Haus Goldene Gans

Das Haus Goldene Gans ist ein traditionsreiches Gebäude in der Altstadt von Sewamund. Es befindet sich an der Hauptstraße unweit des Marktplatzes und ist eng verbunden mit der benachbarten Gastwirtschaft Goldene Gans. Heute dient es vor allem als repräsentatives Gästehaus für wohlhabende Kaufleute, Patrizier und angesehene Besucher Sewamunds.
Es entstand während der frühen Blütezeit Sewamunds und beherbergte früher einmal einen Travia-Tempel. Erst als die stetig wachsende Bevölkerung im Zuge der Stadterweiterungen eine größere Tempelanlage erforderlich machte, wurde weiter nördlich in der Neustadt an der Piazza Nodo das Haus des Gastes errichtet, das später zum Travia-Tempel St. Mascha wurde.
Im Haus Goldene Gans blieb ein Teil der ursprünglichen Bausubstanz erhalten. Besonders im Erdgeschoss lassen sich noch heute Rundbögen und Mauerabschnitte erkennen, die aus der Zeit des Tempels stammen. Gemeinsam mit der Gastwirtschaft entstand ein Ensemble, das bis heute das gesellschaftliche Leben prägt. Seine helle Fassade wird von großen Rundbogenfenstern und einem reich verzierten Eingangsportal geprägt. Über dem Tor hängt eine vergoldete Gans, deren Darstellung bewusst schlichter ausfällt als das bekannte Wirtshausschild der benachbarten Gastwirtschaft.
Im Innern befinden sich mehrere großzügige Salons, ein Speisezimmer und Gästezimmer verschiedener Größe. Die Ausstattung ist komfortabel, ohne den Prunk mancher Patrizierpalazzi zu erreichen. Besonders geschätzt werden die nach hinten liegenden, ruhigen Zimmer, während die straßenseitigen Räume einen Blick auf das geschäftige Leben der Altstadt bieten. Die Bewirtung erfolgt gewöhnlich durch die Küche der Gastwirtschaft.
Das Speisezimmer ist der ehemalige Andachtsraum und das Gewölbe wird noch immer von alten Schlusssteinen getragen, auf denen sich stilisierte Herdflammen und Gänse erkennen lassen. In einer Mauernische befindet sich weiterhin eine schlichte Öllampe, wie es wahrscheinlich schon zu Zeiten des Tempelbetriebes üblich war.
Nicht selten logieren im Haus Delegationen aus den übrigen Städten Phecadiens oder Besucher aus Grangor, Bethana oder Vinsalt, wenn im Schloss Corello größere Beratungen stattfinden. Auch während des Deichfestes, der Warenschau oder wichtiger Sitzungen des Lilienrates sind die Zimmer gerne ausgebucht.
Volkes Stimme und Gerüchte
„Wer im Haus Goldene Gans schläft, wacht meistens mit einem Vertrag auf.“
— Schreiber des Magistrats
Man erzählt sich, hinter einer vermauerten Wand befinde sich noch die ehemalige Sakristei des alten Travia-Tempels. Dort sollen bis heute Schriftrollen und Weihegeräte aus früheren Jahrhunderten verborgen liegen. Andere behaupten, unter den Fundamenten verlaufe ein alter Verbindungsgang zum Magistrat, der in unruhigen Zeiten eine sichere Passage zwischen den wichtigsten Gebäuden ermöglicht habe.
Romantisch veranlagte Sewamunder glauben, dass Paare, die ihre erste gemeinsame Nacht im Haus Goldene Gans verbringen, unter dem besonderen Segen Travias stehen – eine Vorstellung, die manche Geweihte des richtigen Tempels mit wohlwollendem Lächeln kommentieren.
Man weiß heute nicht mehr, wieso der erste Travia-Tempel Sewamunds aufgegeben wurde, ob alle Geweihten ohne Nachfolger starben, es zu einem Gebäudeeinsturz kam oder welche anderen Gründe dazu geführt haben mögen.