand jüngeren bewältigt werden." Und tatsächlich, sie glaubte, dass Mondino pflichtbewusst für die Baronie Sewamund und nicht den Baron gearbeitet hatte - und aus diesem Grund, dies würde sie später Solvolio noch unter vier Augen erklären, wollte sie den greisen Cancellarius auch vor der Last der nun einstürmenden Aufgaben schützen.

Mondinos Augen zuckten. Ob es das Alter war oder die Erwartung der Worte, die er schon befürchtet hatte, vermochte keiner eindeutig zu sagen.

Die Protektorin legte ihre Hände aufeinander auf das Notizbuch und lächelte den Cancellarius an, auch wenn ihr Blick ernst blieb. "Ich werde Euch von den Pflichten eines Cancellarius der Baronie Sewamund entbinden." Sie bemerkte die aufwallenden Gefühle im Gesicht des alten Mannes. "Doch seid versichert, dass all Eure Dienste niemals vergessen sind. Als Protektorin Sewakiens gewähre ich Euch eine angemessene Leibrente, damit Ihr Euch um Euren Lebensunterhalt keine Sorgen machen müsst. Wenn Ihr es wünscht, wird Euch auch ein angemessener Alterssitz bereitgestellt, etwa ein Anwesen in Sewadâl. Und auch dies, wenn Ihr dies wünscht, so werde ich mich bei dem neuen Baron oder der neuen Baronin von Sewamund dafür verwenden, Euch den Eurem Lebenswerk gebührenden Titel eines Cavallieres zu verleihen."

Für einen Moment blieb Mondino Horrad-Tribêc ganz still. Nur seine Finger, die den Knauf des Gehstocks umschlossen, arbeiteten sich in kleinen, unwillkürlichen Bewegungen zurecht, als suchten sie nach einer Kante, an der man sich festhalten konnte. Er blinzelte. Einmal. Zweimal. Dann hob er den Blick, und in diesem Blick lag enttäuschte Müdigkeit, doch auch etwas, das man bei ihm selten sah: Nachgiebigkeit.

"So", sagte er schließlich. "So ist es also." Er räusperte sich, diesmal länger. Seine Brust hob und senkte sich, als müsste er den Atem erst überreden, wieder in geordnete Bahnen zu fließen. Dann nickte er, langsam, wie ein Mann, der eine Entscheidung nicht begrüßt, aber anerkennt. "Protektorin...ich will nicht verhehlen, dass mich das trifft." Er versuchte zu lächeln, doch das Lächeln geriet schmal. "Man hängt am Amt. Nicht..." Er suchte kurz, die Stirn in Falten. "...nicht aus Eitelkeit. Zumindest nicht ausschließlich. Sondern weil man sich daran gewöhnt hat, jeden Morgen aufzustehen und zu wissen, wofür man gebraucht wird. Aber ich verstehe Euren Entschluss."

Er hielt inne, legte die flache Hand einen Moment auf die Brust, als müsse er sich selbst zur Form zwingen. "Für die gewährte Leibrente und den Lohn meiner treuen Dienste...danke ich Euch." Er betonte das Wort Lohn, als sei es ihm wichtig, dass es nicht als Almosen verstanden wurde, sondern als ordnungsgemäße Vergütung eines Lebenswerks. "Das ist praiosgefällig, in jeder Hinsicht. Und..." Er nickte, fast trotzig. "...es macht die Dinge leichter."

Er strich das Tuch aus dem Ärmel glatt und tupfte sich noch einmal die Stirn, obwohl sie gar nicht mehr glänzte. Vielleicht war es eher eine Handlung gegen das Gefühl als gegen den Schweiß. "Dass Ihr mir einen Alterssitz in Sewadâl in Aussicht stellt, ist eine großzügige Geste", fuhr er fort, und seine Stimme wurde weicher. "Und ein Cavalliere-Titel..." Er lachte kurz, ein knarzendes, ungelenkes Lachen. "...ist eine große Ehre. Aber wohl verschwendet an einen Greis wie mich. Dennoch weiß ich die Geste zu schätzen."

Für einen Augenblick huschte etwas wie echte Erleichterung über sein Gesicht, sofort wieder in Amtswürde verpackt. Er sah Amelthona länger an, als es nötig gewesen wäre. "Wisst Ihr", sagte er dann leiser, "es beruhigt mich, die Baronie in guten Händen zu sehen." Er deutete mit einem kleinen Nicken auf ihre Aktenstapel, als wären sie ein Beweisstück. "Ihr seid nicht hier, um Euch zu bereichern. Ihr seid hier, um die Trümmer zu zählen, die Steine zu sortieren und die Kassen wieder zu füllen."

