Briefspiel:Spiel der Füchse/Die neunte Stunde

Aus Liebliches-Feld.net
Zur Navigation springenZur Suche springen

Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: Travia 1047 BF Schauplatz: Palazzo Alentino in der Herrschaft Alentino, Baronie Aldyra Entstehungszeitraum: ab März 2025
Protagonisten: Jucho von Dallenthin und Persanzig Autoren/Beteiligte: Dajin,
Zyklus: Übersicht · Personae Dramatis · Alles zum Spiel · Ein goldener Morgen · Balkongespräche · Willkommen im Palazzo Alentino · Die neunte Stunde · Maskenball · Fuchsband · Boltan-Runde · Das Plädoyer · Rote und Weiße Kamele · Kunstversteigerung · Der Fuchsbau · Kleinod Einer aus Neun mal Neun · Pferdewetten · Pferderennen · Regelwerke · Intermezzo · Juchos Memoiren (Das Finale)


Am Abend des 4.Travia 1048 im Palazzo Alentino

Die neunte Stunde

Inzwischen war im Palazzo eingetroffen, was Rang, Namen oder zumindest Ambition hatte. Von den Regenschauern des Morgens war nichts mehr zu sehen und eine abendliche, herbstliche Wärme ließ die meisten Gäste noch im Außenbereich dem sanften Tratsch nachgehen. Abendrot verkündete das nahe Eintreffen der Nacht, offenbarte aber auch einen Himmel, der von Wolkenfetzen durchzogen sicher noch den ein oder anderen Stern zeigen würde. Schon jetzt tauchten erste kleine weiße Punkte am Firnament auf, das war die Zeit der hellen Wandersterne und Simia zeigte sich sogar abseits dieser Wolkenfetzen. Doch noch schaute kaum einer gen Himmel. Denn das hier war eher ein „Gesehen werden“, denn ein „Sehen“. Es hatten sich diverse kleine Grüppchen gebildet, welche tuschelnd Blicke umherwarfen und spekulierten, wer wohl hinter welcher Maske stecken könnte. Darunter mischte sich das Wuseln diverser Diener und Mägde, welche schmale Gläser mit Bosparanjer und Arangensaft umher reichten und damit reichlichen Absatz fanden. Und immer wieder unterbrach ein lauter Gong die Gespräche der Gäste, welcher immer dann geschlagen wurde, sobald ein neu eintreffender Gast eine Spende in die Vorrichtung an der lodernden Esse warf und so der bald zu erstellenden Statue des Siegers ein wenig Bestand hinzufügte.
Doch auch im Foyer hinter den großen oben halbrund eingelassenen Glasfenstern und der doppelflügligen, weit geöffneten Tür war Geselligkeit ausgerufen. Eine kleine Kapelle spielte leichte Kammermusik und wurde für ihr Talent eigentlich viel zu wenig gewürdigt, in den Spielpausen gab es nur vereinzelt höflichen Applaus, während das stete gurren und murmeln vieler Gästekehlen den eigentlichen Ton angaben. Doch die Kapelle war erfahren genug, um diesen Zustand der Ignorantia mit einem Tusch in den des Aurelius Güldenglanz abzuändern.
Sie hatten ein entsprechendes Signal erhalten und mit einigen kurzen, laut gespielten Noten ebbte das Geschnatter schnell ab. Oberhalb des Treppenaufgangs öffnete sich eine der drei nebeneinander liegenden und in den Flur führenden Glastüren mit ihrem fein verzierten Messingfassungen. Die Mittlere. Aus ihr trat eine ältere Frau im schwarzen Kleid, recht simpel mit etwas Droler Spitze an den Rändern, darüber eine silberne Schärpe, auf der in goldener Stickerei einige Füchse zu sehen waren. Ihr Gesicht wurde von einer Maske verhüllt, welche mit Smaragden und Rubinen gespickt waren. Und auch wenn man so nicht viel mehr als ihren Mund sehen konnte, so waren die grauen Haare, welche unter einem ebenso schwarzen Barett hervorlugten, Indikator genug, dass dies wohl die Adjutantin des Großherzogs sein musste. Die Signora aus dem Bornland mit diesem unaussprechlichen Nachnamen. Signora Pamminka.
Die Kapelle spielte kurz ein sehr bornländisches Musikstück, welches wie eine Einlaufmusik für einen Gang in eine Arena wirkte und tatsächlich winkte die Frau erst mit ihrer Hand, oder mehr nur mit ihrem Handgelenk jenes drehend, generös in die Menge, bevor sie sich mittig an die Brüstung eben jenes Vorsprungs begab, an der rechts wie links die Treppen nach unten ins Foyer führten. Sanft legte sie ihre Hände auf das ebenso aus Messing hergestellte, fein verzierte Geländer und blickte stolz über die versammelte Gästeschar, welche auch draußen mitbekommen hatte, dass es offensichtlich los ging und entsprechend in den Innenbereich strömte. Ein wenig wartete sie noch, bis der Pulk von Menschen unter ihr komplett zum stehen gekommen war und ihre Gespräche soweit einstellten dass es keinen Zweifel mehr daran gab, dass ihr all der Fokus der Anwesenden galt.
Mit einer Handbewegung wies sie die Musikanten an, nun langsam leiser zu werden und in der Tat gelang diesen ein harmonisches Piano hin zu völliger Stille, in die sich alsbald die Stimme der alten Dame mischte. Sie war fest und gut im ganzen Raum zu hören.

