Briefspiel:Mythraelsturnier/Über Nacht genesen

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Gonfaloniere (Diskussion | Beiträge)
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Aktuelle Version vom 10:39, 17. Mai 2020

Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 17.-22. Rahja 1042 BF Schauplatz: Urbet, insbesondere Turnierfeld und Tafelbergfestung Entstehungszeitraum: Herbst 2019 / Frühjahr 2020
Protagonisten: viele Cavallieri aus dem Horasreich, dazu einer aus den Nordmarken und eine Almadanerin Autoren/Beteiligte: Athanasius, Calven, Cordovan, Dajin, Dellatrezzi, di Onerdi, Djamilla, Elanor, Gishtan re Kust, Gonfaloniere, Horasio, Luntfeld, OrsinoCarson, Pagol, Rondrastein, Schatzkanzler, Schreyen, Toshy, VivionaYaPirras
Zyklus: Übersicht · Eröffnung · Regeln · Tjost · Einhandwaffen · Zweihandwaffen · Schildstechen · Wagenrennen · Buhurt · Ein unwahrscheinlicher Sieg · Ein zauberhafter Teilnehmer · Erste Schritte · Über Nacht genesen


Über Nacht genesen

Autor: Gonfaloniere

„Du – gerade du – musst mir nicht sagen, was richtig ist und was nicht!“
In der Stimme der Cavalliera lag eine Schärfe, die der Geweihte so an ihr noch nicht kennengelernt hatte. Schon überlegte er, ob er nicht besser kehrt machen sollte, bevor er ihr gegenüber trat. Denn diese Worte hatten nicht ihm gegolten.
„Wohlan, Base …“, erklang aus dem Turnierzelt eine deutlich tiefere Stimme, die gerade das letztere Wort trotzig zu betonen schien, „… dann entscheide selbst über dein Unglück.“ Abrupt wurde das Tuch, das den Blick ins Innere gerade noch verdeckte, zur Seite geschlagen. Barian, der schon physisch eindrucksvollste Krieger seines Hauses, stürmte heraus und rannte Auricanius beinahe über den Haufen. Er musterte den Geweihten kurz abschätzend, rief dann aber nur ins Zelt hinein: Aurelia, dein Verlobter lässt sich blicken … vielleicht kann er dir mehr Verstand einschärfen.“ Kopfschüttelnd zog er danach von dannen.

Auricanius blieb für einen Moment wie erstarrt stehen, gab dann ein deutlich vernehmbares Räuspern von sich.
„Cavalliera, erlaubt ihr, dass ich eintrete?“ Er brachte das Anliegen fast schüchtern vor.
Die Antwort ließ einige Augenblicke auf sich warten: „Ich erlaube es … weil es wohl unschicklich wäre, es nicht zu tun …“
Der zweite Teil der Antwort ließ Auricanius‘ Zweifel an seiner Entscheidung zum Besuch der Verlobten weiter wachsen. Er schob den Vorhang, den Barian ihm gerade schon entgegen geschleudert hatte, aber schließlich beiseite und trat ein. Was er dann sah, verschlug ihm zunächst die Sprache.
„Oh, entschuldigt, wenn das nicht der Anblick ist, den ihr euch von eurer Verlobten erhofft habt“, begrüßte ihn Aurelia kalt. „Aber ich habe gerade andere Probleme als mich für euch in hübsche Gewänder zu hüllen.“
Die Cavalliera saß auf einer Truhe, nur zum Teil in ihre wattierte Unterkleidung gehüllt. Das rechte Bein war bis zum Oberschenkel entblößt und dabei ebendort von einem solch gewaltigen blau-purpurnen Fleck verunstaltet, dass Auricanius sich fragte, wie sie überhaupt noch bei Bewusstsein sein konnte. Aurelia nestelte an einem Verband herum, ohne dass auf Anhieb klar war, ob sie ihn gerade an- oder abzulegen versuchte.
„Habt ihr euch das schon gegen Nevinia zugezogen?“ Die Betonung der Frage des Geweihten machte deutlich, wie ungläubig er war … und zugleich wie sehr er missbilligte, dass die Cavalliera danach zu weiteren Kämpfen angetreten war.
Sie sah kurz zu ihm auf, nickte dann aber nur.
„Ich lasse in der Festung ein Gemach für euch herrichten, damit ihr adäquat behandelt werden könnt.“ Auricanius versuchte dies bestimmt klingen zu lassen, auch wenn ihm klar war, dass es kaum mehr als ein Vorschlag sein konnte.
„Danke … aber ich lehne ab.“ Aurelia sah diesmal nicht einmal zu ihm auf.
„Ihr werdet so vor Schmerzen nicht einmal schlafen können“, brachte der Geweihte noch immer ungläubig hervor.
„Mein … Vetter … holt einen Medicus. Wir werden sehen.“ Dabei nestelte die Cavalliera weiter verkrampft an ihrem steifen Bein herum.
„Lasst mich euch wenigstens jetzt helfen.“ Es war mehr eine Bitte als eine Aufforderung. Und doch trat der Geweihte endlich zu seiner Verlobten vor, ging in die Hocke und griff nach einem lose herunter hängenden Ende des Verbands.
„Ihr“, presste Aurelia scharf nur dieses einzige Wort hervor, bevor sie ihm plötzlich ganz nah in die Augen sah. Es wahr ehrliche Sorge, die sie darin sah. Nicht die Distanziertheit, Befremdlichkeit, ja sogar Überheblichkeit, die sie in der Vergangenheit so oft ausgemacht zu haben glaubte. „Ihr“, setzte sie mit sanfterer Stimme erneut an …

„… erlaubt euch möglicherweise zuviel.“ Eine dritte Person vervollständigte Aurelias Satz, bevor sie es selbst konnte.
Als sich Auricanius umdrehte, sah er die Frau, eine weitere Verwandte seiner Verlobten, wenn er sich nicht täuschte, im Zelteingang stehen. Selbstbewusst. In ihrem dunklen Seidenkleid zugleich ein Stück weit düster. Als ihre schwarzen Augen die seinen trafen, schienen sie für einen Herzschlag herausfordernd aufzublitzen. Dieser Eindruck verflog sofort wieder. Stattdessen glättete die Frau ihre Kleidung und dabei scheinbar ihr ganzes Auftreten, tat einen Schritt zur Seite und ließ eine weitere Person, einen buckligen, älteren Mann, offensichtlich ein Heiler, eintreten.
Laodomia, ich wusste gar nicht, dass du auch in Urbet bist“, begrüßte Aurelia ihre Cousine sichtlich überrascht.


Auricanius wusste sofort, dass er verschlafen hatte, als ihn am nächsten Morgen erst spät ein Rabenkrächzen hochschreckte. Er hatte am Vorabend noch lange über seinen Besuch bei Aurelia gegrübelt. Trotzdem war dies für ihn als notorischen Frühaufsteher ungewöhnlich.
Seine Verlobte sah er danach erst beim Aufritt der Tjoster im Gestech wieder – geschmeidig im Sattel ihres Schlachtrosses sitzend, als hätte es ihre Verletzung vom Vortag nie gegeben …

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