Traviano von Urbet-Marvinko/Vita

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Die Vita des Traviano von Urbet-Marvinko ist die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Sprosses einer Nebenlinie des horasischen Hochadels - und die einer für einige Jahre zentralen Figur des liebfeldischen Briefspiels.

Jugend

Jugendporträt des Signorino von Urbet

Traviano war das älteste von sechs Kindern Yasmina von Urbet-Marvinkos und ihres Gatten Gardelan di Tamarasco sowie Enkel der zum Zeitpunkt seiner Geburt am 12. Phex 1004 BF noch amtierenden Gransignora Mythraela von Urbet-Marvinko. Er wurde von seiner Mutter vor allen jüngeren Geschwistern zu ihrem Lieblingskind erkoren und wuchs entsprechend behütet im Castello della Torres über der Residenzstadt Urbet auf, auch wenn er von der infolge des Todes der Großmutter schwierigen politischen Situation seines Hauses früh etwas mitbekam.

Seine Mutter Yasmina hatte sich sowohl mit den Erzherrschern als auch den Grafen vom Sikram überworfen, die ihr daher die Wahl zur Gransignora in seltener Einmütigkeit verwehrten - und ihr zunächst den ritterlichen Troyan von Ayrn, später gar die nur kommissarische Nita della Tegalliani vorzogen. Umso aufopferungsvoller widmete sie sich dafür der Erziehung ihrer Kinder und ließ ihnen am Hof zu Urbet eine exzellente Privatausbildung durch angesehene Lehrmeister zuteil werden. Die traditionelle Knappschaft des Erbfolgers am Grafenhof zu Silas blieb Traviano hingegen aufgrund des Zwists verwehrt. Allein zum beinahe gleichaltrigen Signorino Reon Croenar ya Torese knüpfte er trotz der Differenzen mit Arivor freundschaftliche Bande.

Die Interessen Travianos lagen von Beginn an vor allem im Bereich der Politik und Staatskunst, die er als wichtigste Instrumente zur Überwindung missgünstiger Widersacher, die gerade seiner geliebten Mutter so schwer zu schaffen machten, zu schätzen lernte. Doch auch die schönen Künste oder etwa alte Heldensagen fesselten den jungen Erbfolger, während er vielen Wissenschaften nur unstetes, bisweilen aufflammendes und bald darauf wieder erlöschendes Interesse entgegenzubringen vermochte. Bereits beim Duelltod des Vaters 1014 BF wurde deutlich, dass es Traviano mit emotionalen Beziehungen ähnlich ging: Außer seiner Mutter schenkte er fast keinem anderen Menschen wirklich innige Liebe und wandte sich oft ebenso schnell von einem ab, wie er einen ins Herz geschlossen hatte.

Tod der Mutter und Wahl zum Gransignore

Umso härter traf ihn dann jedoch der Tod der Mutter am 14. Boron 1026 BF, nachdem diese vor Gram über das verwehrte Landherrenamt (sie sollte die erste Signora Urbets werden, die nicht auch Gransignora wurde) bereits ein halbes Jahr dahinsiechte. Beinahe zwei Wochen zog sich der trauernde Erb-Signorino in seine Gemächer zurück, verwehrte der kommissarischen und aufgrund des Gegensatzes mit der Mutter verhassten Landherrin Nita della Tegalliani den Treueeid und ließ schließlich seiner Schwester Odina von Urbet-Marvinko bei der Besetzung des durch den Tod der Mutter vakant gewordenen Amts der Hofcanzellaria der Domäne Urbet den Vortritt. Selbst über einen Erbverzicht zugunsten seiner Schwester wurde in dieser Zeit gemunkelt.

