Archiv:Es ist alles im Fluss (BB 46)
Der Sewak, ein Fluss, der im Phecanowald entspringt und sich durch die malerischen Landschaften von Veliris und Sewamund bis in die Grangorer Bucht windet, ist mehr als nur ein Gewässer im Süden Phecadiens. Er ist Zeuge der Geschichte, Spiegel der Kultur und leider auch Opfer dämonischer Kräfte, die seine einst klaren Wasser trüben.
In den Tiefen des Sewaks, wo das Wasser dunkel und geheimnisvoll fließt, verbergen sich Geschöpfe, die von der dämonischen Wesenheit Gurondaii hervorgebracht wurden. Diese Kreaturen, einst gewöhnliche Bewohner des Flusses, wurden in etwas Unnatürliches verwandelt, das jede natürliche Balance stört. Die Angriffe der Egel an der Furt von Veliris sind nur ein Beispiel für die vielen Gefahren, die nun in den Wassern lauern.
Die Geschichte des Sewaks ist seit dem Angriff des Dämons Gurondaii von 1019 BF tief mit meiner Familie verwoben, die sich nach Kräften für die Errichtung eines Peraineklosters an der Sewakquelle einsetzt. Die Mönche und Nonnen dieses Klosters sollen ihre ganze Kraft der Reinigung des Sewakwassers widmen, einem Unterfangen, das umso dringlicher geworden ist, seit anscheinend selbst der Flussvater Sewak unter der Krankheit leidet, die der Dämon Gurondaii über ihn gebracht hat. Diese Verseuchung hat nicht nur die einst blühende Flora und Fauna des Sewaks geschädigt, sondern bringt auch wirtschaftliche Nachteile für die anliegenden Städte und Dörfer.
Mit einer Länge von ungefähr 56 Meilen und einer theoretischen Schiffbarkeit bis 20 Meilen vor Veliris zeigt der Sewak die Herausforderungen auf, mit denen die Bewohner dieser Region konfrontiert sind. Die seltenen Hochwasser, verursacht durch Schneeschmelze und Regenzeit, bieten zwar eine vorübergehende Linderung der Verschmutzung, sind aber kein Ersatz für die dringend benötigten Reinigungsmaßnahmen.
Besonders betroffen ist die Stadt Sewamund an der Mündung, wo die Arbeiter der lokalen Wäschereien, Flößer, Fährleute und Fischer eine geminderte Lebenserwartung zu beklagen haben. Der Kontakt mit dem verseuchten Wasser des Sewaks hat ihre Gesundheit stark beeinträchtigt. Trotz wiederholter Beschlüsse des Lilienrats zu Maßnahmen gegen die Verschmutzung, scheinen diese nicht auszureichen, um den Fluss zu retten. Der ansässige Hydrologe Amendor ya Dumerzi bestätigt, dass die bisherigen Bemühungen, die Wasserqualität zu verbessern, unzureichend waren.
Der im Sewaktal vereinzelt angebaute Rotwein ist so auch ausschließlich für den Handel bestimmt – nach heutigen Motto der Winzer: „der ist nicht zum Trinken, sondern zum Verkaufen“. Ein Zeugnis für die geminderte Fruchtbarkeit des Landes, dessen Reben einst für Qualität gerühmt wurden, die nun unter der Verseuchung leidet. Man munkelt, es sei mitunter Aufgabe des geheimen Phex-Hauptgeweihten Sewamunds, passende (sprich: naive) Abnehmer für diesen Trunk zu suchen. Der Rotwein, obwohl reich an Farbe und Körper, trägt die stille Botschaft einer Landschaft im Leid.
Der Sewak und seine Umgebung sind auch Schauplatz alter Pakte und Mythen. Es gibt Legenden um den Drachen Shumir, der über viele Jahre in den Wäldern entlang des Flusses sein Jagdrevier hatte. Andere Erzählungen schildern davon, dass die ersten Güldenländer aus Furcht vor der Macht H’Rangors dort, wo sich heute Sewamund befindet, in der Stadt Sewakia einen Pakt mit dem Fluss schlossen und den Sewak-Tempel dem Flussvater zu Ehren errichteten. Zusammen mit dem großen und zaubermächtigen Knoten des Heiligen Stordian konnte so der hinterhältige Einfluss Charyptoroths aufgehalten werden, sich weiter in die Kernlande auszubreiten.
Die Burgen Sewakstein, Sewakwacht, Aarenstein und Castello Leonis und wie sie alle heißen, ebenso wie die Städte Sewamund und Veliris stehen als stumme Wächter über den Sewak, während der Fluss selbst Zeuge und Opfer menschlicher und übernatürlicher Einflüsse bleibt. So kann der tragische Verlust der Hesinde-Geweihten Hesindia, die nach einem Bootsunfall vor Ruthor nicht mehr zurückkehrte, der mysteriösen und oft gefährlichen Natur des Sewaks zugeschrieben werden. Ihre Versuche, die Verbindungen zwischen den dämonischen Perversionen der Tierwelt des Sewaks und den alten Legenden zu entschlüsseln, endeten abrupt und hinterlassen viele Fragen.
Die Geschichte des Sewaks ist ein Aufruf zum Handeln. Sie erzählt von der Schönheit und den Gefahren, die in den Gewässern lauern, und von der unermüdlichen Arbeit derer, die sich für seine Reinigung einsetzen. Es ist eine Geschichte, die noch lange nicht zu Ende erzählt ist, denn es ist alles im Fluss – und die Hoffnung auf Heilung des Sewaks bleibt, auch in Zeiten des politischen Durcheinanders.
GE