Phex mit euch allen und vielen Dank für euer zahlreiches Erscheinen.“ Eine kurze, künstlerische Pause war ausreichend, um die Menge vor ihr zu einem Applaus zu motivieren. Nachdem dieser höfische Applaus abebbte, setzte Sie ihre Willkommensrede fort. „Ich heiße euch alle herzlichst hier auf dem Palazzo Allentino willkommen, willkommen für ein dreitägiges Fest zu Ehren einer ganz besonderen Person und seiner Rückkehr in eine noch viel besonderere Region. Die Rede ist natürlich vom Großherzog Jucho von Dallenthin-Firdayon und von der Region, die sich wie keine Andere mit dem Begriff „Zweite Heimat“ in sein Herz eingraviert hat, unser aller Liebliches Feld. Ich, als eine der Organisatorinnen dieser Feierlichkeit, würde mich nun auch vorstellen, aber zum einen würden wohl die wenigsten von euch sich meinen Namen merken können, zum anderen ist dies ein Maskenball! Sein Charme liegt natürlich in der Verschleierung seiner Identität. So fühlt euch heute Abend eingeladen, euch ganz phexgefällig dem Mythos des Geheimen hin zu geben. Wir haben für euch eine talentierte Kapelle engagiert, welche ein breites Repertoire an Tanzmusiken für euch vorbereitet hat. Auch erwarten euch kleine Unterhaltungsspiele, es wird nicht an nelkengespickten Arangen fehlen. Denkt daran, wer eine Arange geschenkt bekommt, sollte eine Nelke aus ihr entfernen, um von der schenkenden Person einen Kuss auf die Stelle zu erhalten, die eine Nelke herausgezogen hat. Und ja, ich bin schon gespannt, wer als erster sich traut, die Nelke mit den Zähnen zu entfernen.“
Kurz wartete sie das kleine Gelächter ab, dann setzte Sie ihre Rede fort. „Doch achtet darauf, wenn die Kapelle den Traubentritt spielt! Damit wird dann nämlich unser erstes Spiel beginnen! Lasst mich euch die Regeln unseres Spiel der Füchse an dieser Stelle noch einmal erklären. Über die nächsten Tage werden phexgefällige neun Spiele stattfinden. Wir werden uns messen wollen, wenn es um Geschicklichkeit im Tanze, um Glück mit den Spielkarten, um ein Auge für Kunst und Kleinod sowie ein anderes für eine gute Investition geht, wir wollen uns in Strategie und Wortgewandtheit messen genau so wie um ein phexgefälliges Bauchgefühl. Und zu guter Letzt geht es um das wohl schönste Vergnügen, dass Phex und Rahja uns geschenkt haben – einem Pferderennen, bei der ein jeder beweisen kann, wie gut er Ross und Reiter einschätzen kann. Wer eins dieser Neun Spiele gewinnt, erhält neun Punkte. Wird er zweiter, sind es immer noch sechs Punkte und drei Punkte gibt es für den dritten. Teilen sich mehrere Leute eine Position werden diese Punkte natürlich auch unter den jeweilig gleich guten aufgeteilt. Wer nach diesen neun Wettkämpfen die meisten Punkte hat, darf sich von nun an Fuchskönig nennen und erhält zudem eine lebensechte Statue von sich in Gold gegossen! Ihr werdet sicher die Esse draußen bemerkt haben, am Tisch direkt daneben könnt ihr euch für die jeweiligen Disziplinen einkaufen. Achtet dabei auf den Gongschlag. Schlägt er einmal, hat jemand sich erfolgreich mit klirrender Münze eingekauft und wir feiern seinen Mut standesgemäß, in dem seine Dukaten noch an Ort und Stelle in der Esse eingeschmolzen wird. Scheut euch nicht, an den Disziplinen teilzunehmen, denn eben jene geschmolzene Masse wird am Ende dann hoffentlich euer Antlitz zeichnen. Das bedeutet, je mehr von euch an den Spielen teilnehmen, um so größer wird dann eure Statue, wenn ihr am Ende all das gewonnen habt.“

