Archiv:Streit im Geheymen Rat (BB 24)

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Streit im Geheymen Rat
Duell zwischen Seneschall und Oberststallmeister?
von Felician Fuxbauer

BOMED. Der Redaktion des Yaquirblicks wurden aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen Informationen über den Verlauf eines merkwürdigen Schauspiels in der Grafenstadt Bomed zugetragen. Hauptsächlich darin verwickelt waren Baronet Horasio von Veliris-Marvinko als Oberststallmeister der Grafschaft und Baronet Rinaldo Sirensteen, Seneschall am gräflichen Hofe. Der Vorhang zum ersten Akt öffnete sich Ende des Efferdmondes, als Baronet Horasio einen gewissen almadanischen Condottiere, mit Namen Arkos Rondriguez, empfing. Jener hatte sich vor einiger Zeit in das Horasiat begeben und hatte im Sinne in und um Bomed herum waffenfähiges Volk zu werben um nun ins Söldnergeschäft einzusteigen.
Das Werben von solcherart Leuten jedoch bedarf der Zustimmung der Gräfin, die in solchen Punkten ihrem Geheymen Rat vertraut. Und in jenem Rat ist eben der Oberststallmeister nicht nur Kommandant der Bomeder Buntröcke, sondern auch in allen anderen Punkten für rondrianische Angelegenheiten zuständig.
Mit dem Condottiere war sich der Baronet bald einig, man setzte eine Condotta auf, welche der Baronet bei nächster Möglichkeit Rat und Gräfin vorlegen wollte. In jenem Vertrag erlaubte man dem Almadaner in der Landgrafschaft einhundert Mercenarios sowie deren zehn Offiziere zu werben. Wie seit Königin Kusmara üblich, hätten auch sie den Eid auf die Fahne des Königreiches zu schwören. Der Eid solle Ende Boron bei Unterfels abgenommen werden.
Außerdem sollte die neue Truppe von der Gräfin in Sold genommen werden, um im östlichen Teil der Krondomäne Schradok den Räuberhauptmann Schwarzbart zu jagen. Die weiteren Details, wie zugelassene Bewaffnung, Sold und zusätzliche »Rüstgelder« konnte die Redaktion nicht in Erfahrung bringen.
Wie besprochen, legte der Baronet bei der nächsten Sitzung des Geheymen Rates – man zählte den 6. Praioslauf des Mondes Travia – Vertrag und alle notwendigen Unterlagen der Gräfin vor. Jene lauschte aufmerksam den Worten ihres Oberststallmeisters, der ihr in seinem Amt bisher ausgezeichnete Dienste geleistet hatte, bis Baronet Horasio lautstark unterbrochen wurde.
Baronet Rinaldo Sirensteen, Seneschall des gräflichen Hofes und bekanntermaßen Konkurrent des Oberststallmeisters im Rat, hatte das Wort ergriffen und war aufgesprungen. Wild wetterte er gegen den Vertrag, der seiner Ansicht nach nicht das grangorer Büttenpapier wert sei, auf den er geschrieben wäre.
Schließlich sei es nicht Aufgabe gräflicher Mercenarios den Schwarzbart zu jagen, da hierfür die örtlichen Signori zuständig seien. Und zu denen gehöre auch Baronet Horasio, der ja über die Signorie Kullbach gebietet und auf diese Weise nur versuche sein Amt als Oberststallmeister auszunutzen um seine Pflichten als Signor zu umgehen.
Da sprang auch Baronet Horasio auf und schimpfte auf den Sirensteener ein, das einem Hören und Sehen verging. Wenn Baronet Rinaldo nicht vorsichtiger sei mit solchen Beschuldigungen, werde er Bekanntschaft mit dem Stahl seines Rapiers machen.
Doch der Seneschall, selbst ein begnadeter Fechter vor Rondras Antlitz, ließ sich durch diese Drohung nicht einschüchtern. »Mit dieser Ungeheuerlichkeit ist es noch nicht genug,« fuhr er fort, »denn jener Condottiere Rondriguez ist ein im Königreich Almada gesuchter Landesverräter.«
