Irdisches zu Toricum
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Inhaltsverzeichnis |
P&P-Ideen
- Perainia Phalaxana XXV. Torrem bietet ihre Hand demjenigen, der Rondralio von Urbet-Marvinko tötet, ihren entflohenen Traviengemahl. Es muss sich wohl um einen hehren Recken handeln, nicht aber um einen Adeligen. So steht denn als Siegespreis in Aussicht das Traviengemach eines der ältesten Geschlechter des Reiches. Wie viele hehre Recken hat Aventurien, die solch eine "Karriere" erstreben?
- Heraus zum Kampfe mit uns allen!
- Wer bliebe ruhig, hört' er dich?
- Wird deinem Hochmut es gefallen,
- So höre, Lästerer, nun auch mich!
- Wenn mich begeistert Hohe Liebe,
- Stählt sie die Waffen mir mit Mut,
- Dass ewig ungeschmäht sie bliebe,
- Vergöss ich stolz meines letztes Blut!
- Für Frauenehr' und hohe Tugend
- Als Ritter kämpf ich mit dem Schwert!
- Doch was Genuss beut deiner Jugend
- Ist wohlfeil keines Streiches wert.
- Wagner, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg [1] (Der edle Ritter sublimiert seine niederen Triebe zu hoher Minne.)
- Mit dem "Gnadenbild der Heiligen Dorlen von Joborn" muss im Nostrischen oder Andergastischen eine Berührungsreliquie angefertigt werden.
Spieler
Ausgestaltung
Die Ausgestaltung von Toricum gehorcht dem Ordnungsprinzip, dass die aventurischen Setzungen lediglich Orientierungspunkte bieten, die nach besonderen Ausgestaltungswünschen auch verschoben werden oder eine besondere konzeptionelle Ordnung und Gruppierung erfahren können. Insbesondere Leerstellen der offiziellen Inhalte von DSA laden in diesem Sinne zur Ausschmückung ein. Hinzu treten Innovationen, die sich bei näherer Betrachtung jedoch stets als vergleichsweise freie Interpretation oder Durchformung bestehender Inhalte zu erkennen geben, nie als gänzlich freie Erfindung.
Der Kenner der irdischen Sozialgeschichte oder auch der anekdotischen bzw. konkreten Ereignisgeschichte wird sofort erkennen, dass viele Aspekte - sodann wiederum wie eigentlich überall bei DSA - sehr stark ideologischen Soll-Zuständen entsprechen. Sie sind ein wichtiger Grundstein für den "Spielfrieden". Ferner wird erkennbar sein, dass der Kultus mitsamt seinen Innovationen bzw. Interpretationen nach Vorbildern der alten und der mittleren Zeit in eine erheblich straffere Beziehung zwischen "Himmel und Erde" gesetzt wird, als dies gewöhnlich bei DSA hervortritt.
Im Wesentlichen jedoch wird lediglich eine kulturhistorische Herkunft postuliert, die bei offiziellen Inhalten leicht durch ein ungeschlossenes Nebeneinander von Entlehnungen und vor allem durch eine rückblickende Geschichtsdeutung und -wertung sowie durch affirmative Bedürfnisse der irdischen Gegenwartsgesellschaft und ihrer Werthaltungen verdrängt wird.
- "In Toricum sind beispielsweise Elfen keine Blumenkinder ohne soziale Konflikte, die die Utopien der 68er ausleben können. In Toricum leiden unterdrückte Bauern auch nicht mehr, als dies heute der Arbeiter trotz seiner bürgerlichen Freiheit tut. Toricum neigt zur Dekonstruktion derjenigen Aspekte, die gewöhnlich für die Vermarktungsfähigkeit des Produkts stehen. Mehr ist da nicht dran."
- "Trotzdem wird man auch in Toricum gesellschaftliche Formationen in idealischer Überhöhung vorfinden, gleichsam in Reinheit und in unverminderter Erfüllung der kulturhistorischen Zweckgebung. Sonst wäre DSA kein Spiel, sondern ein Streit. Aber die Zweckgebungen sollen keine leeren Hülsen bleiben, die in der irdischen Welt vor Jahrhunderten verschossen wurden und sodann, längst erkaltet und unkenntlich, von teilweise ahnungslosen Autoren aufgegriffen werden."
Kultus
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Praios: höchste Moralität, Gerechtigkeit (philosophisch), Friede |
Torrems Unkenntnis jüngerer Setzungen zur Götterwelt hat den Vorteil, dass die Ordnungsvorstellungen seiner Aventurier nicht als unanfechtbares "Wissen" um den Stellenwert der Zwölfgötter in der Gesamtordnung aufscheinen. Insbesondere die sittliche Abgrenzung zu den korrespondierenden Dämonenkulten ist "Glaubensfrage", mithin "zivilisatorische Grundannahme".
