Briefspiel:Mythraelsturnier/Gekränkter Stolz

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Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 17.-22. Rahja 1042 BF Schauplatz: Urbet, insbesondere Turnierfeld und Tafelbergfestung Entstehungszeitraum: Herbst 2019 / Frühjahr 2020
Protagonisten: viele Cavallieri aus dem Horasreich, dazu einer aus den Nordmarken und eine Almadanerin Autoren/Beteiligte: Athanasius, Calven, Cordovan, Dajin, Dellatrezzi, di Onerdi, Djamilla, Elanor, Gishtan re Kust, Gonfaloniere, Horasio, Luntfeld, OrsinoCarson, Pagol, Rondrastein, Schatzkanzler, Schreyen, Toshy, VivionaYaPirras, León de Vivar
Zyklus: Übersicht · Eröffnung · Regeln · Tjost · Einhandwaffen · Zweihandwaffen · Schildstechen · Wagenrennen · Buhurt · Ein unwahrscheinlicher Sieg · Ein zauberhafter Teilnehmer · Erste Schritte · Gekränkter Stolz ·

Über Nacht genesen



Gekränkter Stolz

Autoren: VivionaYaPirras, Gishtan re Kust

Erdano ließ sich gerade von der Medica eine Wunde am Oberarm behandeln, als sein Knappe in sein Zelt gestürmt kam. Schwer atmend versuchte er Worte zu fassen, aber es kam nur ein Schnaufen.
"Atme tief durch und komme erst einmal zur Ruhe, bevor du versuchst etwas von dir zu geben. Sonst sitzen wir noch heute Abend hier", sagte Erdano und deutete ihm an sich zu setzen.
Es dauerte etwas bis er sich beruhigt hatte, aber um so schneller schossen dann die Worte aus ihm. "Capitan a. D. Timor Sâl di Salsavûr hat eure Forderung abgelehnt Kommandant."
Erdano versteifte sich. Die Medica schaute kurz auf und schimpfte. "Haltet gefälligst still Kommandant, sonst bleibt etwas Hässliches zurück und gebt mir dann gefälligst nicht die Schuld."
Nachdenklich fragte Erdano nach. "Was meinst du warum, Junge? Hast du irgendwelche Gerüchte aufgeschnappt?"
"Derer gibt es viele Kommandant. Ihr seid das erste Mal auf einem Turney und daher auf diesem Feld recht unbekannt. Oder eure Herkunft kann auch ein Grund sein. Wegen der Republik und so. Ebenso eure Verbundenheit mit dem Haus Efferdas. Euer Rang. Man sagt aber auch, es wäre Taktik und dass er lieber bis zu den finalen Kämpfen warten möchte." Er unterstützte seine Aussagen mit einem kräftigen Nicken.
Nachdenklich legte Erdano seine Stirn in Falten. "Seid ihr fertig?", fragte er in Richtung der Medica. Diese grummelte kurz, aber nickte auch. Erdano stand auf, zog seine Uniform an, richtete diese noch einmal und schaute zu seinem Knappen. "Laß uns gehen. Es wird Zeit sich einen Namen zu machen und ich benötige noch einen neuen Duellanten." Mit diesen Worten verließ er strammen Schrittes sein Zelt.


