Briefspiel:Eine ruhige Travienfeier/Nachspiel

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Briefspiel in Shenilo
Datiert auf: Peraine 1046 BF Schauplatz: Land- und Weingut di Asuriol Entstehungszeitraum: Ostern bis Oktober 2025
Protagonisten: Aurelia di Asuriol, Lessandero Horodan di Ulfaran, Athaon di Asuriol, Sylvain Tuachall Autoren/Beteiligte: Familie di Asuriol.png ernie, Familie Tuachall.png Aurelion, Haus Carson.png OrsinoCarson, Haus ya Papilio.png Gishtan re Kust, Haus ya Pirras.png VivionaYaPirras
Zyklus: Übersicht · Vorbereitungen · Empfang · Zeremoniell · Eklat · Nachspiel


Nachspiel

Der 15. Peraine, Vormittag

Am Morgen nach der Feier waren die meisten Gäste bereits früh abgereist, sodass die Dienerschaft bereits einen großen Teil der Festzelte abgebaut hatte, als der raue Ruf eines gerüsteten Knechts über das Anwesen fegte: “Alle Kellner ins Haus, alle anderen: zurück an die Arbeit mit euch!” Etwas weniger als ein Dutzend Diener legten, einige mehr, andere weniger eilig, die Arbeit nieder und machten sich, als sich die Gruppe gesammelt hatte, schließlich auf den Weg in Richtung der Villa. Die Freude der jüngeren, welche sich im allgemeinen über die unverhoffte Pause freuten, wurde rasch von einem sehnigen Dienstälteren gedämpft. “Euer Gackern könnt ihr euch sparen, bis wir wieder Sonne sehen. Wir werden nicht für ehrliche Arbeit ins Haus gerufen.” Der Alte wurde mit einigen zwar mit einigen Rufen, darunter “Alter Griesgram!” und “Graubärtiger Schwarzmaler” bedacht, doch der Spott der Jugend ließ die beschworene Aussicht auf unehrliche Arbeit nicht verfliegen. Als die Gruppe die Stufen zum Haus hinaufgestiegen war, übernahm der breitschultrige Knecht, der sie zusammengerufen hatte die Führung der Gruppe durch die Türen der Villa. Zunächst ging es über eine Seitentreppe auf die Galerie der Eingangshalle und von dort in die Schreibstube. Der Raum, der als Bibiothek eingerichtet war füllte sich zusehends mit der Gruppe von Bediensteten, sodass die Türe sich nur mit Mühe hinter der Schar von Arbeitern schließen ließ.Trotz des Drucks, der aus Richtung der Tür ausgeübt wurde, hielten die vorderen Ränge gebührenden Abstand von dem großen Tisch, an dem Signor Travin, flankiert von seinem Sohn und seiner Tochter, Platz genommen hatte. “Die Zwölfe zum Gruße.” Travin stand von seinem einfachen Stuhl auf und ging um den Tisch herum. “Was gibt es zu berichten?” Der Patriarch der Familie schlug die Ärmel seines Rocks zurück, sodass die opulente Fütterung aus Hermelin zum Vorschein kam und verschränkte die Arme vor Brust. “Was habt ihr gehört? Was habt ihr gesehen?” Auch den jungen Dienern dämmerte nun, warum der alte Griesgram so wenig Begeisterung über die Pause gezeigt hatte. Offenbar erwartete die Familie di Asuriol von ihnen ein vollständiges Zeugnis über die geflüsterten Bemerkungen ihrer Gäste, über alle Gerüchte und Lästereien, die sie gehört hatten, während sie im Rücken der Gäste ihre Arbeit getan hatten. “Haus Carson zeigte sich zufrieden mit der Inszenierung, aber bedeckt in allen anderen Belangen. Auch als die Rebenmeister sich beinahe zerfleischt hätten, gab’s keine nennenswerte Regung vom Signor Carson. Seine Tochter schien wenig begeistert vom Auftritt des Barden Tuachall, aber insgesamt haben sie sich sehr zurückgehalten.” Der nüchterne Bericht, der ausgerechnet von jenem Alten abgeliefert wurde, der auf dem Weg ins Haus sein Missfallen über die bevorstehende Aufgabe ausgedrückt hatte, überraschte einige der übrigen Bediensteten. Wollte er den unsauberen Dienst möglichst schnell hinter sich haben? Travin nickte dem Graubart zum Dank zu. “Die di Asuriol sind dir - wieder einmal - zu Dank verpflichtet.” “Gibt es zum Hause Carson Ergänzungen…? Keine? Dann interessiert mich zunächst die geehrte Familie Tuchall. Was gibt es von deren Tafel zu berichten?” Daraufhin traten zwei Frauen vor. Die jüngere von beiden nestelte betreten an ihrem hochgeschobenen Hemdsärmel herum, während die erfahrenere sprach: “Signor Niando Tuachall war bleich vor Zorn, als der Barde sein Liedchen beendet hatte. Scheinbar war er vom Inhalt genauso überrascht jeder andere auch.” “Also war es wirklich ein Alleingang des Herrn ‘Goldklang’... Der versprochene “rondragefällige Lobgesang” war nicht einmal mit seiner familia abgespochen…” Travin wandte nachdenklich das Gesicht ab. “Das erspart mir einige unangenehme Fragen, die ich sonst den Tuachall hätte stellen müssen.” Nach einem kurzen Moment der Stille richtete er sich wieder auf. “Was gibt zum Haus ya Papilio zu sagen? Hat Signor Horasio etwas