Sein Blick glitt zu Solvolio, und diesmal war kein Tadel darin, nur eine nüchterne Hoffnung. "Und ich hoffe", setzte er fort, "dass der Herzog, einen würdigen neuen Baron oder eine würdige neue Baronin wählen möge. Jemanden, der versteht, dass die Herrschaft über Sewakien mehr ist als ein prestigevoller Titel. Jemanden, der die Linie fortsetzt, die..." Er stockte kurz, als stieße ihm eine Erinnerung unangenehm auf. "...die durch diesen unseligen Konflikt so jäh zerbrochen ist."

Er hob die Hand, als wolle er sich selbst gegen den Verdacht der Parteinahme wappnen. "Ich weiß, was über die Region hereingebrochen ist. Und ich weiß natürlich auch, dass Baron Irion von Streitebeck dafür zum Teil Verantwortung trägt." Er nickte, als würde er jedes Wort abwägen wie ein Richter. "Fehde, Sturm, Unruhe. Das verschwindet nicht, indem man einen Namen aus dem Siegelbuch streicht." Dann atmete er aus, und mit diesem Ausatmen kam etwas Unerwartetes: Loyalität, nicht zum Mann, sondern zu seinen Handlungen. "Und dennoch", sagte Mondino, "kann ich über ihn als Baron nichts Schlechtes sagen." Er sah Amelthona direkt an, als wolle er, dass dieser Satz korrekt abgelegt wird. "Unter ihm blühte die Baronie auf. Nach Jahren der..." er suchte das Wort und fand es mit bitterer Genauigkeit "...Misswirtschaft unter den Garlischgrötz-Baronen, Carim, Adaon und nicht zuletzt Selchion. Es wurde gespart und investiert, wo zuvor nur verprasst wurde. Es wurde geordnet, wo zuvor nur zusammengerafft wurde. Pachten wurden korrekt erfasst, Straßen instandgesetzt, Vorräte aufgefüllt. Die Kanzlei..." Er lächelte matt. "...die Kanzlei war wie eine von Ingerimm gesegnete Manufaktur."

Er schloss kurz die Augen, als sähe er Listen und Siegel vor sich. "Ich hoffe daher", sagte er schließlich, "dass der nächste Baron, die nächste Baronin, diese Linie fortführen möge. Streng, ja. Aber gerecht. Sparsam, ja. Aber nicht geizig. Und vor allem..." Er hob den Finger, wie ein alter Lehrer, der noch ein letztes Prinzip setzen muss. "...verlässlich." Mondino richtete sich, so gut es sein Rücken erlaubte, ein wenig auf. Es kostete ihn sichtbar Mühe, aber er tat es, als hätte er damit dem Amt noch einmal Respekt zu erweisen.

"Was immer Ihr nun von mir verlangt, Protektorin", schloss er, "ob Beratung, Übergabe von Akten, Auskunft zu alten Rechtsfragen...ich stehe zur Verfügung. Nicht mehr als Cancellarius, so sei es. Aber als Diener der baronie, solange ihm der Atem reicht." Dann neigte er den Kopf, erschöpft und würdevoll zugleich, wie ein Stempel, der zum letzten Mal ein Siegel gesetzt hatte.

Amelthona lächelte - und auch wenn sie den Greis zuerst belächelt hatte, so bewunderte sie ihn nun für seine altehrwürdige, würdevolle Haltung. "Ich danke Euch sehr, Signor Mondino. Ihr seid, und bei Praios, das meine ich so wie ich es sage, ein Vorbild für uns alle." Während Mondino langsam und schwerfällig, gebeugt aus dem Raum schlich, sah ihm die Protektorin nach. Manche Entscheidungen mussten einfach getroffen werden, zu einem höheren Wohl.

