Malerwerkstätten

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Die Malerwerkstätten im Schilderquartier

Die Malerwerkstätten bilden das handwerkliche und künstlerische Zentrum des Schilderquartiers in Sewamund. Der verwinkelte Gebäudekomplex liegt zwischen dem Haus ter Groot, dem Schafhof und der Villa Trebenfurt am Osttor des Schilderquartiers und beherbergt Werkstätten von Malern, Freskanten, Fassmalern, Illuminatoren, Vergoldern und anderen Künstlern.

Die Werkstätten entstanden durch einen eigentlich unkoordinierten Zusammenschluss von Malern und Zeichnern, die in der Nähe ihrer beliebtesten Schafwiese, auf der sie gerne die Tiere malten, Räume brauchten, um Schiffsbemalung, Handelsschilder und Kaufmannszeichen in größeren Mengen zu gestalten. Neben diesem reinem Handwerk entstanden Ateliers, worin Künstler Porträts, Landschaften und religiöse Gemälde schufen. Patrizierfamilien wie Degano, Carenio, Kacheleen, Piastinza, Tribêc oder Vesselbek förderten die Malerei durch Aufträge. Heute arbeiten hier Handwerker und Künstler Tür an Tür, nicht immer ohne gegenseitige Sticheleien.

Die Malerwerkstätten bestehen aus einem Geviert traufständiger Backsteinhäuser, die sich um einen Innenhof gruppieren. Im Erdgeschoss befinden sich die Werkstätten. Durch große Fenster fällt viel Tageslicht auf Staffeleien, Werkbänke und Farbtische. In den oberen Stockwerken können Meister, Gesellen und Lehrlinge wohnen. Im Innenhof stehen Trockengestelle, an denen bemalte Schilder, Segelzeichen, Porträts und Holztafeln aushängen. Der Boden ist übersät mit Farbflecken, die sich über die Zeit und mit dem Regen zu einem mosaikartigen, verknoteten Muster verbunden haben. Eine Laube dient den Lehrlingen als gemeinsamer Zeichenplatz. Von dort hört man lebhafte Diskussionen darüber, ob eine Lilie nun sieben oder acht, ob ein Kleeblatt besser drei oder vier Blätter besitzen müsse.

Werkstätten für Schiffsnamen und Galionsfiguren sind her ebenso zu finden wie Schildermaler für Tavernen, Gasthäuser und Handelshäuser, Porträtmaler der Patrizier, Freskanten für Tempel und Palazzi, Vergolder und Fassmaler, Illuminatoren für Urkunden und Handschriften und Kartenmaler für nautische Seekarten. Auch die Holzschnitte für den Sewamunder Seewind werden häufig nach Vorzeichnungen aus den Malerwerkstätten angefertigt.

Im Turm an der Südseite, über dem Eingangsbogen, liegt die Farbküche. Hier werden Pigmente aus Erden, Mineralien, Pflanzen und Muscheln angerieben. Der Geruch nach Leinöl, Harz und Eiweiß gehört ebenso dazu wie das Klappern der Mörser. Begehrt ist sind Farbtöne wie Sewamunder Blau, das an das Wasser der Grangorer Bucht erinnert, und das Stordianrot, ein warmer Ziegelton.

Ein Brauch des Hauses besteht darin, dass sich die Maler am ersten Praiostag des Frühlings gegenseitig mit Farbresten bewerfen. Dabei handelt es sich angeblich um eine ritualisierte Reinigung des alten Jahres, endet aber damit, dass selbst die ehrwürdigsten Meister aussehen wie ihre Farbpaletten.

Volkes Stimme

„Wer in Sewamund keinen Maler kennt, hat nackte Wände.“
— Stadtweisheit

„Die Zimmerleute bauen die Stadt. Die Maler sorgen dafür, dass sie jemand ansehen möchte.“
Gastalde der Zimmerleute

„Ein guter Maler malt nicht nur Gesichter. Er malt Eitelkeiten.“
— unbekannter Porträtist

„Frag drei Maler nach derselben Farbe und du bekommst fünf Antworten.“
— Lehrlingsspruch

„Wenn ein Patrizier ein Porträt bestellt, beginnt der Künstler mit den Vorfahren.“
Piccinino