Doch dann schien sich der junge Erbe wieder gefangen zu haben und eroberte voller Trotz binnen weniger Tage all das, was seiner Mutter zeitlebens verwehrt geblieben war. Die in Arivor und Silas nach dem Tod der missliebigen Signora eilends anberaumte Landherrenwahl zur Ersetzung der kommischarischen Amtsinhaberin Nita am 4. Hesinde kürte den tags zuvor zum Signore erhobenen Traviano zum neuen Gransignore der Domäne - als Kandidat der Grafenfraktion und Widersacher seines Jugendfreunds Reon Croenar, der mittlerweile auch Signore geworden war. Auf dem Kronkonvent zwei Wochen später behauptete er zudem das Amt eines Hohen Schöffen des Lieblichen Feldes, das vor ihm seine Mutter innehatte - dabei war eine derartige direkte Nachfolge keineswegs üblich.

Ländereien der Urbet-Marvinko
im Laufe der Zeit

Ländereien im Boron 1026 BF (eigene Signorie Urbet rot; verwaltetes Grafenland Torrini orange)

Ländereien im Tsa 1027 BF (eigene Signorien und kommissarisch verwaltetes Sikramara rot; Rest der Domäne Urbet orange)

Ländereien im Phex 1028 BF (eigene Signorien rot; restliche Domäne und beherrschtes Umland Urbasis orange)

Zwei Monate währte die faktische Herrschaft über die Domäne Clameth (grau), die auch später als Protektorat beansprucht wurde.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht beansprucht Traviano mit dem Fürstentum Urbasi (orange) und weiteren Ländereien (grau) ein gewaltiges Territorium inmitten des Reiches für sich.

Bauernaufstände und Torremundzwist

Dennoch blieben Zweifel am Durchsetzungsvermögen und der politischen Stärke des jungen Landherrn zunächst bestehen - zumal dieser das erste halbe Jahr seiner Herrschaft relativ unspektakulär zum Ausgleich des bei seiner Wahl aufgekommenen Gegensatzes mit der Arivorer Partei nutzte. Anfang 1027 BF stand ihm dann jedoch seine erste Bewährungsprobe ins Haus: Im Süden der Domäne Urbet brachen an der Torre und vor allem in der traditionell unruhigen Signorie Gerrich Bauernaufstände aus, denen auch seine Tante Bellarahja di Tamarasco, gräfliche Verwalterin Cindanos, zum Opfer fiel. Traviano nutzte diese Gelegenheit indes, seinen eingeschlagenen Weg des Ausgleichs mit den "Arivorern" in der Domäne zu festigen und zog mit den von Reon Croenar angeführten Ardariten zur Niederschlagung der Revolten aus.

Als Anstifter des ungewöhnlich häufig wieder aufflammenden Aufruhrs machte er schließlich das rivalisiernde Haus Torrem und insbesondere Signore Drago Ariando Torrem in Torremund aus. Eine Provokation, die er nicht lange unbeantwortet ließ: Im Boronmond ließ er das halbe Aufgebot seiner Domäne vor der östlichen (ohnehin am 'urbetischen' Ufer errichteten) Stadthälfte aufmarschieren und die Herausgabe der Anstifter der Bauernaufstände fordern, nur um überraschend selbst mit der anderen Hälfte seines Aufgebots in die entblößte 'efferdische' Weststadt einzufallen. Im so entfachten Torremundzwist kam ihm zudem die anfängliche Uneinigkeit der Häuser Torrem und Efferdas zugute. Ersteres willigte rasch in einen Austausch der Stadtteile ein und erhoffte sich Unterstützung im Kampf gegen die eigene Baronin - ein Schritt, zu dem Traviano allerdings noch nicht bereit war. So wandten sich die Torrems unter Familienoberhaupt Reon Torrem im Verrat der Brandnacht von Torremund doch wieder gegen Urbet und lösten einen mehrwöchigen Kleinkrieg an der Torre aus.

Traviano selbst hatte das Kommando in der eroberten Stadt dabei seinem Hofconstabler Drago III. di Salsavûr überlassen, da er selbst währenddessen in Silas die vakant gewordene Signorie Cindano, das alte Hausgut seiner Familie, vom Grafen Croenar von Marvinko überlassen bekam und sich zudem den Hausorden der Lutisaner zu verpflichten begann. Als Drago selbst infolge der Brandnacht nun fiel, kam es zum Eklat mit dem Haus di Salsavûr: Romualdo di Salsavûr erschlug im Duell Zodian von Urbet-Marvinko, einen Verwandten des Gransignors und gräflichen Verwalter der Signorie Torrini, wofür Traviano ihn im Gegenzug von seiner Verwaltertätigkeit in der Horasdomäne Sikramara zurückzutreten zwang.