Die Frage nach der Sittlichkeit, die den Zwölfgöttern beigegeben wird - mit einer Tendenz zur Frage nach Zivilisation oder aber Barbarei - lässt immerhin Vorstellungen zu, was in der entsprechenden Abgrenzung heidnisch sein soll und weshalb. Kritisch ist die Frage, ob ein kultischer Grundaspekt überhaupt mehr als eine Gottheit voraussetzt. Schließlich könnte auch schlicht die Verehrung im Gang der Kulturgeschichte sich verfeinert haben. Und ferner: Hat ein Gott etwa ein "Wahlprogramm"? Und käme es ohne Interpretation aus? Das sind die Zweifel, kein Wissen. Erkennbar gewinnt das "Silem-Horas-Edikt" hierdurch an Motivik und Größe: Silem wollte vermutlich die Zivilisation schöpfen oder reinigen.
Beispiel: Durch Rondra wird nicht der Krieg verherrlicht. Durch Rondra wird der Frieden verteidigt. Hierhin könnte ein archaischer Ausgangsaspekt verfeinert worden sein. Kor ist vielleicht von klugen Intellektuellen unter Rondra degradiert worden. Mehr noch: Der Toricumer Geweihte ist generell mehr als ein "Regenbogenbeschauer". Er ist ein mehr oder weniger verantwortungsbewusst aus dem Kultus heraus agierender Mittler zwischen Gottheit und Idee, Gewissen und Gemeinwohl.
Analogien und Interpretationen
Die Konnotationen der Zwölfgötter erhalten einen "christlichen Drift", wobei Praios als Götterfürst für das transzendente Ideal steht ("Gottvater") und seine Geschwister so weit als möglich mit innerweltlichen, auf dieses Ideal ausgerichteten Tugenden und Erfordernissen verknüpft werden (Bsp.: Rondrenkult als "Militia Christi"). Dadurch ist Praios zugleich stärker entrückt und gleichwohl das Ziel. Die Zwölfgötter bilden also eine konzeptionelle Einheit, die gleichwohl nicht als Zwangskostüm gedeutet werden muss. Auf diesem Wege sind die üblichen dem Anscheine nach vorhandenen Oppositionen und etwaige fehlende Plausibilität nicht aufgehoben, treten jedoch nur noch als Akzente in Erscheinung. Beispielsweise können sich die Travia- und die Rahjaanhängerschaft gegenseitig eine Perversion ihres sittlichen Anliegens vorwerfen, - ohne dabei jeweils vollständig im Recht zu bleiben.
Horas hat Ähnlichkeit mit Aeneas oder Romulus - auch in Beziehung auf legendäre Ahnenschaften -, daneben entfernt mit Christus. Dabei ist der Aspekt des Gründerheros einer Zivilisation und ihrer Werte maßgeblich, weniger oder nur optional eine heilsgeschichtliche Auslegung. Vermutlich oder im Zweifel ist es eine tendentiell eher innerweltliche Heilsgeschichte, wie sie auch in der Herrscherideologie der Horaskaiser anzutreffen ist. Übrigens ist Christus auch eine innerweltliche Erscheinung bzw. als mutmaßliche Inkarnation von Gottvater ein Offenbarer des göttlichen Gesetzes. Man muss also auch in dieser Analogie kein rotes Tuch erblicken.
Die Rolle des Namenlosen entspricht der des Teufels. Er agiert als Störer innerhalb der angestrebten Ordnung und ist dem Zeitlichen angesichts der menschlichen Individualzwecke bzw. der Spaltung der Menschheit in Individuen immanent, jedoch keineswegs wegen dieses immanenten Mangels anzustreben. Die Rolle der Erzdämonen bleibe ungeklärt bzw. ungedeutet. Näherungsweise verkörpern sie eine "Antiethik", sind also nicht systemimmanent. Dass sie einer anderen Sphäre zugehörig sind, lässt sich in diese Überlegung eingliedern und muss auch nicht bestritten werden.
Der Namenlose ist wegen seiner Immanenz grundsätzlich stark und präsent, solange die Welt die Welt ist ("Fürst der Welt"). Offene Verehrer lassen sich am ehesten mit Anarchisten vergleichen. Verehrer der Erzdämonen lassen sich am ehesten mit Faschisten vergleichen, weil sie eine prinzipielle Ähnlichkeit der Formen und der Aspekte mit unethischen Zielsetzungen verknüpfen und sich dessen in Form von Selbsttäuschung oder sittlicher Kurzsichtigkeit nicht bewusst sein müssen. Evtl. sind die unter archaischen Bedingungen lebenden und geistig unterlegenen goblinesken Völker sowie Kinder aus diesem Grunde für ihre Verehrung besonders anfällig. Dass der Namenlose die Ziele der Erzdämonen durch Spaltung und Krieg grundsätzlich auch einlösen kann, muss kein Widerspruch sein. Er kann dies mit den Erzdämonen gemeinsam haben. Der Unterschied besteht sodann darin, dass der Willensvollstrecker des Namenlosen ein Gut anstrebt und das universale Gute verkennt, wohingegen der Willensvollstrecker der Erzdämonen den Unterschied zwischen Gut und Böse tendentiell gar nicht kennt und vollends zum Vehikel wird, also kein Mensch ist. Die intellektuelle Variante wäre das auch interessehalber betriebene Vordringen in die archaischen Bereiche der menschlichen Seele. Die Unterteilung in "Sphären" hätte somit eine Analogie in Schichten des menschlichen Bewusstseins, so dass der aventurische Makrokosmos einen ihm entsprechenden Mikrokosmos in jeder menschlichen Seele hätte. Das Streben nach den Zwölfgöttern ist also Ratio und eine Art sittliches Wachbewusstsein - verstärkt durch Gebote -, wohingegen die Dämonen nicht umsonst in die Träume und insonderheit in die Alpträume eindringen. Die Echsen sind entsprechend die vorzüglichsten Verehrer erzdämonischer Entitäten, - weil sie nur mit einem archaischen Reptilienhirn denken (können).