Die weniger wohlhabenden Teilnehmer hatten sich keine Unterkunft in einer der Herbergen oder Adelspalazzi Urbets geleistet, sondern ihre Zelte unweit des eigentlichen Turnierfelds aufgebaut. Weit abgelegen am Rand, noch hinter dem kleinen Lagergeviert der Sheniloer, stand ein einst schwarzes, von der Sonne längst grau gebleichtes Zelt, das einem nordmärkischen Turnierritter gehörte, von dem Erdano schon manches vernommen hatte. Jetzt also war Gelegenheit, diesem Koromar von Liobas Zell zu begegnen.
Bis vor einer Weile sei der Nordmärker Schwertvater Poldorons von Urbet gewesen, hatte Erdano gehört. Dessen Vater Panthino sei von dem landlosen Streiter einst so beeindruckt gewesen, dass er den inzwischen zum Mann gereiften Jungen damals in Koromars Obhut gegeben habe. Für diesen mussten die Jahre bei dem fahrenden Ritter eine entbehrungsreiche Zeit gewesen sein, überlegte ya Pirras, während er vor das Zelt trat. Reich war der Nordmärker durch seine vielen Turnierteilnahmen offensichtlich nicht geworden.
Der Harnisch auf dem Strohkerl vor dem Zelt war zwar von robuster Fertigung, zeigte aber an vielen ausgebesserten Stellen, dass der Ritter keinem Zweikampf aus dem Weg ging, doch nicht das Geld besaß, seine Wehr von teuren Meistern erneuern zu lassen. Selbst der Schild, der mit Schwert und Lanze an einem Pfahl daneben befestigt war, zeigte Anzeichen dafür, dass er notdürftig repariert und mit Ölfarbe neu bemalt worden war. Ein springender, goldener Hirsch auf schwarzem Grund.
Über einem Lagerfeuer köchelte Eintopf vor sich hin. Doch vergebens hielt Erdano nach einem Knappen oder Pagen Ausschau, der ihn dem Ritter hätte ankündigen können. Es wäre nun das Richtige gewesen, mit dem Pailos den Schild zu berühren, um Koromar von der Hirschenau als nächsten Gegner zu wählen. Doch wie sollte er diese förmliche Förderung vollziehen, wenn niemand zugegen war?
Das Klirren eines Kettenhemds offenbarte ihm im nächsten Moment, dass der Bewohner des Zelts ihn bemerkt hatte. Eine behandschuhte Hand schob den Vorhang zur Seite und aus dem Schatten trat ein Mann in den 40ern ins Freie, wohl ebenso groß war wie Erdano selbst: “Nun?”, musterte er den Besucher.

Erdano musterte ihn ebenso. Ein Mann in seinem Alter, ähnlich gebaut, wenn nicht sogar etwas drahtiger, was wohl auch auf die Schwere seiner Rüstung zurückzuführen war. Er straffte sich, darauf achtend dass die Wappen der Familie und der [[Republik Efferdas] auf seiner Uniform gut zu erkennen waren: "Erdano ya Pirras, Kommandeur des Chintûrer Banners von Efferdas", sagte er mit fester Stimme und nickte seinem Gegenüber als Begrüßung zu. Danach deutete er auf den Jungen neben sich, der abwechselnd mit einem Ausdruck von Erstaunen erst den Ritter, dann seinen Herrn, dann wieder den Ritter und wieder seinen Herrn anschaute. "Mein Knappe.". Danach er räusperte sich, was den Jungen dazu veranlasste sofort damit aufzuhören.

Die Stimme Koromars war wie seine Erscheinung: Dunkel, aber nicht unfreundlich: “Koromar Leuenhardt von Liobas Zell heißt man mich, den Ritter auf der Hirschenau. Einst diente ich in der Leibgarde des strengen, aber gerechten Herzogs Jast Gorsam vom Großen Fluss. Es freut mich, Euch kennenzulernen, Esquirio Erdano."

"Euer Ruf eilt Euch voraus. Koromar Leuenhardt von Liobas Zell, Ritter auf der Hirschenau. und er ist sehr beeindruckend. Auch reizt mich das Unbekannte, denn weder hatte ich bisher das Vergnügen mit Euch oder mit jemanden aus den Nordmarken zu tun zu haben, daher…", Erdano senkte die Klinge seines Pailos auf das Wappenschild des Ritters, "... fordere ich Euch auf das Feld der Ehre, um in einem den Herrin Rondra gefälligen Zweikampf die Klinge mit mir zu kreuzen."

Der Ritter trat hinter seinen Schild, nahm ihn mit einer oft exerzierten Bewegungsfolge von der Stange und streifte ihn als Anerkennung der Würdigkeit dieser Forderung über den linken Arm, indes ohne die Lederriemen daran festzuzurren: “Es ehrt mich, dass Ihr mich fordert, Wohlgeboren. Am heutigen Mittag werde ich Euch vor Rondra und den adeligen Zuschauern entgegentreten. Ich nehme Eure Forderung an. Als Trutzer habe ich die Wahl der Waffe und wähle das Schwert zu anderthalb Händen. Euch jedoch stelle ich frei, Eure Waffe selbst zu wählen, auf dass Euch kein Nachteil aus einer ungewohnten Kampfweise entstehe."

Erdano nickte und erwiderte: "Die Ehre ist ganz auf meiner Seite Euer Wohlgeboren und da Ihr mir die Wahl lasst, nehme ich meinen Pailos." Erdano schaute demonstrativ hoch zu der Klinge seiner Waffe. "Ich freue mich auf einen guten Kampf, der Herrin Rondra zur Ehre." Danach nahm Erdano Haltung an, entbot einen militärischen Gruß, drehte sich um und entfernte sich.

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