So kontrollierte er - durch eigene Herrschaft (in Urbet, Cindano und Torrini), die seiner Schwester Odina (in Ayrn) oder kommissarische Verwaltung (in Sikramara) - ab Ende Firun, nur ein gutes Jahr nach seiner Herrschaftsübernahme, bereits mehr als die Hälfte der Domäne Urbet auch direkt (und nicht nur als Landherr). Im Tsa beteiligte sich Traviano zudem an der Gründung der Loge vom goldenen Strome beider Yaquirien und verabredete noch währenddessen die Vermählung seiner aufsässigen zweiten Schwester Yandriga mit dem Logenbruder Gualdo di Dalias y Gurnabán, die im Ingerimm dann vollzogen wurde. Seine bei dieser Entscheidung übergangene Schwester wechselte danach jedoch nie wieder ein Wort mit ihrem Bruder.

Meisterinformationen: Ursachen des Torremundzwistes

Die Urheberschaft der Torrems mit Blick auf die Bauernunruhen im Urbetischen war eine diplomatische Fiktion, um ein Vorgehen gegen Torremund begründen zu können.

Sikramara-Affäre und Eroberung Urbasis

Das kommissarisch verwaltete Sikramara gelangte am 20. Rahja 1027 BF zu Berühmtheit, als Traviano es im Zuge der von ihm selbst angestoßenen Arivorischen Tombola kurzerhand verschenkte - an Alarion ya Ranfaran. Die Verlosung der Güter der Horasdomäne wurde durch eine Vermischung mit landherrlichen Ländereien zwar kaschiert, löste bis Anfang Praios 1028 BF aber dennoch einen Sturm der Entrüstung gerade unter den südaldyrischen Nachbarn aus. Comto Ulmessan von Urbasi-Agendayo aus der direkt benachbarten Silberstadt formulierte eine Anklage, die er vor das Krongericht in Vinsalt brachte und baute dabei auf Beweise, die die urbetische Signora Usvina Traviara Berlînghan gesammelt hatte.

Ulmessan von Urbasi-Agendayo, Widersacher Travianos

Dass er einer Intrige Travianos dabei in die Karten spielte, ahnte er nicht: Der Gransignore hatte erst einige Wochen zuvor den Condottiere Uolbo Valpoza angeworben, der Urbasi zur Monatsmitte als "herrenloser Söldnerführer" kurzerhand besetzte. Der Tod Amene-Horas' kurz darauf erleichterte das Vorhaben Travianos noch dazu. Auf dem Krönungskonvent Mitte Rondra erschienen erstmals Vertreter der Stadt Urbasi, die um eine Befreiung von der Söldnerherrschaft baten - "notfalls" auch durch einen anderen als ihren eigentlichen Stadtherrn Ulmessan. Dies wurde jedoch zum einen natürlich von der Krönung Königin Aldares und zum Ende des Konvents von einem Eklat zwischen Urbet-Marvinko und Torrems überschattet, der beide Häuser vorzeitig aus dem Theater ausziehen ließ. Der junge Amando Barabeo von Streitebeck regte gar den Ausschluss Travianos aus dem Konvent an, bis er sich für sein "respektloses Verhalten" entschuldigt hätte - tatsächlich blieb er allen weiteren Versammlungen von nun an aber fern ...