Weitere Entlehnungen
- Die Heilige Gylduria kann als Patronin eines Rahja-Tempels herangezogen werden, weil sie als leibliche Mittlerin zwischen Göttern und Menschen gedient hat. Damit wird nicht behauptet, sie sei keine Hesinde-Heilige mehr. Sie erhält einen Akzent als Gottesmutter, wobei die hergestellte Analogie nicht zu monumental wirken soll.
- Die Fußwäsche, die der Phalaxan oder die Phalaxanne jährlich im Ausgang der Tempelweihprozession von Toricum an den Ärmsten der Armen vornimmt, ist christlichen Ursprungs und signalisiert die Demut der sozial Hochgestellten. Im klassischen Heidentum wäre eine solche Handlung undenkbar - wobei Torrem sich gerne belehren lässt -, weil der sozial Schwache niemals vor den Heidengöttern als (späterhin) privilegiert gelten würde. Letzteres wäre christlich und aus heidnischer Sicht subversiv.
- Der Rondrenkult als Instrument innerweltlicher Friedenssicherung entspricht der Rolle der weltlichen Obrigkeit. Hieraus erklärt sich auch die Rolle von Silem Phalaxan als Geißel und zugleich als Retter des Praioskultes, nämlich durch Infragestellung der innerweltlichen Rolle bei gleichzeitiger Anerkennung der Berechtigung unter dem Blickpunkt des Ewigen.
- Das Maultier, auf dem der Toricumer Praioshauptgeweihte reitet, wäre auch das Reittier des Nachfolgers Petri.
- Geordnet nach Hierarchie, tragen einige Toricumer Praiosgeweihte rote Kleidungsstücke. Hierdurch wird signalisiert, dass sie bereit sind, für die Zwölfgöttlichkeit das Martyrium auf sich zu nehmen (siehe "Kardinalspurpur").
- Geordnet nach Hierarchie, tragen einige der Toricumer Praiosgeweihten als Kopfbedeckung ein venezianisches Dogenhorn. Die Übereinstimmung mit der Kopfbedeckung der Primesta von Belhanka war ursprünglich zufällig und entsprang der Suche nach Abbildungsvorlagen. Toricumintern wird angenommen, dass die Primesten die Kopfbedeckung von der regionalen Praiosgeweihtenschaft übernommen - oder umgekehrt sie ein Kleidungsattribut geprägt haben.
- Wer nicht zwölfgöttergläubig ist, kann per se kein Bürger im rechtlichen Sinne sein und fällt unter eine Sondergesetzgebung.
- Die Fähigkeit des Phalaxans oder der Phalaxanne, durch Handauflegen Menschen zu heilen, entspricht einer entsprechenden mutmaßlichen Fähigkeit des Königs von Frankreich. Allerdings soll völlig offen bleiben, ob es sich um eine wirksame Übermittlung des Heils aus einer heiligen Ordnung heraus handelt - oder um einen Placebo-Effekt. Der Grund liegt wahlweise in der Abstammung von einem Rondra-Heiligen oder - was verallgemeinerbar wäre - in einer Übermittlung des Heils vom König und Horas bis hin zu den Gliedern seines Reichskörpers.
Konkurrenzen und Begegnungen
Die vorliegenden Interpretationen werden nie relevant. Entweder argumentieren die Spieler wie von selbst mit christlich-abendländischen Moralvorstellungen, oder die Toricumer Interpretationen sind hinreichend dehnbar.
Zusatzmaterial
Zur Orientierung seien folgende "aventurische Bücher" beigegeben, die für Toricum entweder für relevant oder abseits des briefspielerischen Rahmenkonsens' für sozusagen inhaltlich vorhanden angesehen werden. Eine Ausnahme bildet auch für Toricum ein Glossar zur irdischen Renaissance, insofern die Inhalte nicht an die Spielwelt angeglichen sind und unter dem Hauptblickpunkt der Renaissance in Italien zumindest die Härten mancher Analogie entfallen müssten:
Derisches Bosparan | Universalmonarchie | Translatio Imperii | Nachfolge Bosparans | Renascimentum
Hela-Horas | Donna Philía | Der doppelte Rahjenheld | Marschall Folnor
Geschichtswerke
Historia Efferdicorum a Bello Successionis Horaticae
Souveränität | Ständesouveränität | Korporation
Hausgesetz | Fundamentalgesetz | Stand | Travienbund | Hausverband | Sippenverband | Patronage
Hof | Kloster | Dorf | Marktort | Stadt | Metropole
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