Archiv:Historia Phecadia (BB 38)

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Historia Phecadia
Ein Gelehrter erzählt die Geschichte Phecadiens
von Myrna Hasplinger

Farsid. „Historia Phecadia – die Lande zwischen Grangor und Elenvina von den dunkhlen Zeythen bis zur Gegenwart“ nennt sich das Werk, welches Magister Stordano Castrinolo von der Universität Methumis in Bälde präsentieren und der Herzogin Heldora Grimberta von Grangorien widmen will, um ihr mit diesem Werk gleichsam die alte mit der neuen Heimat zu verbinden.

Erste Auszüge aus diesem Werk, welches den grangorer Renassentia-Gedanken geradezu versinnbildlicht, trug der Gelehrte vor kurzem der Herzogin und ihrem Hofstaat sowie weiteren geladenen Gästen auch aus Grangor und Elenvina vor. Waren es doch insbesondere die herzoglichen und städtischen Archive in Grangor und Elenvina, welche – zwar teilweise lückenhaft und unvollständig – Licht in das Dunkel der phecadischen Vergangenheit brachten, diesen Landstrich zwischen den beiden Kaiserreichen, in dem sich in den letzten Jahrhunderten Fuchs und Hase gute Nacht sagten falls die Hänge von Windhag und Phecanowald nicht gerade von Schwerterklirren widerhallten.

Letzteres geschah (abgesehen von den Grenzkonflikten Graf Kalmans von Phecadien 10181021 BF) das letzte Mal vor knapp 300 Jahren, als in den Yaquirlanden der Unabhängigkeitskrieg tobte. Jedes Kind im Horasreich kennt die Geschichten der 100 Tage von Kuslik, den Dragonaden, dem Schicksal des Vigilantenheers Bosparan und dem Flug des Roten Drachen. Vergessen sei jedoch, dass auch zwischen Grangor – rebellisch und durch das Schicksal der Fünfhundert grausam bestraft – und Elenvina jahrelang ein versteckter Krieg stattfand. Für die geneigten Leser des Bosparanischen Blatts hier eine Zusammenfassung der am Vortrag anwesenden Korrespondentin:

„So schilderte Magister Castrinolo den atemlos lauschenden Hofdamen von einem hin- und hergerissenen Grafen Leomar Garlischgrötz welcher sich nicht gegen den Kaiser stellen konnte oder wollte und gleichzeitig nichts dagegen unternahm, dass durchziehende Kaiserliche Truppen durch Kontributionen und Einquartierungen seine Untertanen und Lehnsleute ausbluteten. Das Schicksal Grangors und die Macht des nahen Nordmärker Herzogs in Elenvina vor Augen liess im Phecadital eine offene Rebellion ohne Rückendeckung des Grafen nicht zu und überdies waren sich die Barone Phecadiens uneins: Der gläubige Berîc von Osthagen stand hinter dem Kaiser und der praiosgefälligen Ordnung, während Barmod von Phecadien heimlich Rebellengruppen im Phecadital zu organisieren begann.
Zwei Jahre lang ging alles gut, ehe die Rebellen in eine Falle der Kaiserlichen tappten. Nach dem letzten Gefecht auf dem Luntfeld gingen Burg und Dorf der Barone von Phecadien in Flammen auf, Überlebende flüchteten in die Wälder und Höhen des Phecanowalds. Der Kaiser im fernen Gareth ächtete kurz darauf den flüchtenden Baron Barmod und gliederte dessen Lehen als kaiserliche Baronie seiner eigenen Provinz Almada an. Die Steine der Burg wurden nach dem Krieg für den Bau der Feste Eslamsberge und für den Strassenbau verwendet, heute wisse niemand mehr wo sich ein Ort Luntfeld überhaupt befunden habe. Ob ein Zusammenhang mit dem gleichnamigen Patriziergeschlecht aus Sewamund besteht, bedarf der weiteren Forschung.
Überhaupt seien die Grangorer Aufzeichnungen in diesen Jahren unvollständig und lückenhaft, gerade was den Grafen und seine Entscheidungen anging. Dieser liess sich 750 BF vom zukünftigen König Khadan von Vinsalt gegen Zusicherung der Grafschaft Bomed auf die Seite der Aufständischen ziehen, musste jedoch noch im selben Jahr aus Grangor vor kaiserlichen Truppen nach Sewamund fliehen. Bei Kriegsende befanden sich Grangor und sämtliche Ländereien der Garlischgrötz mit Ausnahme der Baronie Sewamund in den Händen der Kaiserlichen, so dass Bomed für Herzog Leomar bestenfalls ein Ersatz für die verlorenen Ländereien im Tal des Grossen Flusses, im Windhag und in Phecadien bedeutete, keinesfalls jedoch der erhoffte Zugewinn. Der unglückliche Baron Barmod von Phecadien dagegen wurde in den Archiven und Chroniken nicht mehr erwähnt. Legenden zufolge soll er jedoch als gebrochener Mann seinen Lebensabend auf einem Rittergut irgendwo im Phecanowald verbracht haben.“

FZ