In Urbasi hingegen hatte der Gransignore längst auch neben Valpoza heimliche Verbündete gefunden, darunter den Manufakturbesitzer Amaldo Balestriano, im Umland Alessandero dell'Arbiato, den Ratgeber Signora Usvina Traviaras, und musste nur noch darauf warten, dass sich Ulmessan in Rückeroberungsversuchen gegen die Collaribianci-Söldner verausgabte. Eine falsche Empfehlung Alessanderos ließ zudem die Bewaffneten seiner Signora ins Verderben rennen und haftete ihr selbst dabei den Vorwurf des Verrats an, während er die Beweise in der Sikramara-Affäre für Traviano beseitigte. Mit dem nahenden Winter fand die Verschwörung im Boron dann ihren Abschluss, als Alessandero als Emissär des Erzherrschers mit Traviano, Valpoza und Balestriano ein Abkommen traf, dass die Söldner aus Urbasi abziehen und den urbetischen Gransignore zum neuen Stadtherrn aufsteigen ließ.

Zur selben Zeit nutzte das Haus Torrem im Süden die Abwesenheit marvinkischer Truppen (Travianos standen vor Urbasi, Graf Croenars in Erwartung des galahanistischen Angriffs auf Vinsalt vor Sibur) zur Besetzung der Signorie Trimara, scheute jedoch im Winter den weiteren Konflikt und suchte durch die Vermählung der Zweitgeborenen Perainia Torrem mit Travianos Bruder Rondralio von Urbet-Marvinko überraschend erneut den Schulterschluss. Traviano selbst hielt sich dadurch den Rücken für weitere Eroberungen im Umland Urbasis frei und schlug im Tsa infolge des Kriegs in der Urbasiglia erneut gegen das Haus d'Auspizzi (dem Comto Ulmessan angehörte) los - mittlerweile auch von weiteren Adligen wie Leomar Romualdo della Pena, Tarquinio della Pena und Romejan di Tamarasco unterstützt.

Heirat mit Preciosa und Eingreifen in den Thronfolgekrieg

Preciosa d'Auspizzi, Gemahlin Travianos

Während seine Alliierten das Umland der Stadt selbst eroberten, griff der Landherr das abgelegene Castello Mortecervi in Silvaniesco an und nahm die Signora Fiona d'Auspizzi sowie ihre Tochter Preciosa gefangen, Ur- und Ururgroßnichten des Königs Therengar Firdayon. Die vom Haus Vistelli bereits Monate zuvor verlassene (und völlig ausgebeutete) Signorie Montarena besetzte er dabei gleich mit. Als keine drei Wochen später alles Auspizzi-Land bis zum Bosparansforst, zur Stadt Sibur und zum Mardilo erobert war, setzte Traviano dem Feldzug durch die prachtvolle Vermählung mit Preciosa am 14. Phex 1028 BF in Urbasi selbst ein Ende. Das auch im Umland Vinsalts verbreitete Haus d'Auspizzi spaltete sich in Unterstützer und Feinde des Gransignors.

Dass die - erzwungene, wie es hieß - Heirat mit der Auspizzi-Tochter, die Traviano auch die Signorie Silvaniesco einbrachte, noch weit höheren Zielen dienen könnte, wurde rasch vermutet. Die noch relativ nahe Verwandtschaft Preciosas mit dem Kaiserhaus gewann vor dem Hintergrund des laufenden Thronfolgekriegs zusätzliche Bedeutung. Zumal Traviano sich noch am Tag nach der Vermählung zur Prätendentin Aldare Firdayon bekannte und in der Folge vor allem die Nebenlinie Firdayon-Bethana bekämpfte. Zunächst galt es aber dem Ruf des Erzherrschers zu folgen, der zum Landtag nach Arivor und anschließend zur Befreiung der Domäne Clameth aus der Hand der Galahanisten lud. Während sich der Provinzherr selbst mit den Ardariten gegen Harderin, die Heimat des galahanistischen Gransignors Ulim Marciero wandte, zog Traviano mit dem Erz-Seneschall Famelorio gen Clameth.

