Politik der Familie Kanbassa

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Familie Kanbassa

Inhaltsverzeichnis

Charakter der Familie

Die Familie Kanbassa musste seit ihrem Zuzug in die Stadt immer um ihr Ansehen kämpfen. Da man aus Mengbilla stammt, gab und gibt es viele Ressentiments gegen die Angehörigen. Mal wird kolportiert, man sei der Spionage für Mengbilla oder Al'Anfa schuldig sei, ein anderes mal importiert man, Gerüchte zufolge, Gifte, Drogen oder andere verbotene Waren aus dem Süden. Auch wenn man heute,- ununterbrochen seit der Republikgründung im Jahr 1028 BF -, im Senat einen Sitz hat, gibt es speziell bei vielen Landadligen allerlei Vorbehalte.

Der schnelle wirtschaftliche und damit auch politische Aufstieg der Händlerfamilie hat seinen Ursprung in relativ großer Volksnähe, Tüchtigkeit und der Neigung zur Intrige. Speziell mit Horakles Kanbassa wird eine Form der „Hinterzimmerpolitik“ verfolgt, die manch anderem Granden der Stadt ein Dorn im Auge ist. Bislang konnte man sich stets auf Bündnisse und Absprachen verlassen, zudem wusste man die Klientel loyal auf der eigenen Seite.

Darüber hinaus betätigt sich jeder Patron seit Correlio Kanbassa als Mäzen und fördert nach Kräften das Erscheinungsbild der Stadt. Ein besondere Neigung bildet dabei die Förderung des städtischen Phex-Tempels, deren Vorsteher Gorcan Kanbassa ist. Außerdem platziert die Familie immer wieder Angehörige durch Heirat und Dienststellungen in anderen wichtigen Familien und, zunehmend, in der städtischen Politik.


Familienpolitik

Als einzige der efferdischen Patrizierfamilien, hat die Familie Kanbassa keine eigenen Produktionsstätten. Sie führt ein Handelshaus alten Schlages, das Waren aus dem fernen Süden, vornehmlich aus Mengbilla, ins Reich einführt und wiederum horasische Waren ins südliche Aventurien verkauft. Die Schiffsladungen müssen im Hafen gelöscht und ins Lager am Kai verbracht werden. Von dort gehen sie weiter zum städtischen Kontor oder zur bereits wartenden Kundschaft - sei es in der Stadt selbst, oder über Straße und See woanders hin.

Politik in der Stadt

Es verwundert daher kaum, dass die klassische Klientel der Familie ein beachtlicher Teil der Hafenarbeiter stellt. Viele der Schauerleute, Lastträger, Lagerarbeiter und Matrosen stehen entweder direkt im Sold der Familie Kanbassa, oder sie arbeiten für jene Kapitäne und Fuhrleute, die im Auftrag des Patriziergeschlechtes Güter transportieren. Auch oberhalb der niederen Mittelschicht lassen sich, in der gesamten Stadt, Parteigänger der Patrizier vom Forum Notabilium finden. Viele der Fuhrleute und kleineren Reeder versehen ihren Dienst im Auftrag der Kanbassa. Handwerker, wie die wenigen, aber teils wohlhabenden Edelsteinschleifer oder Goldschmiede gehören genauso dazu, wie auch manch reich gewordener Geldwechsler oder gar Kunstschaffender. Zum kanbassischen Klientelkreis der gehobenen, wie auch oberen Mittelschicht zählen lokale Bekanntheiten wie Arnax Silberfinger, Ariano Pecuna, Hesindian Banderetti, Nesradin ibn Kardash und andere.

Ihren tulamidischen Wurzeln folgend kennt die Familie Kanbassa weitestgehend keinen Standesdünkel. Für sie zählen einzig und allein Fleiß, Begabung und Loyalität, sonst nichts. Die Mitglieder sind daher immer bestrebt eine, im Großen wie im Kleinen, schützende Hand über ihre Leute zu halten. Jeden sehen sie als gleichwertigen Partner an, mit dem man einen Vertrag hat, sei es der Kapitän oder der Matrose. Diese Verträge aber müssen befolgt werden. Ein gegebenes Wort hat großes Gewicht. Mit seiner Einhaltung steigt oder fällt das Ansehen des Gegenübers. Ein Partner, der den anderen bestiehlt, betrügt, belügt oder gar erpresst wird fortan nicht beachtet. Schlimmer noch: Er wird öffentlich bloß gestellt. Diese Vorgehensweise betrifft beide Vertragsparteien, weshalb ein Mitglied der Familie Kanbassa nach Möglichkeit keine leichtfertigen Versprechen vergibt. Auf der anderen Seite besagt ein mengbillanisches Sprichwort: „Nur ein voller Beutel kann schenken!“ Es bezieht sich auf die, in diesem Kulturraum übliche, Methode der Almosen.

