Travia-Tempel St. Mascha
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Der Travia-Tempel St. Mascha ist der Tempel der Göttin Travia in der Neustadt von Sewamund. Er liegt an der Westseite der Piazza Nodo, gegenüber den Palazzi der südlichen und östlichen Platzfront, und bildet gemeinsam mit der hinter ihm gelegenen Abtei Varosja einen der geistlichen Schwerpunkte der Neustadt.
Der Tempel entstand aus dem Haus des Gastes, das sich seinerzeit um die Kurgäste, die zum Beispiel in der Harena Nobilis unterkamen, und ebenso die neu gezogenen Familien der Neustadt kümmerte. Er steht in indirekter Nachfolge zum Travia-Tempel der Altstadt, dessen Gebäude profanisiert wurde und heute als Haus Goldene Gans genutzt wird.
Der Bau an der Piazza Nodo ist auch ein städtebauliches Zeichen. Gegenüber den Palazzi der Patrizier und unweit von Schloss Corello soll St. Mascha daran erinnern, dass die neue Stadt nicht nur aus Handel, Politik und Mauern besteht, sondern aus Gemeinschaft, Familien und Gastfreundschaft. Besonders viele Händler und Seeleute suchen den Tempel vor längeren Reisen auf, um für sichere Heimkehr und ein unversehrtes Haus zu bitten.
Der Tempel ist ein zweigeschossiger Bau aus hellem Stein und Backwerk, dessen Dach mit warm orangefarbenen Ziegeln gedeckt ist. Zur Piazza Nodo hin öffnet sich eine breite Vorhalle mit Rundbögen, unter der sich an Festtagen Pilger, Familien und Bittsteller sammeln. Über dem Haupteingang ist die Heilige Mascha dargestellt, eine gänsehütende Matrone mit Brotkorb, Herdflamme und weit ausgebreitetem Mantel. Ihr zu Füßen sitzen Reisende, Kinder und Seeleute. Im Inneren beherrscht ein großer Herdaltar die Tempelhalle. Dort brennt die Herdflamme von St. Mascha, die nach Tempeltradition niemals vollständig erlöschen darf. Um sie herum liegen die Sitzbänke nicht streng in Reihen, sondern in weitem Halbkreis, damit die Gemeinde eher wie eine große Hausgemeinschaft wirkt.
Die Nähe zur Piazza Nodo macht den Tempel zu einem wichtigen Ort öffentlicher Rituale. Nach größeren Ratsbeschlüssen, städtischen Festen oder Katastrophen werden hier häufig Dankandachten gehalten.
Nach der Sturmflut von 1046 BF und den Kämpfen vor und in der Stadt gewann der Tempel an Bedeutung. Obdachlose, Verwundete und Vertriebene fanden hier Unterkunft, einfache Speisen und geistlichen Beistand. Die Anlage des Stadtteils Tamarinden geht auch auf die Unterstützung der Traviageweihtenschaft zurück.
Mühlenfest
Ein wichtiger Feiertag des Tempels ist das Mühlenfest am 13. Travia. Es erinnert an die alten Windmühlen der Turbenhöhe und an die Zeit, als die Neustadt noch von Bauernhöfen, Mühlen und Feldern geprägt war. An diesem Tag werden Brote, Kuchen und einfache Eintöpfe auf der Piazza Nodo verteilt. Müller, Bäcker, Fuhrleute und Hausgemeinschaften bringen Mehlspenden, während Kinder kleine Teigfiguren in Form von Gänsen formen.
Volkes Stimme und Gerüchte
„Bei Phex macht man Gewinn, bei Efferd überlebt man die See. Aber bei Travia bekommt man Suppe.“
— Hafenarbeiterin aus Sewamund
„St. Mascha ist der einzige Ort in der Neustadt, an dem man auch ohne Einladung willkommen ist.“
— Bewohnerin der Periferia
„Wenn die Geweihten von St. Mascha anfangen, freundlich zu lächeln, hat man entweder Hilfe nötig oder Ärger mit der Familie.“
— alter Ratsschreiber
Manche behaupten, unter dem Herdaltar sei ein Stein aus dem alten Travia-Tempel der Altstadt vermauert worden, um die Herdflamme der früheren Gemeinde mit jener der Neustadt zu verbinden. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass während der Sturmflut von 1046 BF ein nasser, unbekannter Junge in der Tempelküche auftauchte, einen einzigen Laib Brot brach und damit mehr Menschen speiste, als der Laib hätte sättigen können. Am nächsten Morgen sei er verschwunden gewesen.