Interludium II

Die Tür schloss sich leise hinter dem ehemaligen Cancellarius und für einige Momente herrschte drückendes Schweigen in dem Arbeitszimmer, dem heimlichen Thronsaal der Protektorin Sewakiens. Dann, ruhig, leise, beinahe geflüstert, um die Stille nicht abrupt zu unterbrechen, wagte Solvolio doch eine Frage: "Ist dir die Entscheidung leicht gefallen?" Amelthona hob den Kopf, ihr Blick hatte auf ihren Notizen verharrt. Beinahe zähfließend wandte sie sich ihrem Sohn zu, ernst, gesetzt. "Ja, Solvolio." Sie schwieg für einen Augenblick. "Natürlich tut es mir zu einem gewissen Grad leid, einen alten Mann seiner Lebensaufgabe beraubt haben zu müssen, dennoch war diese Personalentscheidung für das Wohl der Baronie Sewamund notwendig. Und daher fiel sie mir leicht."

Solvolio nickte und lehnte sich in dem Sessel zurück. "Hast du schon jemanden im Sinn, den du mit der Aufgabe als Cancellarius betrauen wirst?" Sie nickte und zeigte ein zaghaftes, vielleicht sogar etwas verschlagenes Lächeln. "Ja, das habe ich." Ihr Sohn richtete sich wieder auf und strahlte sie an. "Wenn du auf dich spekulierst, dann muss ich dich enttäuschen." Sein Lächeln sank zusammen. Amelthona rollte mit den Augen. "Es wäre eine kurzfristige Entscheidung, mein Sohn, die uns keinen Ruhm einbringt. Du musst langfristiger denken." Sie hob den Finger, schlank, kräftig, wie das Bein einer Spinne mochte man denken. Ihr Gesichtsausdruck war ernst, als sie Solvolio ansah. "Der neue Baron oder die neue Baronin kann jede Personalentscheidung von mir rückgängig machen. Wird er oder sie aber nicht, wenn die Personalentscheidung klug und nachhaltig war." Sie senkte den Finger wieder. "Beweise dich als Vogt von Sewadâl und Rigolmund und beide Posten oder auch nur einer können dir erhalten bleiben. Und du wirst deine Sache gut machen." Der wieder erhobene Finger ließ offen, ob dies eine Aussage oder eine Drohung war. Solvolio entschied sich zu einem Nicken. "Für das Wohl der Familie."

"Für das Wohl der Familie." Ruckartig erhob sie sich, die Falten ihres Gewandes rauschten raschelnd. Mit kraftvollen Schritten ging sie zur Tür, öffnete diese und hielt eine Dienerin des Schlosses auf, die gerade das Glück oder das Pech hatte, vorbei eilen zu müssen. Solvolio hörte noch, wie sie der Dienerin die Anweisung gab, unverzüglich aus dringendem Anlass Signor Traviano Pirialdo zu holen. Dann schloss sie die Tür wieder, ob die Dienerin noch etwas erwidert hatte oder - was die klügere Entscheidung war - der Anweisung stumm Folge leistete, hörte Solvolio nicht mehr.

...und noch einmal Traviano Pirialdo

Tatsächlich hatte es der Truchsess der Baronie Sewamund und somit Verwalter des Baronshofes, Schloss Sewadâl und ehemals auch des Schlosses Corello, bevor es nun in das Eigentum der Stadt Sewamund übergegangen war, sicherlich ein herber Verlust für den kommenden Baron oder die kommenden Baronin, denn der Ausblick auf die Grangorer Bucht war fantastisch) in kürzester Zeit geschafft, die Protektorin erneut aufzusuchen.

Nachdem Traviano galant auf dem Stuhl Platz genommen hatte, auf dem er vor nicht einmal zwei Stunden bereits gesessen hatte, ergriff Amelthona das Wort: "Signor Traviano, ich danke Euch, dass Ihr noch einmal so kurzfristig zu mir kommen konntet."

Traviano Pirialdo hatte sich gesetzt, als wäre selbst das Hinabgleiten in den Stuhl eine Frage korrekter Etikette. Rücken gerade, Hände ruhig gefaltet, der Blick der Protektorin zugewandt, ohne je aufdringlich zu sein. Bei ihren Worten neigte er den Kopf, genau in jenem Winkel, der Dankbarkeit ausdrückte und zugleich signalisierte, dass er sich in dieser Rolle äußerst wohl fühlte. "Protektorin", erwiderte er sanft, "Euer Dank ehrt mich, doch er ist in Wahrheit überflüssig. Wenn Ihr ruft, so ist es mir jederzeit eine Freude, zur Verfügung zu stehen." Er ließ einen winzigen Moment verstreichen, als würde er dem Raum erlauben, sich wieder zu ordnen. Sein Lächeln blieb, gemeißelt wie die Linien einer Marmorstatue: "Womit darf ich Euch dienen?"