Freigiebigkeit, Großzügigkeit und Toleranz sind daher Leitlinien, nach denen schon Correlio Kanbassa seine Auftragnehmer behandelt hat. Die gänzlich Mittellosen werden, so gut es eben möglich ist, versorgt. Entlohnungen übersteigen, in der Regel, das Übliche leicht. Und so kommt es, dass sich die Bewohner des Hafens heute noch folgende Geschichte erzählen: In den Efferdstürmen des Jahres 1017 BF sank ein kleines Handelsschiff, das durch Gorcan Kanbassa angeheuert worden war. Kaum einer der Seelaute kehrte nach Efferdas zurück. Gorcan ließ daher all jene Witwen zu sich rufen, die nun nichts mehr hatten, als die Kleidung am Leib und die Münder hungriger Kinder. Er gab Ihnen zunächst Obdach im Palazzo Kanbassa und sorgte danach dafür, dass sie alle in Stellungen kamen, die sie versorgen konnten. Einige stehen heute noch in Diensten der Familie, andere fanden Lohn und Brot bei weiteren Patriziern, oder aber bei Kostgebern des städtischen Mittelstandes.

Politik im Umland

Traditionell hat ein Patrizier vor den Stadtmauern nur wenig zu verkünden. Sein Machtbereich endet zumeist am Stadttor. Die Familie Kanbassa steht dem Adel daher mit Respekt, wenn auch aufrecht, gegenüber. Doch auch hier gelten noch verblasste Maximen, die dem Leben in einer tulamidischen Gesellschaft entlehnt sind. So hat die Familie die Rolle des Adels lange begriffen. Sie hat auch verstanden (und akzeptiert völlig), dass es der Adel ist, der für sich so manches Privileg beansprucht - und beanspruchen darf. Es wird also darauf geachtet, dass man den Herren und Damen des ersten Standes mit allem nötigen Respekt begegnet.

Es gilt jedoch eine Einschränkung: Ein Adliger, der nicht nur auf seine Rechte pocht, sondern offen und ehrlich Pflichten übernimmt, wird immer respektabler behandelt werden, als jener, der für sich nicht mehr ins Felde zuführen weiß, als den Umstand seiner Abkunft. Ist er also ein gerechter Herr, fürsorglich, tatkräftig und schützend zu den Seinen, so wird ihm all die Ehre zuteil, die er verdient. Ist er aber ein bornierter Spross, der vor allem auf die großen Taten der Vorfahren verweißt, der faul ist und behäbig, Lustversessen und feige, so wird er im Höchstfall als eines geschätzt: als Kunde (der zudem noch höhere Preise zahlen muss). Zwar wird auch diesen Herren Anstand und Etikette zuteil werden, doch in Nebensätzen und unterschwellig, wird er sich nur wenigen Freundlichkeiten ausgesetzt sehen.


Klientelfamilien



Karitative Maßnahmen


Geschäftspartner




Verbündete und Freunde


Kontrahenten und Konkurrenz

Die Familie Kanbassa hat es verstanden innerhalb eines halben Jahrhunderts einen großen gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen. Aus einem einzelnen reichen Immigranten erwuchs eine Familie aus einflussreichen Handelsherren und Politikern.

Ihr Vorgehen war von Beginn an häufig ein ähnliches. Man traf diskrete, aber gezielte Absprachen mit bereits etablierten, mächtigen und teils alten efferdischen Kaufherrengeschlechtern. Ab ca. 1000 BF betraf dieses Vorgehen auch den Adel der ehemaligen Baronie. Die Verträge, die man dabei schloss, waren zumeist recht großzügig von eigener Seite gehalten, jedoch achtete man stets auf treue Einhaltung. Ganz nach der Devise „Vertrauen schafft Vertrauen“ erwuchsen so in wirtschaftlicher Hinsicht Partnerschaften, die bis heute Bestand haben. Dem alten Landadel billigte man überdies großzügig Kredite zu und trat als Händler kostbarer und seltener Waren auf.

Durch die Hinterzimmerpolitik und das diskrete Gebaren, erwuchs nie eine Feindschaft aufgrund öffentlicher Düpierung. Vielmehr erschien es oft so, dass die Familie Kanbassa wie durch Geisthand eine Bevorzugung erfuhr, oder aber auf undurchsichtige Weise wirtschaftlichen Erfolg vorweisen konnte. In der Mittelschicht der Stadt, aber auch unter etablierten Handelshäusern steigerte sich zunehmend der Zorn. Den „Neuankömmlingen“ waren Erfolge und Aufstieg nahezu garantiert, was Neid, Missgunst und deutliche Verachtung schuf. Speziell die Familie Raloff erwehrte sich der Kanbassen, was zunehmend in böses Blut und öffentliche Anfeindungen beider Seiten gipfelte.

Familien und Händler des Mittelstandes, die sich, nicht zu unrecht, übergangen fühlten, gehen bis heute in ihrer Feindschaft subtiler vor. Da man sich nicht mehr an Wohlstand, oder Einfluss messen kann, gehen die meisten kleineren Kontrahenten über Nachrede, heimliche Schmähung bis hin zu Gerüchten um Spionage vor. Der Familie Kanbassa wird unter anderem auch die Einfuhr von Giften oder Drogen unterstellt, ihre Verbindung zur Phex-Kirche dient dabei oft als Beweis.

Zitate zur Familie

"... die Rattenplage von 981 BF!"

"Wer die wählt, der wählt Korruption, Erpressung und schlicht den Feind!"

"In alten Tagen hätte man solche Leute zurück ins Meer geworfen!"

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