Briefspiel:Im Auge des Chaos/1. Praios bis zur Senatswahl

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Kaum waren die namenlosen Tage überwunden, hielten sich die Efferdier nicht lange mit dem Lecken der Wunden auf. Es gab viel zu tun, Verletzte waren zu versorgen, Tote zu bestatten, die Spuren der Kämpfe und des Terrors der Rondrikan-Löwen mussten beseitigt, die Straßesperren abgebaut und die zerstörten Häuser wieder aufgebaut werden.
Die Parven-o-mar das Totenschiff des Tempels vom güldenen Dreizack zu Efferdas würde viele Male hinausfahren müssen um alle Toten dem Meer zu übergeben.
An diesem 1. Praios des Jahres 1045 BF war eigentlich niemandem nach Feiern, es war mehr der Stolz die Freiheit von Stadt und Republik gerettet zu haben und der Trotz den überlebenden Umstürzlern nicht die Genugtuung zu geben auf die Lichterprozession zum Osttor vor Sonnenaufgang und später am Tag auf eine, wenn auch nur kleine Feier zur Gründung der Republik Efferdas zu verzichten.

Zu diesem Zeitpunkt hielt auch Nevinia Ventargento ihre, schon vorher durch Einladungen an verschiedene Wohlgesinnte, angekündigte Rede. Viele dutzend Menschen auf einem Platz, in einer brennenden Stadt. Gesichter, die zu einem Auge aufsahen und mehr als eine Hundertschaft Herzen, die für den Götterfürsten schlagen würden. Zu Beginn hatte Nevinia sich Sorgen gemacht, das die Versammlung aufgelöst werden würde, doch dann war ihr klar geworden, das Praios selbst das nicht zugelassen hätte. "Bürger, Handwerker, Adelige, ihr seid Matrosen, Händler und Senatoren, aber ihr seid keine Randalierer, keine Plünderer. Ihr habt nicht an Rebellion gedacht als Wahnsinn diese Stadt ergriff, in diesen bösesten Tagen des letzten Jahres und dafür lächelt Praios auf euch." Nevinia schritt ihre Bühne aus Fässern herunter und erhob ihre, in vielen Jahren Ausbildung und Weihe geübte und geschulte Stimme erneut. "Doch viele machen das nicht und deshalb verseucht Verrat Efferdas. Aber wie ist so etwas möglich? Wie konnte das geschehen? Weil einige Geweihte sich angemaßt haben Aufgaben an sich zu reißen, die ihnen nicht zustehenden!" In diesem Moment bemerkte die Praiotin an der Reaktion der Leute in der ersten Reihe, das sie zu weit gegangen war und begann sofort mit Schadensbegrenzung. "Aber sie hatten Gründe, die dies rechtfertigten." Sie war zwar anderer Meinung, aber dies war Efferdas und niemand beleidigte hier die Efferdkirche. "Denn wer hätte sie sonst übernehmen sollen? Es gab niemanden sonst. Doch so jemanden hätte es aber geben sollen und ihr seht wo es hin geführt hat" Ein Deutung auf die Brennenden Gebäude und Rauchfahnen. "Doch ich, Donator Lumini Nevinia Ventargento, wede mit Eurer Hilfe nicht zulassen, das es noch schlimmer wird, denn kein Haus sollte brennen, kein Laden geplündert und kein Unschldiger erschlagen werden. Diese Stadt ist im Chaos gefangen wie ein Schiff im Sturm" Diese Metapher nutzte Nevinia mit Absicht, da fast jeder auf diesem Platz das schon einmal erlebt hatte und jeder andere jemanden kannte dem soetwas schon geschehen war.
"Was braucht dann ein Schiff im Auge des Sturms?" Der Mann in der letzten Reihe, den sie zuvor instruiert hatte, rief seinen Satz: "Einen Leutchtturm!" "Genau," schloss sie an, bevor jemand zu ihm umdrehen konnte. "Ein leitendes Licht. Was also braucht unsere Stadt die im Auge des Chaos schwimmt? Einen Turm der Ordnung, einen Ort des Lichts, einen Tempel des Praios. Kommt also wir machen uns auf und erbauen unseren Turm als Leuchtfeuer der Stabilität wieder auf." Jetzt ließ Nevinia ihren Mantel fallen und ein goldener Glanz überzog sie "Auf zum Leuchtturm." Sie stieß ihre Faust in die Luft. "Für Efferdas! Für den Senat! Für Praios!"
Nicht nur schrie sie diese Worte fast, sondern ein helles Licht strahlte von ihrer Hand ab, so daß ihre Worte von einer Welle aus Licht begleitet wurden. Diese Darbietung sorgte selbst bei den Senatoren und Adeligen, die selbst schon solche Reden gehalten hatten, für ehrlichen Jubel. Nevinia wusste, das sie sie nicht für lange beeindrucken würde und das sie überhaupt nur hier waren, weil sie in ihrer Einladung erwähnt hatte, dass ein wieder aufgebauter Leuchtturm Efferdas zu einem einfacheren und somit häufigeren Anlaufziel für Schiffe machen würde. Sie würden jeden Vorteil nötig haben, wenn Sewamunds Freihandelshafen fertig gestellt war. Die Praiotin in ihr war davon abgestoßen auf solche Überzeugungsmittel zurückgreifen zu müssen, sah aber ein, dass ein Leuchtturm, dessen guter Zustand im Sinne jeder großen Familie war, auf keinen Fall etwas Ablehnenswertes wäre. Dazu kam, dass die vielen anderen Leute hier dafür sorgen, dass die Senatoren keine Möglichkeit mehr hatten den Turm ohne einen Praiostempel oder zumindest Schrein wieder auf zu bauen.