von Wert von sich gegeben?” Ein weiterer Veteran der Dienerschaft der die Asuriol trat daraufhin vor, die Hände hinter dem Rücken und in ein eilig glattgestrichenes Wams gekleidet. “Seine Begleiterin, ein Tier von Frau, hat sich stets nach vorne gedrängt und alles, was ihm aufgetischt wurde vorkosten wollen. Sie hat in jedem Sinn des Wortes die Leibwächterin gespielt. Signor Horasio selbst hat aber gut zugelangt und - “ Weiter kam der Mann nicht, denn er wurde von einem verhaltenen Lachen unterbrochen. Alle Blicke ruhten daraufhin auf Athaon di Asuriol. Der älteste Spross seiner Familie saß zurückgelehnt, sein rechter Arm lag léger über dem Parier seines Säbels, der an der Armlehne seines Faltschemels alla aureliana lehnte. Halbherzig seine Unschuld verkündend hatte er nun seine Hände erhoben, als er die wenig begeisterten Blicke seiner Schwester und seines Vaters sah. “Ich danke euch allen. Eure Ehrlichkeit wird geschätzt und auch belohnt. Wendet euch bezüglich dessen bitte an meine Kontoristin.”, Travin ergriff wieder das Wort. “Alle, außer dem Kellner für Haus ya Pirras, bitte ich, sich wieder an den Abbau der Zelte zu machen.” Bis auf den ausgesonderten Jüngling zeigte sich Erleichterung auf den Gesichtern. Die dienstälteren waren froh, ihre Kollegen wieder unterstützen zu können, während die jüngeren erleichtert waren, die Beklemmung des vollgestopften Zimmers hinter sich zu lassen. Als die Tür von außen geschlossen wurde, ergriff umgehend Aurelia das Wort: “Ich will genau wissen, was sich ereignet hat, bevor auf meiner Hochzeit die Niederhöllen losgebrochen sind. Was hat die Leibwächterin Signora Feodoras bewogen, vor dem versammelten Patriziat Shenilos ihr Messer an den Hals des geschätzten Signor Tamino zu halten?” “Nun… es… Also es war… Es ging so furchtbar schnell…” Der junge Mann wurde von einem scharfen Atemzug der jungen Dame, die ihn beinahe um einen Kopf überragte, zur Ordnung gerufen. “Konzentrier dich, und fang nochmal an. Am besten am Anfang.” “Signor Tamino schien mächtig begeistert von dem Barden, er hat laut gerufen und war scheinbar auch betrunken. Dann hat Signora Feodora versucht, ihn zu bändigen und dann wurde er furchtbar wütend. Sie solle ihm nicht sagen, was er zu tun hat, hatte er gesagt. Und darauf hat er dann die Hand gegen sie erhoben, das heißt, erheben wollen. Weil er dann das Eisen von Feodoras Trabantin am Hals gespürt hat. Das hat sein Gemüt schnell abgekühlt. Und dann standet auch Ihr, Signor Athaon, plötzlich da, und habt das ganze schnell beendet.” “Ich danke dir.” Travin, der sich während des Berichts des Dieners an eines der Bücherregale, gelehnt hatte, straffte sich wieder. “Wegen deiner Umstände habe ich veranlasst, dass dir zusätzlich zu deinem Lohn noch für eine Woche deiner Zeit zusätzlich ausbezahlt wird. Bitte, geh auch du nun wieder an die Arbeit. ” Als auch dieser letzte Diener den Raum verlassen hatte, wandte sich Travin zu Athaon um, und auch Aurelia blickte zu ihrem Bruder. “Möchtest du dich vielleicht erklären? Was hat dich in dieser Situation bewogen, mit dem Schwert in der Hand unseren Gästen zu drohen?” “Das Messer am Halse eines unserer Gäste.” Athaons Antwort brachte Aurelia schlussendlich zur Weißglut. Seine Dreistigkeit, über die Vorkosterin Horasio ya Papilios zu kichern wie ein Schulkind hatte sie bereits irritiert, doch seine Antwort, die jeder Nuance, jeder Kalkulation entbehrte brachte das Fass zum Überlaufen: “Und du glaubst, sie hätte tatsächlich vor versammelter Gesellschaft Taminos Hals durchgeschnitten? Und selbst wenn sie das getan hätte, wäre das ein Problem zwischen zwei Familien, denen du nicht angehörst. Deine Einmischung hatte keinerlei Vorteil für uns. Fang endlich an deinen Kopf zu benutzen!” Athaons Antwort kam postwendend: “Hättest du gewollt, dass deine Hochzeit mit diesem Jungspund als die ‘rote Hochzeit’, die ‘Messerhochzeit’ in der gemeinsamen Erinnerung der Bürger- und Patrizierschicht von Shenilo bleibt? Dass der Name di Asuriol für Generationen synonym wird mit der Verletzung des Gastrechts und unserer Pflichtverletzung als Gastgeber?” “Nein. Aber stattdessen ist meine Travienfeier jetzt die, auf der mein Bruder sich mit den Meistern der Rebleute geschlagen hat.” “Ich habe dir gesagt, dass ich -” “Genug, alle beide!” Travin unterbrach das Wortgefecht, dessen Lautstärke mit jedem gesprochenen Satz zugenommen hatte. “Sohn, geh nach draußen und lass für fünf Reiter Pferde, dein eigenes eingeschlossen, und für ein halbes dutzend Knechte einen Wagen richten. Du reitest noch heute. - Aurelia, wir müssen reden.”