Die Eroberung von Clameth in der Nacht vom 30. Phex auf den 1. Peraine sah dabei den Verrat des selbst mit den Galahanisten verwandten Erz-Seneschalls, gelang aber letztlich aufgrund des rücksichtslosen Vorgehens der Urbasier gegen die letzten Besatzer der Stadt. Den in Sichtweite des timoristischen Pertakis gelegenen Ort erkor Traviano sodann zum Ausgangspunkt seines eigenen Kampfes gegen die konkurrierende Partei, setzte den Alliierten Orsino Carson eigenmächtig als neuen Gransignore ein und begründete dadurch die zwei Monate währende Herrschaft der zwei Gransignores am südlichen Yaquirufer - überließ aber zugleich dem Mitte Peraine aus der Baronie Aldyra dazustoßenden Marchese Nitor della Tegalliani (dem Vater seiner verhassten Vorgängerin Nita) den Oberbefehl über alle Truppen der Aldarener.

An der Seite des erfahrenen Feldherrn siegte Traviano am 27. Peraine in der Ersten Schlacht von Pertakis, in der er die ihm unterstellten Geschütze vor allem auf die Prinzen von Firdayon-Bethana schießen ließ. Den blutüberströmten Plattenpanzer der toten Rondriga nahm er nach der Schlacht als Trophäe an sich. Die folgenden Angriffe der Aldarener über den Hochwasser führenden Yaquir schlugen allerdings fehl, so auch ein vom Condottiere Randulfio Aurandis zurückgeschlagener Versuch Travianos von Gilforn nach Côntris. Seine Herrschaft in Clameth verlor durch das Eintreffen weiterer hochrangiger Aldarener - darunter Graf Croenar von Marvinko - immer mehr an Bedeutung und endete schließlich mit der Niederlage in der Schlacht an der Kreuzung von Castarosa am 25. und 26. Ingerimm. Vom frühen Zurückweichen des verwandten Grafen überrascht, gelang Traviano dabei nur noch unter großen Opfern (auch seines Vetters Gonzalo) selbst der Rückzug.

Bruch mit Croenar und Bewährung als eigener Feldherr

Die Enttäuschung über den Grafen wurde in den folgenden Wochen noch dadurch verstärkt, dass dieser sich ausgerechnet in der Domäne Urbet festbiss und die Ländereien Travianos in Scharmützeln mit den timoristischen Verfolgern unter Ludiron di Yaladan verheerte. Der Gransignore selbst hob in Urbasi indes ein neues Heer aus, das er nun aber nicht mehr zur Befreiung des Verwandten aus der wachsenden Umklammerung durch die Timoristen (zu denen sich auch die Signora Daria von Cerellion, eine Base des in Clameth gefallenen Famelorio gesellte) 'verschwenden' wollte. Beim Durchbruch von Urbasi am 22. Praios 1029 blieb dies daher einem Stoßtrupp unter den Magiern Alessandero dell'Arbiato und Drakon di Gorfar überlassen, bevor Traviano in den sogenannten Neun Schlachten von Urbet endlich zur Rückeroberung seiner Domäne ansetzte.

Graf Croenar von Marvinko, zunächst Förderer und später Feind Travianos

Noch am Abend nach dem Durchbruch (und der ersten der 'Neun Schlachten') kündigte der Gransignore dem Grafen bei dessen Empfang im Palazzo Magistrale öffentlich die Gefolgschaft auf. Eine Demütigung, die das Verhältnis unumkehrbar zerrüttete, jedoch auch die Stärke des einstigen Gefolgsmanns unterstrich. Beim Sieg in den 'Neun Schlachten' (bis zum 11. Rondra) wurde endlich die Beziehung des Landherrn zum Condottiere Uolbo Valpoza offenbar, der im Rücken der Timoristen vermeintlich das Castello della Torres über Urbet erobert hatte, mit seinen Collaribianci dann aber auf Seiten der Urbasier in die Schlachten eingriff. Seinem Söldnerregiment kam in den folgenden Monaten immer mehr die Bedeutung einer Kerntruppe Travianos zu.

