Briefspiel:Der Krieg der Sieben Winde
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Die Briefspielgeschichte Der Krieg der Sieben Winde handelt von den Ereignissen des erzwungenen Feldzugs Herzog Cusimo Garlischgrötz' in die Markgrafschaft Windhag und Oberphecadien im Rahmen des Kriegs zwischen Horas- und Mittelreich 1048 BF. Sie findet parallel zum Yaquirkrieg-Briefspiel statt – und richtet sich wie dieses an alle an einer gemeinsamen Ausgestaltung Interessierten.
Unter dem Banner des Herzogs


»Streiter Grangoriens! Männer und Frauen des Windhag! Getreue des Hauses Garlischgrötz!
Ich sehe vor mir die Banner stolzer Geschlechter, die Feldzeichen bewährter Veteranen und die Gesichter jener, die schon an unserer Seite standen, als das Reich in den Wirren des Thronfolgekrieges zu zerbrechen drohte. Manche von Euch haben vor Pertakis gefochten, andere die Pässe des Windhag gegen Räuber und Aufrührer gesichert. Viele haben ihr Blut vergossen, damit in unseren Landen wieder Recht und Ordnung herrschen mögen. Und alle habt Ihr einem Herrn die Treue geschworen, dessen Banner uns auch heute vereint: Comto Cusimo Garlischgrötz, Herzog von Grangorien, Graf von Phecadien und als Erbe einer alten Blutlinie Markgraf des Windhag!
Nun aber haben die Stürme der großen Politik unsere Küsten erreicht. Zwei Kaiser, zwei Reiche, zwei Kronen fordern Gehorsam, wo bislang Treue, Zusammenarbeit und guter Wille Frieden und Wohlstand ermöglichten. Unser Herzog hat beiden Kaisern gut gedient und beiden die ihnen gebührende Ehre erwiesen. Weil er um den Wert des Friedens weiß. Doch lässt uns dieser Konflikt keine Wahl, der vielfache Bruch der Friedensverträge durch das Mittelreich kann nicht ignoriert werden. Die Disziplinlosigkeit und Seeräuberei in der Flotte des Mittelreichs ebensowenig.
Mancher unter Euch mag sich fragen, ob es rechtens ist, gegen jene zu ziehen, die noch gestern unsere Nachbarn, unsere Handelspartner, vielleicht gar unsere Freunde waren. Ich sage Euch: Solcher Zweifel gereicht einem ehrenhaften Aventurier nicht zur Schande. Doch wenn die Entscheidung gefallen ist, muss der Zweifel dem Gehorsam weichen. Darum verlange ich Disziplin. Ich verlange Gehorsam. Ich verlange, dass jeder von Euch seinen Platz kennt und seine Pflicht erfüllt. Kein Schritt wird ohne Befehl getan, keine Stellung ohne Befehl verlassen und kein Schwert gegen Wehrlose erhoben. Wer plündert, wer seine Kameraden im Stich lässt oder durch törichten Übermut das Leben der ihm Anvertrauten gefährdet, der muss den Preis dafür zahlen. Denn die Ehre eines Heeres bemisst sich nicht allein an seinen Siegen, sondern ebenso daran, wie es diese erringt.
Ich verspreche Euch keine leichten Siege und keinen mühelosen Ruhm. Ich werde niemals leichtfertig Euer Blut vergießen. Doch wenn der Augenblick kommt, werde ich von Euch den Mut und die Entschlossenheit fordern, die unsere Feinde das Fürchten lehren!
So ordnet Eure Reihen und erhebt Eure Banner! Männer und Frauen, deren Treue nicht käuflich, deren Mut nicht erschütterlich und deren Gehorsam nicht verhandelbar ist!
Für unsere Heimat! Für unsere Ehre! Für Grangorien und den Windhag! Für Herzog Cusimo Garlischgrötz!
Und mögen die Zwölfe uns beistehen, wenn wir den Sturm bestehen müssen, den andere über uns heraufbeschworen haben!«
Comto Zandor von Nervuk, Baron von Nervuk, Statthalter von Phecadien und Condottiere der Goldenen Legion, in einer Ansprache an das herzogliche Heer vor dessen Aufbruch in den Windhag, Anfang Rondra 1048 BF
Die Kunde vom bevorstehenden Krieg hatte sich wie ein Lauffeuer im Horasreich verbreitet. Was zunächst als ferne Adelsfehde begonnen hatte, dessen Schauplätze in den Burgen und auf den Schlachtfeldern Garetiens lagen, war binnen weniger Monde zu einer Bedrohung geworden, die selbst an den Gestaden des Siebenwindigen Meeres niemand mehr ignorieren konnte.