Serafanos Thirindar war an diesem Tag unter wüsten Beschimpfungen und Flüchen von einer zwanzig Mann starken Eskorte der urbasischen Pikeniere unter der Führung der Condottiera Ovarka Vanzoli in den Hafen gebracht worden. Aber zum Glück blieb es bei Worte, die dem inzwischen wohl meistgehassten Mann der Stadt hinterher geworfen wurden.
Im Hafen angekommen wurde der gescheiterte Usurpator direkt auf die einmastige Schaluppe, Efferdtreu gebracht, die ihn auf die Gefängnisinsel überführte. In Ermangelung der sonst üblichen, schiffseigenen Gardisten führen sechs Pikeniere mit.
Noch am selben Tag holte die Einheit auf Geheiß, der noch immer von den Strapazen und Entbehrungen der Gefangenschaft gezeichneten Senatoren, die letzte Überlebende der Familie d'Oro, Violetta d'Oro aus der Stadtvilla der Familie und geleitete sie ebenfalls zum Hafen und dann auf die Gefängnisinsel. Die Inhaftierung Violettas hatte zwei Gründe, zum Einen galt es zu klären inwieweit sie an dem Umsturzversuch beteiligt war und zum Anderen zu ihrem eigenen Schutz, den die Bevölkerung hatte in den vergangenen Götternamen schwer unter ihren Brüdern Giacomo und Rondrigo zu leiden gehabt und entsprechend groß war der Hass in vielen Efferdiern auf die gesamte Familie d’Oro.
Dass die Bedenken der Senatoren begründet waren, zeigte sich noch in der selben Nacht, als ein wütender Mob die Stadtvilla stürmte, plünderte und in Brand steckte.
Doch gab es auch Positives, Cavalliere Tarquinio della Pena zeigte Fingerspitzengefühl und ließ seine Truppen weiterhin vor der Stadt lagern. Seine Pikeniere kamen nur in kleinen Trupps in die Stadt, wenn sie im Auftrag des Senats die Stadtgarde ersetzten.
Das Wichtigste aber war, dass der alte Senat die Neuwahl des Senats verkündete.
Als Wahltag wurde der 2. Efferd festgelegt.
Während die Patrizierfamilien damit beschäftigt waren zu bestimmen, wer aus ihren Reihen kandidieren sollte, verbanden die übrigen Einwohner Efferdas’ große Hoffnung mit der bevorstehenden Neuwahl.
Vieles war in den vergangenen Götterläufen versäumt worden, falsche Entscheidungen hatten die Republik und die Stadt viel Geld gekostet. Zum Schluss konnte gar die Stadtwache und das Militär nicht mehr bezahlt werden, was dazu führte, dass die Männer und Frauen ihre Wappenröcke auszogen und ihre Waffen niederlegten. Dies machte den Aufstieg des Serafanos Thirindar und seiner Mitverschwörer erst möglich.
Die Efferdierinnen und Efferdier hofften, dass neue Gesichter und frische Geister in den Senat gewählt würden, damit endlich in der Stadt wieder bessere Zeiten anbrechen konnten.
Die Kandidaten mussten je 100 Horasdor Kandidatensteuer aufbringen, was der Schatzkammer der Republik und der Stadtkasse gut tun würde.
Wie immer waren die üblichen Verdächtigen unter den Wahlkämpfern. Namen wie ya Pirras, di Malavista, Vinarii oder Gerber überraschten niemanden mehr, aber es gab Ausnahmen, Ventargento, di Solano, Pecuna oder Gravelli waren erstmalig auf der Kandidatenliste zu lesen und ein Name überraschte ganz besonders, Alrik Binder, der Held des Delphinocco, der sich im Widerstand gegen den Usurpator auch als Anführer und tapferer Streiter hervorgetan hatte. Ein Bürgerlicher, ein Popolo, wo bei den Zwölfen mochte ein einfacher Bürger die horrende Kandidatensteuer aufgetrieben haben?