Den erbeuteten Plattenpanzer Rondrigas ließ der Gransignore ihrem Bruder Ralman von Firdayon-Bethana nach dessen Eroberung Vinsalts überbringen - "zur Würdigung seines Sieges" - und erwarb sich so endgültig dessen Feindschaft (die auch über den Seitenwechsel des nunmehrigen Herzogs zu den Aldarenern hinaus anhielt). Zur selben Zeit (etwa Mitte Rondra) vermählte Traviano zudem seine Schwester Odina mit Ludovigo von Calven-Imirandi, einem aufstrebenden Signorino aus der Baronie Ruthor. Überhaupt bestimmten die Heiratsverbindungen seiner Geschwister zu dieser Zeit seine Politik: Sein mittlerer Bruder Amando Leovigo trat dem Turaniterorden bei, um einer Verheiratung zu entgehen, während der bereits verheiratete Rondralio Mitte Travia den Toricumer Weinkonflikt auslöste.

Traviano war bis zu diesem Zeitpunkt der Zerschlagung der benachbarten Nandusrepublik Sibur durch Graf Croenar und Abelmir von Marvinko, aber auch dem ersten Zug Ralmans gegen das timoristische Methumis ferngeblieben und rüstete bewusst erst verspätet zum Kampf gegen die Widersacher der Aldarener im Süden. Als ihn bei der Heerschau in Urbet am 25. Travia jedoch die Nachricht vom Angriff der Republik Belhanka auf das zwar ungeliebte, aber verschwägerte Haus Torrem erreichte, richtete er seinen Feldzug sikramabwärts. In der Schlacht von Tolkram am 30. Travia zerschlug er das unzureichend vorbereitete Heer Belhankas, bevor dieses die wichtige Festungsstadt Toricum einnehmen konnte, und sah sich in der Folge schon als Eroberer sowohl Belhankas als auch der Belhankanischen Republik Efferdas.

Urbasischer Aufstand und Beginn der Tyrannei

Dann überraschte ihn jedoch Mitte Boron der Urbasische Aufstand des Patriziats der Silberstadt, das seine völlige Nichtberücksichtigung in der urbasischen Politik nicht mehr hinnehmen wollte und dem kriegführenden Stadtherrn die Versorgung seines Heeres verweigerte. Traviano ließ den Feldzug im Belhankanischen daraufhin umgehend abrechen - auch auf Kosten der Torrems, die sich nun wieder mit unterlegenem Heer in Toricum eingekesselt sehen mussten - und kehrte rasch nach Urbasi zurück.

Die in aller Eile geführten Verhandlungen des ausgesperrten Gransignore mit dem Patriziat brachten diesem weitgehende Zugeständnisse ein, bis hin zur Wahl des Gonfaloniere als neuem Stadtherrn. Als es am Abend vor der Wahl aber dennoch zu einem Attentat auf Traviano kam, schlug er hart zurück. Rädelsführer des Aufstands wurden eingekerkert, Kritiker eingeschüchtert und die soeben verabschiedete Verfassung durch die Selbsternennung Travianos zum Patron aller urbasischen Zünfte konterkariert. Am 21. Boron wählte ihn die von eigenen Gefolgsleuten dominierte Signoria zum Gonfaloniere.

Im "Winter der Tränen" markierten der vollständige Zusammenbruch der Grafenmacht Croenars und die abwartende Politik des neuen Gonfaloniere in Urbasi eine der schlimmsten Zeiten im oberen Sikramtal. Während auf dem Land Marodeure des Grafenheeres Weiler und Landgüter plünderten, festigte Traviano in Urbasi mit zunehmender Willkür seine despotische Macht. Bisweilen drangen Gerüchte über schlimme Alpträume des Stadtherrn, die ihn seit dem Attentat plagten, nach außen. Wie um diesen zu entfliehen, führte er tagsüber ein umso ausschweifenderes Leben mit beinahe täglich wechselnden Geliebten. Die Geburt seiner Erbtochter Rahjada Amene am 18. Hesinde soll er gar im Bett mit einer anderen Frau "verschlafen" haben.

Die zurückhaltende Politik des Landherren zeigte sich auch gegenüber der neuen Königin Salkya Firdayon, die vom übrigen Adel der Erzherrschaft gewählt zum Krönungs- und Feldzug durch die Gerondrata aufbrach. Traviano wartete mit seinem gewaltigen Heer in und um Urbasi ab, bis Salkya im Firun die Torre überschritt und entsandte seine erfahrene Tante Udora danach zu Verhandlungen mit der Königin.