"Ich komme auch gleich ohne Umschweife zum Kern meines Anliegens." Amelthona taxierte den jüngeren, etwas schneidigen, vielleicht sogar eitlen bis affektierten Mann für einen kurzen Augenblick. "Traut Ihr Euch zu, das Amt und die Aufgaben des Cancellarius der Baronie Sewamund zu übernehmen? In der Zeit der Vakanz des Baronsthrons möglicherweise zusätzlich zu denen des Truchsessen?"

Traviano Pirialdo ließ den Blick einen Herzschlag lang sinken. Dann hob er die Augen wieder, ruhig, gesammelt, und sein Lächeln war das eines Mannes, der sich selten überschätzt und noch seltener unterschätzt. Nur eine leichte Verneigung, so fein gesetzt, dass sie zugleich Zustimmung und Respekt war. "Protektorin", sagte er, "Euer Vertrauen ehrt mich." Ein winziger Glanz trat in seine Augen, sofort wieder gebändigt.

"Ja, ich traue es mir zu." Er ließ die Worte ohne Eile stehen, als seien sie bereits mit Siegelwachs versehen. "Nicht, weil ich mich für unersetzlich hielte, sondern weil ich weiß, was das Amt verlangt: Ordnung, Geduld, ein kühler Kopf und eine Feder, die nicht zittert, wenn andere brüllen." Er faltete die Hände etwas fester, fast wie ein Mann im Gebet, doch seine Haltung blieb die eines Verwalters, der Zahlen lieber mag als Applaus. "Das Amt als Truchsess hat mich vieles gelehrt. Das Amt als Cancellario verlangt anderes Handwerk, ja, aber kein fremdes." Er neigte den Kopf. "Ich kenne die Akten, die Personen, die Abläufe. Und ich kenne..." Ein kaum merkliches Zögern, das mehr Takt als Unsicherheit war."...die Schatten in den Büchern, die Signor ya Diamero hinterlassen hat. Gerade deshalb ist Kontinuität jetzt keine Bequemlichkeit, sondern eine Notwendigkeit."

Er ließ ein kurzes, höfliches Atemholen folgen. "Wenn Ihr mir diese Aufgabe übertragt, werde ich sie so führen, dass der neue Baron oder die neue Baronin ein geordnetes Haus übernimmt."

Die Protektorin nickt wohlwollend und zufrieden. "Wunderbar, Signor Traviano. Ich danke Euch für Euer Engagement." Sie legte die Kuppen ihrer Finger der beiden Hände aufeinander. "Ihr wisst, dass alle meine Entscheidungen unter dem Vorbehalt der Übernahme durch den neuen Baron oder die neue Baronin stehen." Sie löste die Finger und hob lächelnd die rechte Hand und streckte den Zeigefinger aus. "Aber wenn Ihr Eure Arbeit gut macht, und davon gehe ich aus, warum sollte der neue Baron oder die neue Baronin Eure Dienste nicht weiter benötigen?"

"Das versteht sich von selbst Signora Protektorin. Ich danke Euch abermals für Euer Vertrauen."

Dann senkte er den Blick einen Moment, demütig genug, um niemanden zu kränken, und hob ihn wieder, selbstbewusst genug, um nicht um Erlaubnis zu betteln. "Gehe ich richtig in der Annahme, dass Signor Mondino einen ehrenvollen Abschied von seinen Pflichten erhält? Das Pflichtbewusstsein dieses Mannes habe ich immer als Inspiration verstanden."

Amelthona schüttelte den Kopf. "Signor Mondino hat keinen Fehler begangen und er wird in allen Ehren entlassen, das möchte ich Euch versichern. Er wird uns und Euch auch weiterhin als Ratgeber zur Verfügung stehen, denn niemand kennt die Geschäfte der Baronie derzeit besser als er." War ihr Blick aus den grünen Augen eine versteckte Aufforderung an Traviano? Und wenn ja, welche verbarg sich dahinter? "Signor Traviano, es warten nach den Unruhen der letzten Monde herausfordernde Aufgaben auf uns, denn ich möchte die Baronie Sewamund ordnen und stabilisieren. Weshalb ich auch auf Euren Rat angewiesen bin. Seht Ihr unbedingt notwendige Baustellen, die behoben werden sollten?"


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