Khadan II. Horas hatte dem Mittelreich den Krieg erklärt.
Für kaum einen anderen unter den Provinzherren des Horasreichs war diese Entscheidung von derart verhängnisvoller Tragweite wie für Herzog Cusimo Garlischgrötz. Als Herzog von Grangorien dem Horas verpflichtet, als Markgraf des Windhag hingegen Vasall der Garether Kaiserin Rohaja, hatte der betagte Herzog seit fast 20 Götterläufen gelernt, mit den Ansprüchen zweier Kronen zu leben. Was auf dem Pergament der Lehnsurkunden einen kaum auflösbaren Widerspruch darstellte, hatte Cusimo bislang mit jener Mischung aus persönlichem Charme, politischem Instinkt und unerschütterlicher Unbekümmertheit zu meistern verstanden, die seine Freunde bewunderten und seine Feinde zur Verzweiflung trieb.
Doch diesmal erwies sich selbst die Gewandtheit des Herzogs als unzureichend. Während Cusimo noch versuchte, seine Verpflichtungen gegeneinander abzuwägen und Zeit für eine diplomatische Lösung zu gewinnen, schuf der Horaskaiser vollendete Tatsachen. Vom Kaiser entsandte rückten in den Windhag ein, und dem Herzog blieb kaum eine andere Möglichkeit, als dem Ruf seines Horas zu folgen.
Viele seiner Getreuen empfanden diese Entwicklung als bitter. Nicht wenige unter ihnen hatten lange Jahre mit den Adelshäusern des Mittelreichs verkehrt, mit deren Vertretern Freundschaft geschlossen und durch Heiraten Bande geknüpft, die nun plötzlich zu politischen Fesseln zu werden drohten. Andere wiederum begrüßten die endlich geschaffene Klarheit und sahen den Augenblick gekommen, die Macht des Hauses Garlischgrötz im Westen dauerhaft zu festigen. Cusimo selbst mochte sich den Beginn seines sechsundsiebzigsten Lebensjahres anders vorgestellt haben.
Dass der Herzog ein Mann ungewöhnlicher Neigungen war, wusste schließlich jeder, der jemals an einem seiner rauschenden Hoffeste teilgenommen hatte. Seine Vorliebe für prunkvolle Auftritte, seinen Hang zu schönen Frauen und kostspieligen Vergnügungen oder seine mitunter sprunghaften Entscheidungen konnte niemand ernsthaft bestreiten. Doch gerade diese Eigenheiten hatten ihm unter seinen Vasallen und selbst beim einfachen Volk eine Beliebtheit verschafft, die manch einem weit gewissenhafteren Fürsten versagt blieb. Cusimo war gewiss kein Musterbild eines tugendhaften Staatsmannes. Aber er war ein Herr, dem viele aus Überzeugung und manche sogar aus Zuneigung folgten.
Und nun sollte dieser Mann, dessen Leben stets mehr von Festen, Fechtduellen und politischen Abenteuern als von düsterer Staatsräson geprägt gewesen war, plötzlich zum Gegenstand einer erbitterten Feindschaft zwischen zwei Reichen werden.
In dieser Stunde fiel es Zandor von Nervuk zu, die Streitkräfte des Herzogs zu sammeln und zu einem schlagkräftigen Heer zu formen. Der ergraute Condottiere, der schon während des horasischen Thronfolgekrieges seinen Ruf als ebenso umsichtiger wie strenger Feldherr begründet hatte, war für diese Aufgabe wie geschaffen. Seine Goldene Legion bildete den erfahrenen Kern eines Aufgebots, in dem sich herzogliche Garden, Lehnsaufgebote und angeworbene Söldner unter gemeinsamen Feldzeichen vereinten.
Nur eines war gewiss: Der Krieg, den Cusimo Garlischgrötz so lange zu vermeiden versucht hatte, war nicht länger abzuwenden.
Und als sich die Kolonnen der Phecadigarde und Goldenen Legion in Bewegung setzten, die Trommeln den Marsch schlugen und die schwarzweißen Banner des Hauses Garlischgrötz im Wind flatterten, folgten ihnen nicht allein die Schwerter und Lanzen der herzoglichen Getreuen.
Der Krieg der Sieben Winde hatte begonnen.