Der Fürst von Urbasi

Fürstenporträt (leicht verfärbt, sichtbar an den zu dunklen Haaren)

Die Befreiung von Urbet durch Salkya - und ohne Traviano - lenkte nurmehr vom ausgehandelten Bündnis ab: Ende des Monats griffen urbasische Truppen überraschend Marvinko an und schlossen Graf Croenar in seiner Stammfeste ein. Die folgende Selbsternennung des Gonfaloniere zum Fürsten von Urbasi erkannte die Königin wenige Tage später an. Traviano war damit endgültig zu einem der wichtigsten Machthaber des Reiches aufgestiegen und neben dem Erzherrscher die größte Stütze der Ansprüche Salkyas auf den Königsthron.

Abgesichert wurde die Herrschaft einerseits durch großzügige Zugeständnisse an Untergebene, darunter gar die zur Gräfin erhobene Delhena di Visterdi, und andererseits durch ein hartes Vorgehen gegen Widerstände wie jenen der Stadt Silas oder die Vorbehalte vormaliger Unterstützer Croenars. Der Anspruch auf die Führung des Hauses Marvinko wurde auch durch das zunehmende Weglassen des "Urbet-" der Nebenlinie ausgedrückt. Auf dem Höhepunkt der Macht angekommen, musste sich der Fürst nach dem Tod Salkyas in der Schlacht von Westfar jedoch zugleich wieder neu orientieren - und wählte zwischen den verbliebenen Prätendenten erneut Aldare aus, bevor er vollends zwischen die Fronten zu geraten drohte.

Doch auch so wendete sich das Kriegsgeschick, da die Gegensätze zwischen den Provinzherren Traviano und Ralman in der Folge die Überhand gewannen und das junge Fürstentum in den Schlachten um Urbet und im Silbertal im Ingerimm zum wichtigsten Kriegsschauplatz verkam.

Zeichen der Schwäche und Ermordung in Silvaniesco

Dass Traviano seine Macht endgültig überreizt hatte, wurde nach der maßgeblich von ihm verschuldeten Niederlage der Aldarener in Urbet immer deutlicher. Gegen den erfahrenen Feldherrn Ralman konnte er sich in den eigenen Reihen nicht durchsetzen und war seiner Politik als Herrscher der aldarenischen "Frontprovinz" doch erbarmungslos ausgeliefert. Dazu kam der Verrat von durch die eigene Willkür abgeschreckten ehemaligen Gefolgsleuten, vor allem Leomar Romualdo della Penas. Die Reise Travianos nach Ruthor zur Mitte des Monats wurde denn auch als deutliches Zeichen der Schwäche gesehen und ermöglichte seinen Feinden die Vorbereitung von Maßnahmen zur "Beseitigung des Tyrannen".

An der Verschwörung von Alicorno beteiligten sich nicht nur bekannte Widersacher wie Alessandero dell'Arbiato und Romualdo di Salsavûr, sondern auch Leomar und der noch immer in seiner Stammfeste eingeschlossene Graf Croenar (über Mittelsmänner). Sie bedienten sich dabei auch der Schwachstellen, die der Fürst selbst aufgerissen hatte, indem sie seine Affäre mit der Condottiere-Tochter Tsabella Valpoza zur Rekrutierung ihres Verlobten Volparo Valpoza als "Tyrannenmörder" nutzten.

Anfang Rahja zog sich der Fürst nach seiner Rückkehr aus Ruthor - offensichtlich von heftigen Alpträumen geplagt - ins abgelegene Jagdschloss Mortecervi nach Silvaniesco zurück und blieb dem allgegenwärtigen Fest der Freuden dadurch bewusst fern. Während eines Ausritts am 7. des Mondes fiel er dort dem Attentat Volparos und zweier Getreuer zum Opfer.

Siehe auch