Geschichte Urbasis: Die Regentschaft der Berater

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Nach der Urbasischen Fehde und der Herrschaft Signora Caldia d'Auspizzis ergriffen die Patrizier Urbasis faktisch wieder die Macht in der Stadt, bevor sie ihren vorherrschenden Einfluss unter dem Haus Urbasi-Agendayo erneut einbüßten.

Zeitleiste 933-968 BF

Die 'Regentschaft der Berater' (933-968 BF)

Mit dem schwermütigen und schicksalsergebenen Sumudan wurde 933 BF ein Mann Signore, der so unscheinbar und beeinflussbar erschien, dass seine Berater heute berühmter sind als er selbst. Die urbasischen Patrizier sahen unter der Führung Prajane Silbertalers und Savinya Zorgazos bereits wenige Wochen nach dem Antritt Sumudans die Gelegenheit gekommen, sich dem Signore als künftige Berater zu 'empfehlen' und beherrschten die Politik der Stadt infolgedessen geradezu nach Belieben.

Was die letzte Signora Caldia ihrer Meinung nach versäumt hatte, setzten sie sich dabei zum obersten Ziel: die Förderung und Stärkung der Stadt Urbasi. Dazu gehörte es auch, wieder einen Gonfaloniere zu wählen, selbst wenn dessen Einfluss nur informell so groß war, wie derjenige der alten Vorbilder.

Während der 'Regentschaft der Berater', wie diese Zeit heute genannt wird, wandelte sich das Stadtbild Urbasis enorm. Dem Umzug der Familie Solivino (und damit ihrer Cassianti-Kellerei) nach Urbasi 935 folgten der Ausbau der Vorstadt Agreppara mit Befestigung, der ehrgeizige Plan zur Errichtung des neuen Magistratspalastes (939-947) und schließlich der Entwurf zum Umbau der gesamten Altstadt innerhalb des ältesteten Mauerrings zum Prunkviertel Magistralia. Einzig der Brand des gerade neu errichteten Hesinde-Tempels 963 warf die Stadt dabei zurück – doch erlaubte die Erbstiftung des Heiligen Francidio Arcimboldo immerhin den umgehenden Wiederaufbau (der indes noch immer andauert).

Auch politisch zeigte sich die Stadt nun wieder deutlich selbstbewusster – so wurden etwa Hinweise der Barone von Marudret und der (ohnehin gerade im 'Sikramzwist' untereinander verfeindeten) Marvinko auf die Zugehörigkeit des östlichen Sikramufers (und damit Agrepparas) zu ihren Lehensgebieten geflissentlich ignoriert. Die Barone von Sibur aus dem Haus della Tegalliani wussten sich vor einer Vereinnahmung durch die Stadt gar nur mit einer Vermählung ihrer Erbin mit dem königlichen Thronfolger zu erwehren ...

Sumudan d'Auspizzi (933-968 BF)

Den Enkel Signora Caldias bekamen die meisten Urbasier noch seltener zu Gesicht als seine Großmutter, obwohl er die Stadt während seiner formellen Herrschaft kaum einmal verließ. Er lebte zurückgezogen im Castello d'Urbasi und gewährte seinen Beratern große Freiheiten bei allen Regierungsgeschäften. Wenn er doch einmal an einem der hohen Fenster der Festung erschien oder einen seiner seltenen Ausflüge zu den Ruinenfeldern vor der Stadt unternahm, tat er dies zumeist mit einem traurigen, melancholischen Gesichtsausdruck.

Dass der schicksalsergebene Sumudan von den Stadtoberen bewusst gefügig gehalten und womöglich gar verzaubert wurde, hält sich unter den Feinden Urbasis bis heute als Gerücht.

Prajane Silbertaler (933-953 BF)

Die erste Gonfaloniera während der 'Regentschaft der Berater' war eine strahlende, charismatische und durchaus eitle Frau, die sich der Geschichte ihrer Familie sehr bewusst war und sich selbst dazu ausersehen sah, diese zu neuen Höhen zu führen. Doch obwohl Prajane zwanzig Jahre lang nach außen hin an der Spitze der Stadt stand, sollen hinter den Kulissen vielmehr ihre beiden Nachfolger die Geschicke Urbasis gelenkt haben.

Die insgesamt vierte Gonfaloniera verstarb schließlich infolge eines bis heute Rätsel aufgebenden Unfalls, als sie an einer der Baustellen der Stadt unter einer schweren Marmorplatte begraben wurde.

Savinya Zorgazo (953-958 BF)

Die sich nach außen oft verschlossen zeigende Savinya wurde zur Gonfaloniera gewählt, nachdem Gerüchte ob einer Verstrickung ihres ärgsten Rivalen Ferrante Deraccini in den Tod Prajanes in Umlauf gelangt waren. Viele Urbasier hätten dies freilich auch der düsteren und als begabte Manipulatorin geltenden Matriarchin der Familie Zorgazo zugetraut.

Darüber hinaus ist sie vor allem als Initiatorin des Baus des Palazzo Sathÿara in Erinnerung geblieben, den sie vermutlich ihrer eigenen Familie als neue Residenz zugedachte, dessen Fertigstellung sie aber nicht mehr erlebte, da Boron die bereits Ergreiste schließlich zu sich berief.

