Archiv:Erbstreit um Mendolo di Punta entfacht politische Wogen (BB 48)

Aus Liebliches-Feld.net
Zur Navigation springenZur Suche springen
Erbstreit um Mendolo di Punta entfacht politische Wogen
Hesindia Torrem beansprucht Besitz und Ansehen
von
Lucanio di Barento, Farsid-Korrespondent

Farsid, Rahja 1046 BF. Mit unverhüllter Dreistigkeit und im vollen Ornat erschien am 3. Rahja eine Delegation aus dem Hause Torrem vor dem Hohen Herzogengericht von Farsid, um einen Anspruch geltend zu machen, der das Potenzial hat, die Adelslandschaft zwischen Yaquirbruch und Sewamund nachhaltig zu erschüttern.
Die Klägerin: Hesindia Torrem, Tochter des Hauses Torrem und Schwester der Brückenfürstin Perainia Phalaxana XXV. Torrem, stellt sich als rechtmäßige Ehefrau des unlängst verstorbenen Mendolo di Punta dar.

Die Ehe, die nach damaliger Kenntnis annulliert wurde, da sie nie vollzogen worden sei, sei in Wahrheit wohl doch vollzogen worden. Als Beweis brachte die Klägerin ein offenbar sorgsam konserviertes Leinentuch vor, das laut Aussage von Zeugen mit dem Blute der Hochzeitsnacht befleckt sein soll.
Zusätzlich zur Besitzforderung für sich selbst präsentierte Hesindia einen jungen Mann namens Silem Hesindio, der als "gemeinsamer Sohn der Ehe" vorgestellt wurde. Der Knabe – offenbar im Heilig-Ascanio-Konvent zu Trimara erzogen – wirkt kognitiv unauffällig, lässt jedoch laut Gerichtsschranzengesprächen auf einen gewissen Mangel an ästhetischer Anmutung schließen.
Die Klägerin erklärte dazu: „Werter Rat, schaut Euch doch Mendolos andere Tochter Lukretia an – es liegt klar auf der Hand, woher die Fratze kommt.“ Ein Eklat bahnt sich an, denn in einem verschlossenen Schreiben aus Toricum wird angedeutet, dass die wahre Ursache für die fehlende Vollziehung nicht bei Mendolo lag, sondern auf einem inzestuösen Verhältnis zwischen Hesindia und ihrem Bruder, dem verstorbenen Silem Torrem, beruhte.

Die Existenz des Sohnes wäre demnach Ergebnis dieser Verbindung, was juristisch wie moralisch brisant ist.
Das Haus Torrem wies diese „verleumderischen Gerüchte“ aufs Schärfste zurück und ließ verlauten, „man werde gegen jene Kreise, die die Heiligkeit der familia Torrem mit Schlamm zu bewerfen suchten, in geeigneter Form vorgehen.“

Mehrere weitere Erbprätendentinnen, darunter eine ehemalige Rahjadienerin aus Neetha sowie eine Schneiderstochter aus Belhanka, meldeten sich ebenfalls vor Gericht, jeweils begleitet von einem Knaben oder Mädchen „aus der Linie Mendolos“.
Gleichzeitig hat die Stadt Sewamund durch ihren Advokaten Amaldo di Piastinza beantragt, den Nachlass Mendolos einzuziehen. Man beruft sich auf einen Fall von Plünderung im Zuge der Wirren von 1034 BF, für die Mendolo nie Wiedergutmachung geleistet habe.
Ein Sprecher des Herzogs erklärte gegenüber dem Bosparanischen Blatt, das man derzeit „keinen Grund zur Eile sehe“, jedoch „allein die Vielzahl der Anspruchstellerinnen dem Fall eine neue öffentliche Relevanz verleihe, die sorgfältiger Prüfung bedarf.“
Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. In Farsid munkelt man bereits, dass ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden könnte – und dass diese Affäre erst der Auftakt zu einer größeren Krise innerhalb der torremschen Dynastie sein könnte.

GE