Alchimisten-Werkstatt Bosvani

Die Alchimistenwerkstatt ist eine kleine Werkstatt für Alchimie und Destillationskunst im jungen Stadtteil Tamarinden in Sewamund. Das schmale Gebäude liegt unmittelbar neben der breiten Freitreppe, die den Neuen Hafen mit der Badstraße verbindet. Es wird von dem aus Drôl stammenden Alchimisten Orelio Bosvani geführt und genießt einen ebenso guten Ruf für hochwertige Tinkturen wie einen zweifelhaften für seine angeblich allzu experimentierfreudigen Geschäfte. Außerdem werden ihm Verbindungen nach Mengbilla nachgesagt.
Während also Apotheker und Medici gelegentlich Heilmittel aus Bosvanis Wirkungsstätte beziehen, erzählen Hafenarbeiter und Seeleute manchmal wildeste Geschichten über verbotene Elixiere, Schmuggelware und seltsame nächtliche Besuche. Beweise hierfür konnten die Stadtbüttel bisher keine finden.
Die Werkstatt entstand kurz nach der Ansiedlung der Flüchtlinge aus dem niedergebrannten Dorf Amarinto, als sich Tamarinden vom provisorischen Hüttenviertel langsam zu einem dauerhaften Stadtteil entwickelte. Orelio Bosvani erkannte darin Potenzial. Hier fanden sich reichlich Kundschaft aus den Hafenbetrieben, kurze Wege zu den Schiffen und Händler, die Kräuter, Harze, Mineralien und andere Stoffe aus ganz Aventurien mitbrachten. Bosvani erwarb das kleine Eckgrundstück und errichtete Werkstatt und Wohnung.
Von außen wirkt die Werkstatt unscheinbar, der schmale Backsteinbau besitzt zwei Geschosse und einen kleinen Hinterhof. Hinter bleiverglasten Fenstern schimmern Tag und Nacht grünliche, bernsteinfarbene oder tiefblaue Lichter. Im Gebäude befindet sich ein Verkaufsraum, dahinter das Laboratorium, mehrere Destillierstuben, ein Kräuterkeller und oben neben der Wohnung ein Dachgarten mit Kräutern. Der Schornstein lässt beinahe ständig dünne Dampffahnen über Tamarinden aufsteigen.
In Bosvanis Labor füllen kupferne Destillierkolben, Glasretorten, Alembike, Waagen und Brennöfen beinahe jeden freien Winkel. In der Luft liegt ein eigentümlicher Geruch nach Kräutern, Alkohol, Schwefel, Honig und Meerwasser. Bosvani pflegt zu sagen: „Wenn ein Labor gut riecht, arbeitet niemand darin.“ Hergestellt werden hier unter anderem her Heiltränke, Wundbalsam, Fieberessenz, Schiffslampenöl, Tinte, Parfüm, Duftöl, Rostschutzmittel, Holzkonservierungen und Färberchemikalien. Geschätzt wird Bosvani-Lacköl, mit dem Tauwerk, Holz und Leder gegen Feuchtigkeit geschützt werden kann.
Für die Stadtbüttel ist Bosvani „ein Mann, der grundsätzlich mehr weiß, als er erzählt.“ Seit Jahren gehen Gerüchte, er sei in den Handel mit verbotenen Substanzen verwickelt. Darunter seien Rauschkraut, tulamidische Traumessenzen, seltene Gifte, dämonische Reagenzien und generell geheimnisvolle Phiolen ohne Etikett, aber mit Wirkung. Daher erscheinen die Stadtbüttel regelmäßig zu Kontrollen, bislang verlief aber jede Untersuchung ergebnislos. Bosvani führt sorgfältig Buch, besitzt erforderliche Lizenzen und scheint stets genau zu wissen, welche Fragen man ihm stellen wird. Die Nachbarn vermuten, dass die Wahrheit viel unspektakulärer sei als die Gerüchte. Andere glauben genau das Gegenteil und erzählen sich, Bosvani besitze im Keller einen Schrank mit dutzenden unbeschrifteten Fläschchen. Fragt man ihn danach, antwortet er: „Natürlich, darin bewahre ich die Dinge auf, die man mir nachsagt.“
Bosvani beschäftigt bevorzugt junge Menschen aus Tamarinden und bildet sie in einfachen Laborarbeiten aus. Er beteiligt sich außerdem an Armenküchen. Dies trägt dazu bei, dass viele Bewohner des Viertels ihn gegen üble Nachrede in Schutz nehmen.
Volkes Stimme
„Bosvani verkauft Heiltränke. Dass manche Kunden anschließend doppelt sehen, muss andere Gründe haben.“
— Chiranor Auenberger
„Wenn bei Bosvani etwas explodiert, nennt er es einen Erkenntnisgewinn.“
— Hafenarbeiterin
„Die Stadtbüttel durchsuchen seine Werkstatt öfter als meine Speisekammer.“
— Nachbarin
„Wer einen Trank bei Bosvani kauft, sollte vorher genau fragen, wofür er gedacht ist.“
— Medicus des Sewamunder Hospitals