Ferrante Deraccini (958-971 BF)

Dem bekannten Machtpolitiker Ferrante, der sich bereits in jungen Jahren als Nachfolger seines früh verstorbenen Vaters maßgeblich an der Regentschaft der Berater beteiligte und vermutlich schon in den letzten Jahren der Gonfaloniera Prajane zum heimlichen Wortführer des urbasischen Patriziats aufstieg, haften bis heute manche Zweifel ob seiner Unschuld am Tod seiner beiden Vorgängerinnen an. Daran konnte auch eine öffentliche Verlautbarung der Geweihten der Stadt, die ihm nach dem Tod Savinyas ihren Segen erteilten, nichts ändern.

Dennoch erreichte der Patriarch des in den Verwaltungsstuben der Stadt ohnehin omnipräsenten Geschlechts Deraccini eine Machtfülle, wie kaum ein Herrscher Urbasis zuvor. Geschickte Diplomatie ließ ihn Bündnisse mit möglichst nicht direkt benachbarten Verbündeten schließen, die seinen Ambitionen nicht im Weg standen, ihm aber den Rücken freizuhalten vermochten. Unmittelbaren Rivalen präsentierte er sich dagegen unnachgiebig und stets zu allem entschlossen.

Als den formellen Stadtherrn Sumudan in den Jahren nach dem Tod Savinyas jedoch zunehmend das Siechtum ergriff, musste sich Ferrante auch über den Fortbestand seiner eigenen Herrschaft Gedanken machen. Die Ausrufung einer neuen 'Civitas' hätte in dieser Zeit niemanden überrascht, doch Ferrante brachte stattdessen den alten Signore dazu, seinen eigenen Neffen Pandolfo zu adoptieren – in der Hoffnung, dass dieser dem Adligen nun nachfolgen würde.

Diesmal hatte Ferrante seine Macht aber überschätzt: Nach dem Tod Sumudans waren die Adligen des Reiches keineswegs bereit, einen adoptierten Patriziersohn als Erben zu akzeptieren. Der verdeckt geführte Machtkampf zwischen dem neuen Signore Viburn und dem alten Gonfaloniere Ferrante dauerte drei Jahre lang, bevor es dem Adligen – mutmaßlich durch die Hilfe der Familie Silbertaler – gelang, den beherrschenden Einfluss des Patriziers auf den Verwaltungsapparat der Stadt zu durchbrechen und ihn zum Rücktritt von seinem Amt zu zwingen.


Meisterinformationen: Die Regentschaft der Berater

Wie so oft steckt auch hinter den Gerüchten über die Regentschaft der Berater zumeist ein Fünkchen Wahrheit. Treibende Kraft der Entmundung des (ohnehin leicht beeinflussbaren) Signors Sumudan war die heimliche Hexe und Satuariadienerin Savinya Zorgazo, die den Adligen mit Zauberei gefügig machte und mit Prajane eine unwissende Erfüllungsgehilfin als Gonfaloniera einsetzte. Zu ihren anfänglichen Widersachern im Ringen um politischen Einfluss zählte vor allem Ferrantes Vater, den sie aber bei einem Unfall umkommen ließ. Ihrer Zauberei bediente sie sich auch, um die ebenfalls im Korngeschäft tätige Familie Arcimboldo auszuschalten: Durch Fluchmagie herbeigeführte Missernten und die Unfruchtbarkeit des letzten Sprösslings Francidio führten so zu deren Niedergang und schließlich Aussterben.

Als sie ihre Herrschaft bereits gesichert glaubte, wuchs Savinya im jungen Ferrante allerdings ein neuer Rivale heran, der im Patriziat zunehmend an Einfluss gewann und Savinyas informelle Stellung als wichtigster Berater Gonfaloniera Prajanes einzunehmen drohte. Deswegen ließ die Hexe ihre Vorgängerin umbringen und Gerüchte auf eine Urheberschaft Ferrantes ausstreuen, die ihr selbst die Wahl zur neuen Stadtherrin sicherten. Während der Herrschaft Savinyas sammelte Ferrante Hinweise auf deren Machenschaften (die auch die heimliche Wiedererrichtung eines alten Satuariaheiligtums unter dem Palazzo Sathÿara zum Ziel hatten) und präsentierte diese schließlich ausgesuchten Geweihten der Stadt. Gemeinsam holte man zum verdeckten Schlag gegen die Hexe aus und überwältigte sie sowie ihre als Nachfolgerin ausersehene Tochter – da aber die Hintergründe niemals öffentlich werden sollten, blieben Zweifel an Ferrantes Unschuld in der Folge stets bestehen. Der spätere Verrat der Familie Silbertaler am Stadtherrn und vermeintlichen Prajane-Mörder Ferrante erscheint daher verständlich, auch wenn er tatsächlich den Falschen traf.

Sumudan gelangte nach Savinyas Tod in die Obhut erfahrener Seelenheilkundiger der Boronkirche (darunter ein weiteres Mitglied der Deraccini-Familie), erholte sich von der jahrzehntelangen Beherrschung aber nie mehr vollständig.


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