Ihr Mund wurde langsam etwas trocken, daher erlaubte sie sich eine weitere Künstlerpause, welches mit aufgeregtem Gemurmel der Masse unter ihr gefüllt wurde. Sie ließ das Gemurmel für eine halbe Minute gewähren, aber kaum, dass sich ihre Zunge wieder etwas gelockert hatte, hob sie noch einmal die Hand, um die Aufmerksamkeit der Gäste wieder zu erlangen.
„Schlägt der Gong dreimal in Folge, dann ist die Anmeldefrist für eins der Spiele beendet, schlägt der Gong sechsmal, dann ist die Anmeldung für das letzte Spiel beendet und wenn der Gong neunmal schlägt, dann wollen wir zusammenkommen, um einen Sieger zu küren. Dabei werden heute bereits zwei Spiele stattfinden. Die erste Disziplin wird das Spiel „Fuchsband“ sein. Ich erwähnte den Traubentritt, sobald die Musik erklingt, wird es darum gehen, anderen Tänzern spielerisch ein dazu extra eingekauftes Band zu stibitzen. Wer hierbei die meiste Beute macht, erhält die ersten Punkte. Doch keine Sorge, es wird auch andere Tänze für die restliche Gästeschar geben. Und wenn die 12te Stunde naht, kommt die Nacht der Boltan-Karten. Euren Einsatz könnt ihr dann im Raucherzimmer einlösen. Am morgigen 5ten Travia dann warten drei Spiele auf uns. Nach dem Mittagessen wollen wir hier zunächst für das Spiel „Fuchsbau“ zusammenkommen, bei dem Anwesende versuchen können, für ihre persönlichen Projekte Investoren zu finden. Zur Siebten Stunde, nach dem Abendmahl dann können sich Teilnehmer im Klassiker messen – Rote und weiße Kamele! Und wenn die Nacht über uns hereinbricht und wir die 11te Stunde des Abends zählen, dann lockt die große Kunstversteigerung!“

