Fluch der Malavista
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Als Fluch der Malavista wird ein in den Tagen des Unabhängigkeitskriegs über das Haus di Malavista verhängter Fluch bezeichnet, der es eng an die Hexen des Landes bindet.
Wie es dazu kam ...
Halmar hatte einen Hof im Ranaqidischen, nah am Sikram. Er lebte lange Zeit gut vom Vieh auf den Weiden und seiner Felder Früchte. Dies hatte er sich nach vielen Jahren des Kriegsdienstes verdient, denn er war nicht immer Bauer gewesen, sondern hatte als Kind einfacher Leute das Glück gehabt, in jugendlichem Alter von einer Schule entdeckt und aufgenommen zu werden. So kam er in viele Landstriche und kämpfte auf dem Boden Deres für den einen und anderen Herrn, überlebte und erhielt schließlich ein eigenes Stück Land, das er fortan bewirtschaften konnte.
Doch die Zeiten waren nicht, was sie heute sind, und das Reich war uneins. Was ihm als Krieger zu Glück und bescheidenem Wohlstand verholfen hatte, das wollte ihm als Landbesitzer nicht recht taugen und so kam es dass er mit den Herren darüber in Streit geriet. Das ganze Land ringsum begehrte gegen die Ungerechtigkeit der Herrschaft auf und einjeder ward unzufrieden. Von ihrer Hände Arbeit konnte bald kaum einer leben. Der Zehnt ward schon mehr und mehr, und viele litten Hungers. Selbst die Edlen begehrten auf, als ihre Pächter, die Bauern und Hirten zunehmend verarmten und die Herrschaft nicht weiter versorgen konnten. Groß wie klein lehnten es ab den fernen Herren in Gareth zu dienen. Schon hatte es erste Revolten gegeben, die blutig niedergeschlagen wurden. Halmar jedoch war klug und so nahm er viele Entbehrungen hin, ehe er zum Schwerte griff. Es kümmerte ihn sehr, wenn er von Nachbarn erfuhr die verhungerten, und er wurde zornig als er erfuhr wie sein Herr von den Kaiserlichen gedemütigt wurde, indem man ihn auf das Feld schickte, geschirrt an einen Pflug, um den Zehnten beizubringen. Die Vernunft jedoch riet ihm zum Frieden, denn er war allein gegen die Großen. So wurde er in seinem Stolz immer einsamer und sehr traurig. Erst als er von Hilbert Paklai und den Seinen hörte, da keimte ein Funken Hoffnung ihn ihm wieder auf.
Nachbarn und Freunde kamen zu ihm, wenn sie seinen Rat benötigten, und insgeheim half er. Doch offen an Hilbert Paklais Seite zu kämpfen mochte er, in Sorge um Haus, Hof und Familie, noch nicht wagen. Erst als wilde Söldner der Kaiserlichen über sein Land herfielen, brandschatzten und plünderten, seine Frau und Kinder bedrohten, da ergriff er Eivengrat, den mächtigen Bidenhänder und machte seine Feinde nieder. Er floh in den nahen Ranafandel und viele folgten ihm. Von da an war er ein Geächteter. Wo immer sie verharrten, da folgten ihnen jedoch die Schergen des Kaisers und so irrten sie in der Wildnis umher. Immer weiter auf der Flucht entfernten sie sich von ihren angestammten Landen und ihre Verzweiflung wuchs mit jedem Tage. Schließlich gelangten sie in einen finsteren Forst, und Halmar, auf der Suche nach Abgeschiedenheit, wanderte weit vom Lager, als er leise Stimmen und Musik vernahm. Das alles schien ihm fremd und als er den Geräuschen folgte, da wurde er neugierig. Schließlich erreichte er eine Lichtung, auf der sich allerlei junges und altes Frauenvolk um ein großes Feuer vesammelt hatte. Die Musik war von pulsierender Intensität, und das Lachen der Schönen auf der Lichtung zog ihn in ihren Bann. Kaum da er die Lichtung betreten hatte, kamen schon die ersten der Weiber herbei und rissen ihm Kleider und Rüstzeug vom Leibe. Wie verflogen schienen Kummer und Sorgen und er tanzte, sang und liebte! Er stieg über die eine wie die andere wie ein brünstiger Stier, stach in die Spalten, die sich ihm darboten wie er zuvor auf dem Schlachtfeld die Lücken des Feindes durchbrochen. Im Rausch ergoss er sich in den Lustbarkeiten dieser Nacht bis der Herr Praios seine Strahlen hernieder schickte, um dem unheilig schönen Treiben ein Ende zu bereiten.
Am Morgen kam eine Schöne und sprach zu ihm: "Nun musst du sterben, mein wackerer Stier. Du hast erfahren, was du nicht hast erfahren sollen."
Halmar war noch erschöpft und voll Wehmut ob des Verlustes von Heim und Herd, auch war er zutiefst reuig ob der begangenen Sünde. So sagte er, während er in die ersten Strahlen der Praiosscheibe blickte:
"Der Herr Praios ist gekommen und will mich strafen, für die Sünde, die ich begangen. Doch kümmert es mich nicht, mein Leben zu lassen. Nur dass die meinen schutzlos bleiben sollen ohne mein Schwert, das will mir nicht behagen."
"Dein Schwert ist wahrlich mächtig, Fremder und es hat uns gut gedient in dieser Nacht. Darum sei dir eine Chance gewährt. Wenn du uns ebenso heiligst wie den Dienst an den deinen, götterfürchtig wie du bist, so höre dies: Du sollst es nicht vergessen! Die deinen sein die unsrigen! Ein jeder deiner Samen Frucht soll auf Generationen zuerst zu unserer Wahl stehen, so wir sie wollen. Wenn du dich weigerst, sei dein Samen vergeudet und unfruchtbar bis ins dritte Glied fortan! Damit du lebst, nimm an!"
Daraufhin besann sich Halmar und blickte streng in die Augen der Schönen.
"Mich kümmert nicht ob ich heute sterbe! Doch besorgt mich das Schicksal derjenigen, die mir folgen. Meine Kinder wirst du nicht bekommen, Hexe! Die Zwölfe zu Zeugen, die Kinder, die ich euch zeuge sein die euren. Doch mein eigen wird mein eigen bleiben, oder ich sterb und geh mit Golgari!"
Da war die Hexe bass erstaunt, verhielt für den Moment, um schließlich zu erwidern:
"Die deinen werden die unsrigen sein, auf ewig! Dein Geschlecht soll erblühen und edel werden, wenn du dein Blut bereit bist dafür zu geben. Doch jedes Kind, das wir erwählen, wird zu uns gehören und kommen, wenn wir rufen. Dein Fluch und Segen sei so ein Zwiefacher: Gib Blut für des Standes Ehr und nimm Blut von der Ehren Stand. Dein Blick ist scharf gewesen und du und die deinen, die wir erwählen, sollen ebenso die Fäden des Gewebes erspähen. Und einjeder der deinen muss unserem Ruf folgen, wenn er mit der Gabe geboren wird. Nur dann wird dir das Leben geschenkt!"
So kam es, dass er frei gelassen und Blut mit Blut bezahlte. Die alte Ehr des Kaiserreiches bekämpfte er wo er konnte und gab dabei reichlich von dem seinen. Doch seither ist das Blut der Malavista verflucht und gesegnet zugleich und mit den Hexen im Silbertal eng verwoben, wie man sich erzählt ...