Tatsächlich hatte ein Großteil der Bewohner aus den Stadtteilen Sanct Parvenus, Hafen, Quarto Novo und Alter Markt zusammengelegt. Es gibt sogar Gerüchte wonach Alrik Binder Gönner in so mancher Patrizierfamilien haben soll, die wohl nicht unerheblich zur Erlangung der Kandidatensteuer beigetragen haben dürften.
Bemerkenswert ist die Kandidatur eines Popolo vor allem unter den Aspekt, dass die Entrichtung der Steuer keineswegs garantierte auch einen Platz im Senat zu erhalten und die, die nicht in den Senat gewählt werden, erhalten auch keinen Kreuzer zurück, die 100 Horasdor sind weg.
Ebenfalls ein Novum war, dass sich alle Senatoren des alten Senats ohne Diskussion einig waren, dass sie in den beiden Götternamen bis der neue Senat gewählt war lediglich die Verwaltung von Republik und Stadt übernehmen wollten und keine Gesetze mehr beschließen oder weitreichende Beschlüsse fassen wollten.
Der 3. Praios war dem Heiligen Badilak geweiht, doch da, der hohen Arbeitslosigkeit und der Terrorherrschaft von Thirindar und d’Oro geschuldet, in weiten Teilen der Stadt große Not herrschte, war zur Zeit an jedem Tag Heilig Badilak und wieder zeigten die Efferdier auch hier großen Zusammenhalt und halfen einander wo sie konnten.
Auf die alljährliche Flottenparade am 10. Rondra mit Salutschüssen der Geschütze von Flotte und Festung wurde allerdings in diesem Jahr verzichtet. Zumal auch kaum Matrosen und Soldaten zur Verfügung gestanden hätten, um die Schiffe und die Geschütze der Festung ausreichend zu besetzen.
Am 27. Rondra, dem Gedenken der Vertreibung Fuldigors, ließ es sich die städtische Jugend nicht nehmen, die traditionelle Jagd auf ein selbstgebasteltes Untier durch die Stadt zu veranstalten. Trotz der Entbehrungen wollte man nicht auf alles verzichten.
Schließlich wurde am 1. Efferd der Tag des Wassers begangen, ein hoher Feiertag mit einer großen Prozession unter Führung der Efferdpriesterschaft, bei der eine Fischskulptur durch alle Viertel der Stadt getragen wird und die Fischerboote und die Färbebottiche gesegnet werden.
In diesem Jahr bekamen die Efferdier ein besonderes Zeichen der Hoffnung, denn in der Bucht von Efferdas erschienen die heiligen weißen Delphine seit langem wieder.
Am Abend wurde gefeiert und mancherorts gar bis in den frühen Morgen hinein.
Endlich war es soweit, der 2. Efferd, der Wahltag war endlich angebrochen.
Die Wahlbeteiligung war außergewöhnlich hoch und so dauerte die Auszählung der Stimmen dieses Mal länger als gedacht.
Deshalb konnte die Liste mit den Namen der neuen Senatoren erst zur Praiosstunde des 3. Efferd ausgehangen und öffentlich Verkündet werden.

Alrik Binder
Croënar di Camaro
Cordovan di Malavista
Silem di Solano
Carolus Gerber
Daria Legari
Horasianne Varducchio
Abelmir Ventargento
Hesindio Vinarii
Ebius von Efferdas
Juban XXIII. Thion von Enderhân
Valerio ya Pirras

Wir beglückwünschen die neuen Senatoren zu ihrem offensichtlich großen Rückhalt in der Bevölkerung.
Mögen die Zwölfe ihnen Weisheit und Kraft geben, stets das Beste für unsere schöne Republik zu tun.
Die Einwohner der ganzen Republik, aber besonders die der Stadt Efferdas, setzen große Hoffnungen und noch größere Erwartungen in den neuen Senat.
Besser sie werden nicht enttäuscht!