Wieder folgte eine kurze Künstlerpause, welche diesesmal aber nicht groß zerredet wurde. Zu sehr wollten die anwesenden Gäste wissen, wie das weitere Programm aussah. Entsprechend erlöste Pamminka ihre Gäste recht schnell wieder. „Am 6ten Travia dann starten wir erneut gemütlich nach dem Mittagsmahl mit dem erfolgreichen Verkauf von persönlichen Kleinods. Das Abendmahl verdient man sich zudem mit dem Spiel zum Plädoyer, wo man sich gar praiosgefällig geben kann und zeigen kann, wie gut man Phexens Regeln kennt. Und natürlich zur neunten Stunde dann wird der Tag beendet mit dem Spiel der Intuition schlechthin, dem spiel „Einer aus Neun mal Neun“, bei dem man ein gutes Gefühl für einen spannenden Inhalt kennen sollte. Das große Finale erwartet uns dann am 7ten Tage. Nach dem Mittagessen gilt es, sich Ross, Reiter und Material zusammen zu kaufen, um eben jene für sich auf Reise zu schicken. Bis zum Abendessen sollte dann das Pferderennen beendet sein. Und natürlich könnt ihr parallel auf die jeweiligen Reiter auch privat wetten, wo wäre sonst der Spaß. Zur Neunten Stunde des 7. Travia dann sollte die Statue gegossen sein. Der Großherzog liest im Musikzimmer aus seinen Memoiren vor und am Ende wird dann der Sieger gekürt und gefeiert. In diesem Sinne wünsche ich euch sehr viel Erfolg und Glück im Verlaufe der nächsten acht mal neun Stunden. Möge Phex mit euch sein!“

„Phex mit uns.“ riefen vereinzelte Gäste und erneut brannte Applaus auf. Es schien sich eine Mischung aus Vorfreude und Ehrgeiz im Lager breit zu machen. Das Fest konnte beginnen. Dazu machte Signora Pamminka noch einmal auf sich aufmerksam. „Soviel zu den Spielen, jetzt fehlt nur noch eins – unser Gastgeber! Und auch da haben wir uns ein kleines Spiel ausgedacht. Denn ihr erinnert euch, dies ist ein Maskenball und ein solcher lebt von seinen Geheimnissen. Würde nun der gute Jucho einfach aus dieser Tür herauskommen, dann wüsste trotz Maske ja ein jeder, wer er ist. Nein, wir bleiben dem Herren Phexe hold. Daher präsentiere ich euch nun in natürlich phexgefälliger neunfacher Anzahl und unter eurem großen Applaus… den Großherzog und einstigen Adelsmarschalls des Bornlandes, Honorarkonsul a.d. vom Land zwischen Born und Walsach im lieblichen Feldes, Signor von Alentino, Gründer der Nachrichtenagentur Nanduria sowie des Widderordens und Herrscher von Persanzig, Baron Jucho von Dallenthin-Firdayon!“

Die drei Messingtüren hinter Pamminka öffneten sich und durch jede Tür kamen jeweils drei ältere Männer mit grauen Haaren und jeweils einer vieles verhüllenden Maske. Diese waren entweder Mondförmig oder Fuchsförmig, zwei trugen eine Maske eines Mungos und ein weiterer Jucho war als Elster wieder zu erkennen. Nur in ihren Farben unterschieden sie sich, jede Kleidung schien farblich ein gewisses Thema zu haben, so gab es einen goldenen, einen silbernen und einen schwarzen Jucho, einen grünen, einen blauen, einen roten, einen purpurfarbenen Jucho, einen Türkisfarbenen Jucho und einen, dessen Gewandung unauffällig grau erschien. Sie alle winkten jovial zur Menge, bevor sie sich in eben jene begaben. Ja, einer von diesen sollte wohl der echte Jucho sein. Sie alle aber würden sich verhalten wie Jucho.
Das konnte unterhaltsam werden, im wahrsten Sinne des Wortes. Alle neun Juchos schienen kein Interesse daran zu haben, sich anhand einer weiteren Begrüßungsrede als der echte Jucho zu enttarnen, so spielte die Kapelle auf und allen wurde schnell klar: Die Spiele hatten begonnen, auf die eine oder andere Art.