Da war es Baronet Horasio zu viel geworden und er warf den Handschuh vor die Füße des Sirensteeners, der die Herausforderung ohne mit der Wimper zu zucken annahm.
»Meine Herren!« donnerte endlich die Gräfin. »Solcherlei Verhalten in meinem Rat kann ich nicht dulden!« Erst da wurde es stiller und die beiden Baronets setzten sich wieder auf ihre Plätze. »Ich hoffe doch sehr, ihr werdet auf dieses törichte Duell verzichten.« Der Oberststallmeister schüttelte den Kopf. »Es ist mir Pflicht und Wunsch meine hier verletzte Ehre wiederherzustellen.« Mit Blick auf seinen Kontrahenten: »Wie es die Tradition hier in Bomed ist, werde ich morgen zur zweiten Rondrastunde auf euch am bekannten Ort warten – es ist eure Entscheidung ob ihr kommen werdet.«
Beim Baronet Rinaldo aber hatten die Worte der Gräfin scheinbar besser gewirkt. Er blickte nachdenklich zu Boden und entgegnete dem Oberststallmeister nichts mehr.
Nur kurze Zeit nach Ende der Ratssitzung hatte sich das Wissen um das Duell der beiden Baronets in der ganzen Grafenstadt herumgesprochen und bot jedem ein neues und willkommenes Gesprächsthema.
So gespannt war man auf den Ausgang des Duells, dass die Entscheidung der Gräfin zu dem Vertrag mit dem Condottiere kaum jemanden bekannt wurde. Die Gräfin nämlich hatte sich gegen die Vorschläge ihres Oberststallmeisters entschieden, dem Condottiere wurde nur erlaubt die besagte Zahl an Waffenvolk in der Grafschaft zu werben und mit diesem vor Unterfels zu lagern, wo Baronet Horasio ihnen den Eid auf die königliche Fahne abnehmen werde. Sold sollte der Almadaner jedoch nicht von der Gräfin erwarten, außerdem sei sie froh, wenn er schon bald ihre lande verlassen würde – im Yaquirbrucher Lande würden jedoch noch Mercenarios gesucht.
Zurück zum Duell. Dieses bot nicht nur Gesprächsstoff, sondern war auch Anlass zu mindestens einer Gasthausprügelei. Dazu bot der umtriebige Don Flavio Wetten auf den Sieger an und jene zeigten ein interessantes Bild. Denn auf beide Combattanten wurde die gleiche Zahl an Dukaten gesetzt. Wen wundert’s? Gelten doch ausgerechnet jene zwei Streithähne als die größten Fechtmeister der Landstadt.
Zur zweiten Rondrastunde des darauffolgenden Tages also erwartete Baronet Horasio mitsamt seines Sekundanten, Esquirio Jolion von Lunar-Marvinko, und dem Geweihten der donnernden Leuin den Baronet Rinaldo Sirensteen in den Sümpfen südlich des bregelsaumschen Wasserschlosses.
Kein Mensch und Tier, abgesehen von einem mutigen Reiher, hatte sich hierher verirrt. Dies war jedoch nicht dem Zufall zuzuschreiben, sondern vielmehr den Bomeder Buntröcken, welchen ihr Kommandant ausdrücklich befohlen hatte Schaulustige am Betreten der Sümpfe zu hindern.
Zwei Stunden später kehrte Baronet Horasio zurück in die Stadt, unversehrt am ganzen Leib und nirgendwo gezeichnet von einem Duell. Entweder, so sagte man sich, habe er glorreich obsiegt oder Baronet Rinaldo habe nicht den Mut aufgebracht zu erscheinen. Doch der Oberststallmeister blieb jede Antwort schuldig und verließ kurzerhand mit einem kleinen Gefolge der Buntröcke die Stadt Richtung Unterfels.
Nun wurde endlich auch bekannt, dass Baronet Rinaldo ebenfalls die Stadt verlassen habe, vermutlich über den Yaquir um Burg Irendor zu erreichen. Da die Abreise des Seneschalls gänzlich unerkannt vor sich ging, mutmaßten die meisten Bürgersleut, dass sich der Sirensteener in der Nacht vor dem Duell davon gestohlen habe.
Auf die Versuche des Yaquirblicks mit einem der Beteiligten ein Gespräch zu arrangieren, reagierte bisher niemand. Wir werden allerdings weiter versuchen unsere Leser auf dem Laufenden zu halten.

FF