Lania Luntfeld
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Als zweitältestes Kind und älteste Tochter ihres Vaters hatte Lania immer ein besonderes Verhältnis zu ihrem Vater Beppo Luntfeld. Dieser sparte Lania
lange Jahre für einen gewinnbringenden, prestigeträchtigen Traviabund auf, während sie in der väterlichen Schreibstube ihre geschäftlichen Sporen
abverdiente. Als sie stattdessen den einfachen Armbruster-Meister Ingrimmion Redo kennen- und lieben lernte, lehnte der Vater die Verbindung zunächst
brüsk ab. Kurze Zeit später - nachdem ihn der Galan seiner Tochter durch Fleiss und Sparsamkeit in einem überdies zukunftsträchtigen Handwerk überzeugt
hatte, überlegte es sich Beppo anders und gab der Verbindung seinen Segen. Lanias Mitgift ermöglichte Redo-Roglom allmählich den Sprung vom Handwerksbetrieb
zur Manufaktur für Belagerungsgeschütze.
Nach Beppos überraschendem Tod Ende 1019 stieg sie erwartungsgemäss, doch trotzdem unvorbereitet aus der Schreibstube der Manufaktur ihres Gatten auf den
Matriarchenthron einer der reichsten Familien Sewamunds auf. Nachdem sie den Familienvorsitz gegen die Ansprüche ihres Onkels Bosper Luntfeld verteidigt
hatte, hatte Lania die nächsten Jahre alle Hände voll zu tun um das sinkende Luntfeld-Schiff auf Kurs zu halten, da Beppo bis zuletzt niemanden in seine
geschäftlichen Karten (oder Bücher oder Korrespondenz) hatte schauen lassen. Rückhalt und Unterstützung der Familie ermöglichten Lania den Rückzug aus dem
Geldgeschäft, das nach dem Tod des phexbegnadeten Beppo nur noch Verluste verbuchte. Stattdessen wandte sich die Familie in der Renaissance Luntfeldis
wieder vermehrt dem Abbau und Handel des Phecanowaldes - Holz, Erz und Baugestein - zu. Unter der Leitung ihrer Schwiegertochter Gylpurnia Eolana Kanbassa
kommt dem Geld- und Kreditwesen heute nur noch eine untergeordnete Rolle zu.
Die politischen Umwälzungen der Nupercanti-Krise und des Thronfolge-Kriegs boten Lania auch die Gelegenheit zu politischem Aufstieg. Zusammen mit
Holdur Degano und Leonardo Cortesinio bildete sie nämlich 1028/29 die Speerspitze beim Anspruch des stadt-sewamunder Patriziats an der
Machtbeteiligung im Lilienrat. Nicht dass der Landadel eine grosse Wahl gehabt hätte: Geschickter Einsatz von finanziellen und materiellen Ressourcen sowie
direkte Beteiligungen an politischen und militärischen Manövern der Patrizier liessen dem finanzilel ausgebluteten Land-Niederadel keine andere Wahl.
Seidem ist allerdings eine Menge Wasser den Sewak hinuntergeflossen und immer noch dauern die Verhandlungen an.
Egal ob in der Schreibstube oder bei der Holztrift, auch mit über fünfzig Götterläufen ist sich die Matriarchin nicht zu schade, gelegentlich selber mit
Hand anzulegen, wenn Not an der Frau ist. Im Gegensatz zu ihrem Vater, der alles und jeden kontrollieren wollte, überlässt sie das Holzgeschäft weitgehend
ihren Geschwistern und ihrer Schwägerin und handelt nur noch die allerwichtigsten Verträge selber aus. Dasselbe gilt für das zweite wichtige wirtschaftliche
Standbein der Familie Luntfeld, die Waffenmanufaktur Redo-Roglom, die allerdings laut Ehevertrag allein ihrem Ehemann gehört und
erst mit dessen Tod - was die Götter verhüten mögen - in den Besitz der Familie übergeht.
Somit hat Lania die Gelegenheit, sich ausgiebig mit strategischen Fragen des Fernhandels sowie der Politik zu beschäftigen - aber auch mit Entscheidungen
zur Zukunft der Familie: Die meisten jungen Frauen und Männer der Familie Luntfeld sind immer noch unverheiratet, ein Grund mehr für Lania, in den Familien
des nahen und fernen Patriziats nach geeigneten Kandidaten und Kandidatinnen für strategische Traviabünde zu suchen.
Im Geschäftsalltag pflegt Lania das Bild der rücksichtslosen und ehrgeizigen Handelsherrin, während sie sich in Tat und Wahrheit liebevoll um ihre Familie
und um ihre Angestellten kümmert. So mancher Sewamunder wäre erstaunt, die herrische Patrizierin an einem sonnigen Praiostagnachmittag mit vorgebundener
Schürze hingebungsvoll ihren Gemüsegarten pflegen zu sehen.
Typische Zitate
- "Und ich sage 17 Heller und keinen Kreuzer mehr, sonst könnte ihr es in Grangor versuchen!"
- "Das wären dann 200 Dukaten zu einem jährlichen Zins von 10 Dukaten oder 5 Säcken Hafer, euer Hochgeboren!"
- "Was hältst du von dem jungen Steenbrook? Wäre der nicht etwas für unsere Bospranya?" (neulich auf einem Empfang in Grangor zu ihrem Gatten)