Nachdem die Tür hinter Athaon, welcher auf dem Weg aus dem Zimmer keinerlei Anzeichen von Eile hatte erkennen lassen, ins Schloss gefallen war, sprach Travin erneut: “Diese Parzelle, die die ya Papilio dir persönlich geschenkt haben, sollte erschlossen werden. Wenn sich dort ein Weinberg anlegen lässt, sollten wir dort noch diesen Herbst junge Reben pflanzen. Je eher das geschieht, desto besser.” Aurelia war von dieser Wendung überrascht. Sie hatte mit einer Rüge wegen ihrer Passivität am letzten Abend gerechnet. Womöglich hätte sie den Verlauf der Ereignisse am ehesten beeinflussen können, war sie schließlich als Braut eine der beiden Personen gewesen, deren Wort bei der Travienfeier am meisten Gewicht haben sollte. Der Geschäftssinn ihres Vaters überraschte sie jedoch immer wieder. “Ist das der Grund, wieso mein Bruder in diesem Moment eine Corazza zusammenstellt? Um einen Weinberg zu erschließen? Hätte das nicht Zeit bis zum Winter, wenn die Ernte des folgenden Herbstes erledigt und in Fässern eingelagert ist? Wenn die Knechte und Mägde nicht ohnehin alle Hände voll mit der Pflege der Weinberge zu tun haben?” Aurelias Fragen ließen ein sanftes Lächeln auf Travins Gesicht erscheinen. “Ich bin froh, dass wenigstens du weiter denkst, als bis zum nächsten Schankhaus. Die Zeit in der Verwaltung des Kontors hat dir also gut getan. Clarizia scheint einen positiven Einfluss auf dich zu haben. Doch was die Dringlichkeit des Anliegens angeht, so hat mich das unüberlegte Handeln deines Bruders bewogen, einige Dinge neu zu bewerten: Dein Bruder ist im Herzen ein treuer Mann. Bedenkt man jedoch seine Natur und seine Ausbildung, kommt man unweigerlich zu der Schlusfolgerung, dass er im Herzen ein Soldat der familia ist, kein Anführer. Das bedeutet: Gib ihm eine Aufgabe, eine Schlacht zu schlagen oder eine Order auszuführen. Gibst du ihm nichts dergleichen, kommt er auf unsinnige Ideen, die mehr Schaden bringen als dass sie uns nutzen.” Aurelias Gesichtszüge, die ihr während der Antwort ihres Vaters entglitten waren, verhärteten sich plötzlich. “Soll das heißen, dass du deinen Erstgeborenen und rechtmäßigen Erben wie einen Diener, wie einen Knecht behandeln wirst? Wir wissen beide, dass das nicht Recht ist!” Obwohl Aurelia äußerlich nur eine leichte Anspannung der Gesichtsmuskulatur zeigte, konnte jeder, der sie kannte, in ihren Augen lesen, dass es in ihrem Inneren brodelte. Jeden geringeren als ihren eigenen Vater hätte sie vermutlich vor die Tür zerren lassen. Nur ihr Wissen um den Erfahrungsschatz Travins und ihr Respekt vor dessen kühlem Verstand hielten sie gerade im Zaum. “Du vergisst, mit wem du spricht, Tochter.” Auch Travins Miene verfinsterte sich plötzlich. War das etwa Enttäuschung in seinen Augen? “Niemals würde ich meinen eigenen Sohn derart erniedrigen. Er ist ein stolzer Sohn seiner Familie, und seine Treue steht außer Frage. Doch in seinem Denken ist er kein Anführer. Das war er noch nie. Seine Ehre liegt in der Pflicht. Gib ihm eine Aufgabe, und er wird sie ausführen. Gibst du ihm keine, bedeutet das, dass er seine Pflicht gegenüber der Familie nicht erfüllen kann, wodurch er unvermeidbar auf dumme Gedanken kommt und seine eigenen Schlachten suchen und finden wird. Und was mein Erbe angeht - dafür bleibt, so Boron will, wohl noch etwas Zeit. Ich habe nicht vor, mich vor der Zeit aus dem Geschäft zurückzuziehen.”